Kampf gegen Klimawandel In China gibt es jetzt auch einen Emissionshandel

Auch China engagiert sich inzwischen stärker gegen den Klimawandel. Im vergangenen Jahr verschärfte die Volksrepublik bereits ihre Ziele - in dieser Woche folgte ein wichtiger Schritt zu deren Erreichung.
Chinesisches Straßenbild: Kohlekraftwerke pusten viel CO2 in die Luft

Chinesisches Straßenbild: Kohlekraftwerke pusten viel CO2 in die Luft

Foto: Kevin Frayer/ Getty Images

Nachdem die EU am Mittwoch ihre neuen Pläne zum stärkeren Klimaschutz vorgestellt hat, tut sich nun auch in China Bemerkenswertes in diese Richtung: Die Volksrepublik gab am Freitag den Startschuss für ihr lange erwartetes System zum Handel von CO2-Emissionsrechten (ETS).

Chinas nationaler Emmissionshandel eröffnete einem Preis von 48 Yuan (6,39 Euro) pro Tonne, berichteten chinesische Medien. Die Plattform bietet den Kauf und Verkauf von Verschmutzungszertifikaten an. Die Einführung des Emmissionshandels wurde erstmals von Präsident Xi Jinping (68) kurz vor der Unterzeichnung des Pariser Klimaabkommens 2015 angesprochen. Seitdem wurden die Pläne für einen Start mehrmals verschoben, bevor er schließlich um 9.30 Uhr (Ortszeit) für den Handel geöffnet wurde.

Das Projekt ist ein weiteres Zeichen dafür, dass die großen Nationen den Kampf gegen den Klimawandel inzwischen zunehmend ernst nehmen. China ist vor den USA der weltgrößte CO2-Produzent. Das chinesische ETS ist Medienangaben zufolge mithin das größte der Welt. Es soll helfen, die Klimaziele der Volksrepublik zu erreichen, deren Verschärfung Staatspräsident Xi im vergangenen Jahr vor der UN-Vollversammlung bekannt gab: "Unser Ziel ist es, den Höhepunkt der CO2-Emissionen vor 2030 zu erreichen und CO2-Neutralität vor 2060.", sagte Xi. Es war das erste Mal, dass China zusagte, seine Treibhausgasemissionen auf null reduzieren zu wollen.

Länder verschärfen Klimaziele

Zum Vergleich: Die EU hat ihre Klimaziele zuletzt ebenfalls verschärft. Anstatt bisher 40 Prozent sollen bis 2030 nun mindestens 55 Prozent des CO2-Ausstoßes im Vergleich zu 1990 eingespart werden. Die Maßnahmen, die dazu beitragen sollen, stellte EU-Vizekommissionspräsident Frans Timmermans (60) am Mittwoch unter dem Projektnamen "Fit for 55" in Brüssel vor.

Nachdem Ex-US-Präsident und Klimawandel-Leugner Donald Trump (75) vier Jahre einen Alleingang exerziert hatte, sind zudem unter US-Präsident Joe Biden (78) auch die USA wieder in die Riege der Länder eingeschwenkt, die sich um den Klimaschutz bemühen. Als starkes Zeichen hielt Biden im April dieses Jahres eine viel beachtete Klimakonferenz ab, an der auch China und Russland teilnahmen. Und er formulierte ambitionierte Ziele für sein Land: Bis 2030, so der US-Präsident, wollen die Vereinigten Staaten ihren Ausstoß an Treibhausgasen im Vergleich zum Jahr 2005 halbieren.

Das chinesische Emissionshandelssystem indes sollte ursprünglich bereits 2017 eingeführt werden, wurde dann aber wiederholt verzögert. Grund waren zum Teil Bedenken hinsichtlich der Transparenz der Emissionsdaten. Zuletzt war ein Fall aufgedeckt worden, bei dem ein Energieunternehmen Daten gefälscht hatte.

Hintergrund: Der Handel mit CO2-Zertifikaten ist ein wichtiges Instrument zum Klimaschutz. In Europa wurde ein solches Emissionshandelssystem für Kraftwerke und Industrieunternehmen bereits 2005 gestartet. Mit dem Klimaplan "Fit for 55", den die EU-Kommission am Mittwoch vorstellte, werden die Rahmenbedingungen dieses Systems noch einmal verschärft.

Chinesisches ETS startet mit 2225 Unternehmen

Das Grundprinzip eines Emissionshandelssystems ist simpel: Industrie und Kraftwerke als größte CO2-Produzenten bekommen eine bestimmte Menge an Rechten zugeteilt, die über die Jahre sinkt. Wer umweltfreundlich produziert, kann überschüssige Zertifikate an der Börse an solche Unternehmen verkaufen, die zusätzliche Rechte benötigen.

Das chinesische ETS wird laut "Wall Street Journal " zum Start 2225 Unternehmen aus dem Energiesektor einbeziehen. Diese Firmen seien verantwortlich für ein Siebtel der weltweiten CO"-Emissionen, so die Zeitung mit Verweis auf die Internationale Energie Agentur. Innerhalb der kommenden drei bis fünf Jahre sollen dem Bericht zufolge sieben weitere Branchen hinzukommen: Petrochemie, Chemie, Baustoffe, Eisen und Stahl, Buntmetalle, Papier sowie die innerchinesische Luftfahrt.

Der Preis von zum Start 6,39 Euro, den chinesische Unternehmen für das Recht zur Emission einer Tonne CO2 zahlen müssen, erscheint allerdings zunächst recht günstig. Zum Vergleich: Im europäischen Handelssystem ist der CO2-Preis zuletzt stark gestiegen und liegt inzwischen bei etwa 55 Euro je Tonne (rund 65 Dollar). Auch in Großbritannien ist das Preisniveau mit 55 bis 69 Dollar je Tonne gegenwärtig deutlich höher. Lediglich vergleichbare Handelssysteme in den USA haben momentan ein ähnliches Preisniveau wie China, so das "WSJ".

cr mit Material von Reuters
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