Mittwoch, 16. Oktober 2019

Krise am Golf Flugverbot gefährdet Expansion von Qatar Airways

Qatar Airways: Die Golf Airline darf viele arabische Staaten derzeit nicht anfliegen

Das Flugverbot von einigen arabischen Nachbarn untergräbt das rasante Wachstum von Qatar Airways. Die Folgen für die staatliche Fluggesellschaft dürften weitreichend sein.

"Da der große Luftraum von Saudi-Arabien für Qatar Airways nun tabu ist, muss die Gesellschaft auf Europa- und Amerika-Strecken Umwege fliegen", sagte Analyst Saj Ahmad von der Flugberatungsfirma Strategic Aero Research. Die Sperrung macht sich nach einer Erhebung der Flugrouten-Seite Flightradar24 vom Dienstag bereits bemerkbar: Europa-Verbindungen von Qatar Airways würden nun über den Iran und die Türkei umgeleitet.

Das Flugverbot kam aus heiterem Himmel. Wegen des Vorwurfs der Terrorismusunterstützung kündigten Saudi-Arabien, Ägypten, die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und Bahrain an, alle Verkehrsverbindungen nach Katar einzustellen - und den Luftraum für Flugzeuge des Landes zu schließen. Deshalb werden auf Emirates aus Dubai und der Air-Berlin-Partner Etihad nicht mehr nach Doha - die Hauptstadt von Katar - fliegen.

An dem Airport hielten sich die Auswirkungen am Dienstag in Grenzen. In der Zeit von Mitternacht bis zum Nachmittag seien von geplant 470 Starts und Landungen knapp 40 ausgefallen, sagte ein Sprecher von Flightradar24. Die allermeisten Annullierungen gingen auf das Konto von Airlines, die "DOH" aus dem Flugplan streichen mussten.

Qatar Airways muss Büros in Saudi Arabien schließen

Die Regierung von Saudi-Arabien ging noch einen Schritt weiter und entzog Qatar Airways die Geschäftserlaubnis für das Land. Die Büros der Fluglinie müssten bis Donnerstag schließen, hieß es. Qatar Airways bietet seinen Passagieren kostenlose Umbuchung oder Stornierungen an. Dutzende Menschen versuchten im Büro der Airline in der saudischen Hauptstadt Riad ihre Reisepläne zu ändern. "Wir wollen unser Geld zurück", sagte Ganas al-Ganas, der nach Europa reisen wollte. Bei einer Umbuchung hätte er hingegen auch das Visa sowie die Hotel- und Mietwagenbuchungen ändern müssen.

Um gestrandete Gäste aus Saudi-Arabien wieder nach Hause zu fliegen, mietete Qatar Airways drei Maschinen vom Rivalen Oman Air. Die starten von Dschidda in die Hauptstadt des Sultanats, Maskat - von wo es Anbindung ans Qatar-Airways-Netz gibt.

Der Schritt trifft die aufstrebende Airline hart. Die Fluggesellschaft des öl- und gasreichen Mini-Landes am Persischen Golf wuchs seit der Gründung 1994 rasant. Mittlerweile ist sie neben Emirates und Etihad aus der Öl-Stadt Abu Dhabi einer der härtesten Rivalen angestammter europäischer und asiatischer Airlines. Die Lufthansa, Cathay Pacific oder etwa Singapore Airlines suchen seit Jahren nach einer Strategie, um den Vormarsch des Trios zu stoppen.

Voriges Jahr transportierte Qatar Airways, die die arabische Oryxantilope als Firmensymbol hat, knapp 27 Millionen Passagiere und damit vier Millionen mehr als im Jahr vorher.

Gleichzeitig stampfte das Herrscherhaus von Katar in der Hauptstadt Doha einen neuen Großflughafen aus dem Wüstensand, der kurz nach der Fertigstellung bereits auf eine Kapazität von 50 Millionen Passagieren im Jahr ausgebaut wird. Der Hamad International Airport soll sich als Umsteigedrehscheibe für die ganze Welt etablieren. Passagiere kommen meist mit einem Langstreckenflug an und steigen in das nächste Interkontinentalflugzeug um. Erfunden und mittlerweile perfektioniert hat das Geschäftsmodell Emirates. Auch dorthin darf Qatar Airways nun nicht mehr fliegen.

Lesen Sie auch: Wie die Lufthansa von der Schwäche der Golf-Airlines profitiert

Wegen des Clinches mit den Nachbarn müsse Qatar Airways nicht nur auf direkte Flugrouten verzichten, sondern auch auf Passagiere aus den großen Märkten Saudi-Arabien und VAE, sagte Experte Will Horton vom Fluganalystenhaus Capa. "Ein Fluggast aus dem Riad kann auf dem Weg nach Bangkok vielleicht nicht mehr in Doha umsteigen, ebenso geht es einem Passagier, der von Dubai nach London möchte."

Qatar Airways selbst schlüsselt den Umsatz, der in der Golf-Region erzielt wird, nicht gesondert aus. 2016 flog die Airline insgesamt 440 Millionen Dollar Überschuss ein.

Es ist nicht der erste Rückschlag für die ambitionierte Gesellschaft in diesem Jahr. Im März verhängten die US-Behörden bereits ein Verbot von größeren elektronischen Geräten im Handgepäck auf Flügen von zehn Flughäfen vor allen von muslimischen Staaten in die USA, darunter Katar. Der Flugverkehr zwischen dem Nahen Osten und Amerika schrumpfte in der Folge nach Angaben des Branchenverbands Iata im März erstmals seit sieben Jahren.

Katar sucht Hilfe bei Kuwait

Katar will sich mit Hilfe Kuwaits aus seiner diplomatischen und wirtschaftlichen Isolation in der Golf-Region befreien. Nachdem mehrere arabische Staaten unter Führung Saudi-Arabiens Sanktionen wegen angeblicher Terror-Unterstützung verhängt hatten, erklärte Katars Außenminister Scheich Mohammed bin Abdulrahman al-Thani am Dienstag, sein Land sei bereit zur Beilegung der Krise mit Hilfe der Vermittlung Kuwaits.

Katar "glaubt, solche Differenzen zwischen Schwester-Staaten müssen durch Dialog gelöst werden", sagte er dem Sender Al Dschasira. Der wirtschaftliche Druck auf den Golfstaat nimmt unterdessen zu: Die Kurse der Staatsanleihen fielen, die Börse verzeichnete ein weiteres Minus, Qatar Airways schränkte seinen Flugplan ein, internationale Handelpartner sind besorgt.

Kuwaits Herrscher Scheich Tamin bin Hamad al-Thani wird nach Aussage von Insidern aus der Golfregion noch am Dienstag nach Saudi-Arabien reisen, um mit dem saudischen König die Krise zu erörtern. Als Zeichen des guten Willens verzichtete Katar zunächst auf Gegenmaßnahmen. Auf die Sanktionen werde nicht reagiert, sagte der Außenminister. Zudem hat nach seinen Worten Katars Herrscher in einem Telefonat mit dem kuwaitischen Regierungschef zugesagt, eine Ansprache an die Bevölkerung seines Landes zu verschieben.

la/rei/Reuters

© manager magazin 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung