Freitag, 15. November 2019

Ökonomische Eiszeit Klimawandel in der Weltwirtschaft - Kampf gegen die Eiszeit

Getty Images

2. Teil: Kampf gegen den Klimawandel statt Krieg

Auch heute brauchen wir zur Überwindung der "säkularen Stagnation" - Eiszeit - radikale Maßnahmen. Die Geldpolitik ist mit ihren Möglichkeiten weitgehend am Ende, wie hier ausführlich erklärt: Das monetäre Endspiel wird vorbereitet. Nur die Fiskalpolitik kann hier noch wirksam helfen, stößt aber angesichts der bereits angehäuften Schulden an ihre Grenzen, wenn man von Ausnahmen wie Deutschland absieht. (Wobei nicht zu vergessen ist, dass auch Deutschland bei sauberer Rechnung nicht so gut dasteht, wie immer behauptet.

Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass von akademischer Seite immer offener der Einstieg der Notenbanken in die direkte Finanzierung der Staaten gefordert wird. Nur durch das direkte Steigern der Nachfrage ist es nach dieser Logik möglich, den Teufelskreis aus immer höheren Schulden und immer tieferem Wachstum zu durchbrechen. Mit Blick auf die Geschichte und die schlechten Erfahrungen, die wir mit solcher Politik gemacht haben - von Weimar bis Simbabwe - ist es natürlich erforderlich, eine gute Begründung für eine solche Politik zu finden.

Solange wir keine offensichtliche Massenarbeitslosigkeit haben und das Sozialsystem einigermaßen funktioniert, dürfte es schwer werden, eine breite Unterstützung für die direkte Finanzierung der Staaten durch die Notenbank zu bekommen. Während Japan auf dem Weg schon recht weit fortgeschritten ist und die USA und China aus unterschiedlichen Gründen letztlich auch recht schnell zu aggressiveren Maßnahmen greifen können, dürfte es in der Eurozone schwieriger sein, den erforderlichen politischen Konsens herzustellen. Dazu braucht man dann eine "Krise".

Diese Krise könnte die "Klimakrise" sein, egal ob man daran glaubt oder nicht. Praktischerweise hat die künftige Präsidentin der EZB, Christine Lagarde, bei ihrer Anhörung im Europäischen Parlament bereits angekündigt, den Klimawandel auch zum Thema der EZB zu machen: "Climate change is one of the most pressing global challenges facing society today (...) My personal view is that any institution has to actually have climate change risk and protection of the environment at the core of their understanding of their mission." Könnte man die direkte Finanzierung von Klimaschutzmaßnahmen der Politik da noch kritisieren? Angesichts der drohenden "Klimakrise" sicherlich nicht.

Entwertung von Vermögen und Schulden

Ähnlich wie bei der "Reflationierung" durch Aufrüstung werden wir eine nun - erfreulicherweise deutlich friedlichere - Reflationierung durch den Kampf gegen den Klimawandel erleben. Dabei kommt Folgendes zusammen:

  • Direkte Staatsfinanzierung durch die Notenbanken, um damit entsprechende Maßnahmen zu finanzieren. Angesichts von Null-/Negativzins lohnen dann auch Maßnahmen, die sonst nicht wirtschaftlich wären. Damit steigt die Nachfrage deutlich, was angesichts des schrumpfenden Produktionspotenzials der Volkswirtschaften - weniger Erwerbstätige und unzureichende Investitionen in den letzten Jahren - zu inflationärem Druck führt. Eine wichtige Voraussetzung, um die Schulden zu entwerten.
  • Entwertung vorhandenen Vermögens durch weitere regulatorische Maßnahmen. Da geht es unter anderem darum, vorhandenes Sachvermögen zu entwerten und Ersatzbeschaffungen zu erzwingen. Wenn man beispielsweise Verbrennungsmotoren und Ölheizungen verbietet, schafft man die Grundlage für einen enormen Nachfrageschub, vor allem, wenn man es mit Finanzhilfen kombiniert, die aus dem Fundus der Notenbanken stammen. Man schafft also ein Bedürfnis und erleichtert die Befriedigung.
  • Die soziale Komponente führt derweil zu einer überproportionalen Entwertung der größeren Vermögen, in dem man die finanzielle Unterstützung mit der Bedürftigkeit verbindet. So, wie die Bundesregierung in ihrem Beschluss in der letzten Woche, in dem eine Begrenzung der Umlage der CO-Steuer für Vermieter vorgeschlagen wird. Damit sollen Vermieter "ermutigt" werden, entsprechende Investitionen zu tätigen, obwohl sie sich nicht rechnen. Wenn man das mit weiteren Maßnahmen wie dem Mietendeckel verbindet, ist es möglich, vorhandene Vermögenswerte zu entwerten.
  • Eine höhere Inflation sollte durch die Kombination dieser Maßnahmen angesichts der demografischen Entwicklung und des demografischen Wandels erzielbar sein. Verbunden mit weiterhin tiefen Zinsen und weiteren Maßnahmen zur Beteiligung der Vermögenden an der Menschheitsaufgabe Klima (Vermögenssteuer, höhere Erbschaftssteuer, Belastung von Immobilien) sollte es damit möglich sein, die Forderungen/Schulden relativ zum BIP deutlich zu senken. Eine wesentliche Voraussetzung für die Überwindung der Eiszeit.

Zweifellos ein Programm, das in der Politik große Unterstützung findet, vor allem, weil es mit einem guten Zweck begründet werden kann. Allemal besser als Kriege ist es zweifellos!

© manager magazin 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung