BIP wächst wieder Verbraucher halten Konjunkturmotor am Laufen

Nach der Vollbremsung zu Jahresbeginn wächst die deutsche Wirtschaft wieder. Vor allem der Privatkonsum schiebt das Wachstum im zweiten Quartal an. Überwunden ist die Krise damit aber noch nicht.
Volle Einkaufsstraßen: Die Corona-Beschränkungen sind weitgehend aufgehoben, die Verbraucher haben Nachholbedarf - und kaufen

Volle Einkaufsstraßen: Die Corona-Beschränkungen sind weitgehend aufgehoben, die Verbraucher haben Nachholbedarf - und kaufen

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Henning Kaiser/ dpa

Die Konsumlust der Verbraucher nach dem Ende des Corona-Lockdowns im Frühjahr hat die deutsche Wirtschaft aus ihrem Tief geholt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte im zweiten Quartal gegenüber dem Vorquartal nach einer ersten Schätzung des Statistischen Bundesamtes um 1,5 Prozent zu. Damit blieb das Wachstumstempo aber hinter den Erwartungen zurück. Zu Jahresbeginn war die Wirtschaftsleistung den jüngsten Daten zufolge um 2,1 Prozent geschrumpft. Sorgen bereiten aktuell die Ausbreitung der Delta-Variante des Coronavirus sowie Materialknappheit in der Industrie, die die Entwicklung bereits im Frühjahr dämpfte.

Getragen wurde die Konjunkturerholung von April bis Juni vor allem von höheren privaten und staatlichen Konsumausgaben. Die Einschränkungen zur Bekämpfung des Coronavirus waren ab Mai schrittweise wieder gelockert worden.

Gegenüber dem zweiten Vierteljahr 2020 wuchs das Bruttoinlandsprodukt im Zeitraum April bis Juni 2021 preisbereinigt kräftig um 9,6 Prozent. Zu Beginn der Corona-Pandemie im vergangenen Frühjahr war die Wirtschaftsleistung dramatisch eingebrochen. Ökonomen gehen davon aus, dass vor allem der private Konsum die Konjunkturerholung in den kommenden Monaten antreiben wird.

Lieferengpässe - viele Aufträge bleiben liegen

Die Wirtschaft sieht noch keinen Grund zur Entwarnung, zumal ihr pandemiebedingte Lieferengpässe bei Containern, Computerchips und Bauholz zu schaffen machen, betonte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben (62). Das Verarbeitende Gewerbe etwa sitzt auf prall gefüllten Orderbüchern, kann die Aufträge wegen Lieferengpässen bei Rohstoffen und Vorprodukten wie Chips aber oft nicht abarbeiten.

Deutschland liegt mit seiner Wachstumszahl in der Euro-Zone auch nur im Mittelfeld: So legte die Wirtschaft anderer Staaten wie etwa Portugal (plus 4,9 Prozent), Italien (plus 2,7 Prozent) und Spanien (plus 2,8 Prozent) stärker zu. Diese hatten aber im Pandemiejahr 2020 konjunkturell mehr Federn lassen müssen und werden wohl auch noch länger unter den Folgen der Krise leiden als Deutschland.

Ökonomen trauen Europas größter Volkswirtschaft in diesem Jahr zwar ein Comeback zu. Wirtschaftsforschungsinstitute sagten zuletzt einen Anstieg des Bruttoinlandsproduktes zwischen 3,2 und 3,9 Prozent voraus. Die Risiken sind allerdings zuletzt gewachsen.

"Die sich rasant ausbreitende Delta-Variante stellt eine Belastung für die weitere globale Erholung dar. Gerade Deutschland als exportstarke Nation würde darunter leiden", erläuterte Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der Liechtensteiner VP Bank. Ähnlich formulierte es am Freitag der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI). Insbesondere die für Deutschland besonders wichtige Autobranche leide massiv unter den Engpässen bei Halbleitern, in vielen Werken stehen die Bänder still, weil die wichtigen Teile fehlen.

Chipmangel: Audi wird Rückstand wohl nicht mehr aufholen

Ein Grund dafür sind die steigenden Corona-Zahlen in südostasiatischen Ländern wie Malaysia, wo im Kampf gegen die Seuche zwischenzeitlich neue Lockdowns verhängt wurden. Aus der Branche heißt es, die Knappheit sei derzeit größer als zum Jahresauftakt. Volkswagen etwa konnte wegen der Engpässe im ersten Halbjahr eine hohe sechsstellige Zahl an Fahrzeugen nicht produzieren, Audi geht inzwischen nicht mehr davon aus, den Rückstand bis zum Jahresende aufzuholen.

rei/dpa-afx/Reuters
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