Samstag, 19. Oktober 2019

Rückfall in Deflation, turmhohe Schulden Endspiel mit der Notenpresse - Japan weist uns unsere Zukunft

Japans Premier Shinzo Abe: Der verzweifelte Versuch, mit Hilfe der Notenpresse die Konjunktur anzuschieben und aus der Deflations- und Schuldenspirale zu entkommen, ist gescheitert

2. Teil: Japan ist pleite

Zusammenfassend lässt sich Japan folgendermaßen charakterisieren. Es ist ein Land

  • Mit solidem Wachstum des BIP pro Kopf.
  • mit einer schrumpfenden Bevölkerung (bis 2060 wird sich dieser Prozess fortsetzen und die Bevölkerung von 127 Millionen auf 87 Millionen sinken).
  • mit folglich geringerem realen Wachstum auch in den kommenden Jahrzehnten.
  • mit einer weiter sinkenden Sparquote der älter werdenden Bevölkerung, die demnächst sogar negativ wird.
  • mit einem Unternehmenssektor, der nach 25 Jahren Schuldenabbau über eine sehr solide Bilanz verfügt und wenig investiert, unter anderem auch mit Blick auf die demografische Entwicklung.
  • mit einem Staat, der bei einem Schuldenstand nahe 250 Prozent des BIP trotz Minizinsen immerhin 43 Prozent der Staatseinnahmen für den Schuldendienst aufwendet.
  • mit einer Notenbank, die über Jahre eine Politik des billigen Geldes verfolgt hat und als erste Notenbank der Welt bereits 2001 mit Quantitative Easing experimentiert hat.
  • in dem trotz aller Bemühungen die Inflationsrate anhaltend tief geblieben ist.

Gefunden in
"Beyond the obvious"


think-beyond
theobvious.com
Oder einfach ausgedrückt: ein Land, welches völlig überschuldet ist. Keine Volkswirtschaft kann ein Schuldenniveau von jenseits von 400 Prozent des BIP - so hoch ist der kumulierte Schuldenstand von Staat, Unternehmen und privaten Haushalten - ohne ein deutliches Nominalwachstum verkraften. Doch dieses ist angesichts von Demografie und tiefer Inflation nicht in Sicht.

Einfach Geld drucken

Es ist offensichtlich, dass die Regierung die Schulden niemals wird zurückzahlen können. Die Frage ist demzufolge nicht ob, sondern nur wie die Gläubiger ihre Forderungen verlieren werden.

Die Bank of Japan kauft einen immer größeren Anteil der Staatsschulden auf. Nicht lange und der Großteil der japanischen Staatsschulden ist im Besitz der japanischen Notenbank. Da Staat und Notenbank beide dem japanischen Volk "gehören" könnte man die Ansicht vertreten, dass die Schulden nicht mehr relevant sind. Die Notenbank würde die Zinseinnahmen auf der Staatsschuld in der Sekunde in der sie bezahlt werden, wieder an das Finanzministerium zurücküberweisen und auf Tilgung verzichten. Bingo! - das Schuldenproblem wäre gelöst und niemand würde Geld verlieren.

Schon seit längerem diskutieren Volkswirte ernsthaft diese Möglichkeit auf elegantem Wege die Schuldenkrise zu lösen. Dabei gibt es zwei Schulen. Die einen sehen das als gefahrlos an, solange man es nur einmalig macht und nicht dauerhaft. Das Geld wäre ja schon im Umlauf, insofern drohe keine Inflation. Die anderen sehen das Risiko eines Vertrauensverlustes in unser Geldsystem, was eine völlige Entwertung zur Folge hätte. Wir werden es erst wissen, wenn wir es machen. Ich selber halte das Risiko für erheblich.

Japan scheint gewillt, dass Risiko einzugehen

© manager magazin 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung