Montag, 18. November 2019

Vor UN-Klimagipfel in New York 515 Finanzkonzerne fordern besseren Klimaschutz

Chemiefabrik in China: Unter anderem gehören die Allianz, die Deutsche Bank und die UBS zu den Unterzeichnern der Petition
Ryan Tong /DPA
Chemiefabrik in China: Unter anderem gehören die Allianz, die Deutsche Bank und die UBS zu den Unterzeichnern der Petition

Der Klimaschutz kommt auch der Finanzbranche nicht schnell genug voran: Mehrere hundert der größten Finanzverwalter der Welt haben sich deshalb mit einem gemeinsamen Appell zu Wort gemeldet.

Die Umsetzung des Pariser Weltklimavertrags von 2015 reiche nicht aus, um "den Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur deutlich unter 2 Grad gegenüber den vorindustriellem Niveau zu halten", heißt es in dem Schreiben von 515 Großinvestoren vor Beginn des Uno-Klimagipfels in New York in der kommenden Woche. Selbst wenn alle Staaten ihre in Paris gemachten Zusagen einhielten, würde dies "zu einem inakzeptabel hohen Temperaturanstieg führen, der substanzielle negative wirtschaftliche Folgen hätte."

Diese und andere Passagen des Statements legen durchaus nahe, dass die Verfasser nicht ganz uneigennützig handeln: Offenbar befürchten sie, dass die Klimakrise ihr eigenes Geschäft schädigt. Unter anderem haben der Allianz-Konzern, die Vermögensverwaltungshäuser der Deutschen Bank, der deutschen Volksbanken, von internationalen Großbanken wie BNP Paribas Börsen-Chart zeigen und UBS Börsen-Chart zeigen sowie einige der weltgrößten Pensionsfonds den Aufruf unterzeichnet. Zusammen verwalten diese Unternehmen rund 35 Billionen US-Dollar. Das entspricht fast der zehnfachen Wirtschaftsleistung Deutschlands.

Mit dem Aufruf wolle man "ernstzunehmende Signale an die Politik geben, die Pariser Klimaziele zügig umzusetzen", sagte Allianz-Vorstand Günther Thallinger dem SPIEGEL. "Jetzt geht es darum, gemeinsam aktiv zu werden. Das erklärte Ziel der Allianz ist, Klimaneutralität in unserer Anlage der Versichertengelder bis 2050 zu erreichen."

Die Finanzkonzerne fordern die Regierungen nicht nur auf, ihre Pariser Verpflichtungen endlich konsequent in die Tat umzusetzen - sondern auch, darüber hinaus zu gehen. Unter anderem wollen sie, dass die Staaten

  • den Ausstoß von CO2 mit einem "bedeutenden" Preis belegen,
  • alle Subventionen für fossile Brennstoffe einstellen, laut Internationalem Währungsfonds (IWF) wären das mehr als fünf Billionen US-Dollar pro Jahr,
  • Kohlekraftwerke nach festgelegten Fristen abschalten,
  • private Investitionen für CO2-arme Energieerzeugung fördern.

Das Statement zeigt, dass zumindest Teile der Wirtschaft beim Klimaschutz heute weiter sind, als manche Politiker. Schon bei vorherigen Gipfeln hatten sich milliardenschwere Investoren für eine entschlossenere Klimapolitik stark gemacht. Der Aufruf der 515 Konzerne wird von der Initiative "The Investor Agenda" koordiniert. Hinter ihr stehen sieben wirtschaftsnahe Klimaschutz-Organisationen.

Es geht um das ganz große Geld

Für die Finanzhäuser geht es um das große Geld. Einerseits befürchten sie die Destabilisierung der Weltwirtschaft und ihrer eigenen Geschäfte durch den Klimawandel. Andererseits erhoffen sie sich Profite durch die Finanzierung einer globalen Energiewende. Schon vergangenes Jahr wurden laut "The Investor Agenda" weltweit mehr als 330 Milliarden Dollar in grüne Energien investiert.

"Staaten und Unternehmen, die (...) eine starke Klima- und Energiepolitik mit geringem CO2-Ausstoß beschließen, werden bedeutende wirtschaftliche Vorteile haben und Investitionen anziehen, die Arbeitsplätze in den Industrien der Zukunft schaffen werden", prognostizieren die 515 Investoren in ihrem Aufruf.

Die Großkapitalgeber verlangen viel von anderen. Zum Teil ändern sie aber auch sich selbst. Laut "The Investor Agenda" haben sich mehr als 250 Investoren zu klimafreundlichen Investitionen verpflichtet oder sich ein Klimaziel gesetzt.

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