Doing-Business-Ranking IWF-Chefin unter Manipulationsverdacht

IWF-Chefin Kristalina Georgieva soll in ihrer Zeit bei der Weltbank die Schönung eines Berichts zum Geschäftsklima in China veranlasst haben, schreiben Gutachter. Georgieva dementiert, die Weltbank reagiert.
Weist jeden Vorwurf zurück: Kristalina Georgiewa, ehmalige Geschäftsführerin der Weltbank und heute IWF-Chefin

Weist jeden Vorwurf zurück: Kristalina Georgiewa, ehmalige Geschäftsführerin der Weltbank und heute IWF-Chefin

Foto: Jose Luis Magana/ DPA

IWF-Chefin Kristalina Georgieva (68) ist unter Druck geraten, weil sie in ihrer Zeit bei der Weltbank die Schönung eines Berichts zum Geschäftsklima in China veranlasst haben soll. Ein am Donnerstag bekannt gewordenes Gutachten der Anwaltskanzlei WilmerHale deckt Unregelmäßigkeiten im von der Weltbank veröffentlichten Lagebericht "Doing Business" auf. Georgiewa, die damals Geschäftsführerin der Weltbank war, weist die Vorwürfe zurück. Die Weltbank kündigte an, die Publikation der jährlichen Rangliste einzustellen, die die Wirtschaftsfreundlichkeit von Ländern bewertet.

Dem Gutachten zufolge befand sich die Weltbank im Herbst 2017 in delikaten Verhandlungen mit China, während zugleich die Veröffentlichung des Lageberichts 2018 bevorstand. Im Geschäftsklimabericht der Weltbank von 2017 war China auf Platz 78 gekommen, was in Peking für Unmut gesorgt hatte. Nach Erkenntnissen von WilmerHale intervenierte die damalige Weltbank-Generaldirektorin Georgieva und forderte die mit dem Bericht befassten Mitarbeiter auf, eine andere Methode anzuwenden, um am Ende ein für China besseres Ergebnis zu erzielen.

Einen ranghohen Mitarbeiter soll sie dafür gerügt haben, dass er die Bedeutung des Lageberichts für China falsch eingeschätzt habe. Laut WilmerHale sorgte das Eingreifen Georgievas letztlich dafür, dass einige Daten im Lagebericht 2018 verändert wurden und China somit Rang 78 behalten konnte - statt noch einmal sieben Plätze abzurutschen.

Georgiewa weist die Vorwürfe entschieden zurück. Sie stimme den Ergebnissen und Interpretationen der Untersuchung von Datenunregelmäßigkeiten in Bezug auf ihre Rolle bei dem "Doing Business"-Bericht für 2018 nicht zu, erklärte sie. Sie habe sich mit dem Exekutivdirektorium des IWF getroffen, um die Angelegenheit zu besprechen.

Vorwürfe auch gegen Ex-Weltbank-Präsident Kim

Neben Georgiewa steht auch der damalige Weltbank-Präsident Jim Yong Kim (61) im Zentrum der Vorwürfe. Dem Bericht zufolge übten ranghohe Mitarbeiter aus seinem Büro wahrscheinlich auf seine Anweisung hin "direkten und indirekten" Druck aus, um die Methodologie zur Erstellung des Berichts zugunsten Chinas zu ändern.

WilmerHale verwies auch auf Unregelmäßigkeiten bei den Daten, mit denen das Ranking für Saudi-Arabien und Aserbaidschan in dem "Doing Business"-Bericht für 2020 ermittelt wurde. Hinweise auf eine Verwicklung der Weltbankführung seien hier aber nicht gefunden worden.

Die Weltbank erklärte, sie werde an einem neuen Ansatz zur Bewertung des Investitionsklimas und der Wirtschaftsfreundlichkeit eines Landes arbeiten.

rei/AFP/Reuters
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