Steuerdaten der Reichsten enthüllt Kinderzuschuss für den reichsten Mann der Welt

Jeff Bezos, Elon Musk, Warren Buffett - die Steuerdaten der reichsten Amerikaner sind ans Licht der Öffentlichkeit gelangt. Das Portal Propublica enthüllt, wie wenig die Multimilliardäre an den Staat abführen.
Jeff Bezos: Steuergutschrift von 4000 US-Dollar für den reichsten Menschen der Welt

Jeff Bezos: Steuergutschrift von 4000 US-Dollar für den reichsten Menschen der Welt

Foto: Patrick Semansky / AP

Für Jeff Bezos (57) geht es gerade steil aufwärts - bis ins All zieht es den reichsten Mann der Welt im kommenden Monat, weil er es sich leisten kann. Am Boden bricht er angeblich Rekorde bei Preisen für Immobilien und Luxusyachten, selbst die teuerste Scheidung der Geschichte hält das Vermögenswachstum des Amazon-Gründers kaum auf. In der Pandemie beschleunigte es sich noch. Aktueller Stand: 186 Milliarden Dollar.

Doch wenn stimmt, was die Journalisten von "Propublica" am Dienstag enthüllten , meldete Bezos dem Finanzamt für mehrere Jahre null Einkommen und zahlte entsprechend auch keine Steuern. Im Jahr 2011, da zählte er längst zu den führenden Superreichen, erschien er dem Internal Revenue Service demnach sogar als bedürftig: Weil er laut Steuererklärung mehr ausgab als einnahm, konnte er angeblich gar eine Gutschrift von 4000 Dollar für seine Kinder einstreichen.

Insgesamt zahlte Bezos im Zeitraum von 2006 bis 2018 laut "Propublica" 1,4 Milliarden Dollar an den Bund. Gemessen am gemeldeten Einkommen wäre das ein effektiver Steuersatz von 21,5 Prozent, deutlich weniger als der Spitzensteuersatz von 37 Prozent und weniger als die Steuerlast für gewöhnliche Gutverdiener. "Propublica" rechnet allerdings noch anders: Bezos habe nur 1 Prozent seines Vermögenszuwachses in diesem Zeitraum an den Fiskus abgeführt - und das sei sein wahres Einkommen, auch wenn es steuerrechtlich nicht so zählt.

Steuerdaten der 25 reichsten Amerikaner zugespielt

Dabei geht es nicht um Bezos allein. Dem auf investigative Recherchen spezialisierten Portal, das bereits einige Pulitzer-Preise  eingestrichen hat, wurden nach eigenen Angaben die Steuerdaten der 25 reichsten Amerikaner aus mehreren Jahren zugespielt. Elon Musk, Warren Buffett, Bill Gates, Mark Zuckerberg - ein Who is Who der Superreichen, komplett mit Einkommen, Geldanlagen und mitunter auch Berichten der Betriebsprüfer.

Natürlich fällt all das unter das Steuergeheimnis, die Veröffentlichung könnte als strafbar gelten. Die Journalisten erklären, warum  sie das wegen des öffentlichen Interesses anders werten. Alle Beteiligten hätten Gelegenheit zur Stellungnahme bekommen, nur einer der Milliardäre soll der Publikation widersprochen haben - taucht aber trotzdem in der Rechnung auf. Welcher es war, verraten sie nicht. Mike Bloomberg (79) reagierte aber öffentlich erzürnt.

In den kommenden Monaten will "Propublica" schrittweise mehr aus den Daten preisgeben. So viel schon jetzt: In den Jahren 2014 bis 2018 hätten die Top 25 eine effektive Steuerquote von 15,8 Prozent abgeführt - die "wahre Steuerquote" nach der Propublica-Definition habe sogar nur 3,4 Prozent betragen. Bei dieser Rechnung orientiert sich Propublica allerdings nicht am geltenden US-Steuerrecht, sondern berechnet den Vermögenszuwachs der Superreichen durch Kurssteigerungen des Aktienbesitzes mit ein.

Warren Buffett trägt die geringste Last - und bedauert das

Das ist "die größte Steuergeschichte des Jahres, wenn nicht des Jahrzehnts". So urteilt der Berkeley-Ökonom Gabriel Zucman, der sich einen Namen mit Forschung zur Ungleichheit auf Basis von Steuerdaten gemacht hat. Dass die Reichsten unterproportional belastet werden, sei bereits umfangreich belegt. Aber wie wenig die Reichsten der Reichen abgeben müssen, das habe selbst ihn überrascht.

Relevant sind die Enthüllungen vor allem für die politische Diskussion. Denn um kriminelle Steuerhinterziehung, wenngleich es diese auch unter Superreichen geben möge, geht es in den Berichten nicht. All das ist legal.

"Propublica" erklärt seinen Fokus auf die Vermögenszuwächse damit, dies sei die "wahre Einkommensform" der Spitzenverdiener. Solange sie Aktien halten und kaum oder keine Dividende einstreichen, spiele der Besitz steuerlich keine Rolle. Die Multimilliardäre nutzten ihn aber als Sicherheit für Kredite, mit denen sie ihre Ausgaben finanzieren. Auch die eigentlich hohe Erbschaftsteuer lasse sich mit Stiftungen bequem umgehen. "Kaufen, beleihen, sterben", bringt es der Steuerrechtsprofessor Edward McCaffery auf eine Formel.

Die niedrigste "wahre Steuerquote" von allen weisen die Daten für Warren Buffett (90) aus: Der Starinvestor habe seit 2014 1000-mal so viel Geld angehäuft, wie er an Steuern zahlte. Buffett selbst hatte bereits vor zehn Jahren das Steuersystem für ungerecht erklärt: Der Staat lasse sich für die Interessen von Milliardären wie ihm einspannen, dies sei "ein Klassenkampf, den meine Klasse führt und gewinnt". Schon damals veröffentlichte Buffett seine Steuererklärung von sich aus.

Auch jetzt zeigte sich Buffett gegenüber "Propublica" mit einer ausführlichen Erklärung  besonders transparent. Er zahle das, was er nach geltendem Recht dem Staat schulde. Leider sei das eben nur sehr wenig. Er bleibe bei seiner Haltung, das Steuerrecht müsse erheblich korrigiert werden.

ak