Montag, 18. November 2019

Ökonomische Eiszeit Klimawandel in der Weltwirtschaft - Kampf gegen die Eiszeit

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3. Teil: Was Deutschland tun müsste

Ich traue mich, zu wetten, dass wir uns auf dem Weg in dieses Szenario befinden. Zwar neige ich dazu, zu früh mit meinen Vorhersagen zu sein, jedoch ist es die einmalige Kombination aus zu heiß (Klima) und zu kalt (Eiszeit), die quasi zu einer Win-win-Situation für die Politik wird.

Wenn nun also die westliche Welt mit aller Macht auf notenbankfinanzierte staatliche Programme setzt, an deren Ende unweigerlich die Entwertung von Vermögen steht, was sollte die Politik in Deutschland dann tun?

  • Sofortige Abkehr von der "schwarzen Null": Ohnehin mehr ein Marketingtrick der Politik als Realität, sollte die Regierung umgehend auch anfangen, Schulden zu machen. Angesichts der festen Absicht der anderen Staaten - auch jener, mit denen wir im Euroboot sitzen, namentlich Frankreich und Italien - die Schulden durch Inflation zu entwerten, sollte auch Deutschland etwas haben, "was entwertet". Sonst sind es nur die hiesigen Sparer, die verlieren, während im Gegenzug andere Staaten profitieren.
  • Reduktion der Exportabhängigkeit: Eng damit verbunden sind unsere Exportüberschüsse. Wie immer wieder erläutert, führen diese zu einem Export von deutschen Ersparnissen ins Ausland. (Alternativ: Wir lassen unsere Verkaufserlöse als Forderungen stehen, was aber auf dasselbe hinausläuft.) Diese legen wir traditionell schlecht an, allein in der Finanzkrise haben wir 400 bis 600 Milliarden verloren. Statt unsere Ersparnisse im Ausland zu verlieren, sollten wir lieber mehr im Inland investieren.
  • Steuerung statt Klein-Klein: Bei den Maßnahmen zum Klimaschutz sollten wir dann entsprechend mutig und zugleich ökonomisch vorgehen. Statt wie bisher mit staatlichen Maßnahmen Milliarden zu versenken, sollten wir auf Marktmechanismen setzten. Dazu sollten wir CO2-Ausstoß mit Abgaben deutlich belasten, den Bürgern aber im Gegenzug deutlich mehr über Steuern- und Abgabensenkungen zurückgeben. Dabei sollten wir darauf verzichten, dem Einzelnen vorzuschreiben, was er tun soll. Der hohe Preis von CO2 würde dazu führen, dass wir effizient und effektiv den Ausstoß von CO2 reduzieren. Wo unbedingt gewünscht, kann die Politik die Entwertung vorhandener Assets, die durch die Abgabe ohnehin erfolgt, weiter verstärken. Nötig wäre das allerdings nicht.
  • Innovation statt Verbote: Zugleich sollten wir uns auf die Stärken unseres Landes besinnen. Wir sind noch eine der führenden Technologienationen und sollten das absehbare Szenario dazu nutzen, wichtige Industrien zu entwickeln, die den Wohlstand auch für künftige Generationen sichern. Dazu führt bereits ein marktwirtschaftlicher Ansatz, zugleich könnte man die Grundlagenforschung fördern. Eine bessere Verwendung der angedachten 40 bis 80 Milliarden für den Ausstieg aus der Kohleverstromung wäre das allemal!

Die Überwindung der Eiszeit wird für alle Gläubiger - und Deutschland ist einer der größten Gläubiger - schmerzvoll und teuer. Noch können wir den Schaden begrenzen und die Grundlage für künftigen Wohlstand legen. Viel Zeit bleibt nicht mehr.

Daniel Stelter ist Mitglied der MeinungsMacher von manager-magazin.de. Trotzdem gibt sein Kommentar nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.

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