Montag, 14. Oktober 2019

Anhörung im US-Kongress Fed-Chef Powell stärkt Aussicht auf rasche Zinssenkung

Jerome Powell: Der Fed-Chef dürfte die jüngste Kritik von Donald Trump zurückweisen und die Unabhängigkeit der US-Notenbank betonen. Eine Zinssenkung im Juli gilt als sicher
Carlos Barria / REUTERS
Jerome Powell: Der Fed-Chef dürfte die jüngste Kritik von Donald Trump zurückweisen und die Unabhängigkeit der US-Notenbank betonen. Eine Zinssenkung im Juli gilt als sicher

US-Notenbankchef Jerome Powell nährt die Markterwartung einer baldigen Zinssenkung. Die Fed stehe bereit, "angemessen zu handeln", um nachhaltiges Wachstum zu sichern, erklärte er am Mittwoch laut vorab veröffentlichtem Redetext bei einer Anhörung vor dem Kongress. Der internationale Handelskonflikt und die schwache Weltwirtschaft lasteten weiter auf dem Konjunkturausblick.

Hinzu komme die Gefahr, dass sich die gedämpfte Inflation noch hartnäckiger halten könne als erwartet und sich somit nicht als vorübergehendes Phänomen erweise. Zudem hätten sich Investitionen "spürbar verlangsamt" und das Wirtschaftswachstum habe ein mäßigeres Tempo angeschlagen, so der Chef der US-Notenbank Federal Reserve.

An den Märkten gilt eine Zinssenkung Ende des Monats Juli praktisch als ausgemachte Sache. 2018 hatte die Fed den Schlüsselsatz vier Mal angehoben - zuletzt im Dezember auf die Spanne von 2,25 bis 2,5 Prozent, bevor sie eine Pause einlegte.

Dax und US-Futures ziehen wieder an

Die Äußerungen stützen den US-Aktienmarkt vor der Markteröffnung etwas. Der Euro legte auf 1,1240 Dollar zu. Der Dax in Frankfurt verringerte Verluste nach den Äußerungen Powells. Auch Gold Börsen-Chart zeigen verteuerte sich.

Alle sechs Monate steht US-Notenbankchef Jerome Powell vor dem Finanzausschuss des US-Repräsentantenhauses Rede und Antwort: Zu Beginn der Anhörung in Washington stärkte Powell die Spekulation auf eine Zinssenkung im Juli. Viele Fed-Mitglieder seien der Überzeugung, dass der Handelsstreit mit China sowie die Abkühlung der Weltwirtschaft ein Risiko für die Konjunktur der USA sei, der man mit einer Zinssenkung und einer Lockerung der Geldpolitik begegnen müsse, sagte Powell.

Commerzbank-Devisenexpertin Esther Reichelt glaubt, dass Jerome Powell die Unabhängigkeit der Fed gegen den jüngst zunehmenden politischen Gegenwind aus Washington rigoros verteidigen wird. Zwar sei eine Zinssenkung im Juli noch immer nahezu vollständig eingepreist. Doch nach dem letzten guten Arbeitsmarktbericht seien sich Marktteilnehmer weniger sicher, ob ein "richtiger" Zinssenkungszyklus notwendig sein wird.

Eine deutlich lockerere Geldpolitik hingegen würde das Zinsgeschäft der Banken noch stärker unter Druck setzen. Für den Aktienmarkt allgemein aber wären noch niedrigere Zinsen eine gute Nachricht, da dadurch Anlagealternativen wie Anleihen tendenziell weniger attraktiv werden.

la/Reuters

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