Schwache Schwellenländer IWF streicht Prognose für Weltwirtschaft zusammen

Zum sechsten Mal in Folge senkt der Internationale Währungsfonds seine Prognose für die Weltwirtschaft. Besonders die Schwellenländer können kaum Impulse geben. Nur Deutschland schwimmt gegen den Strom.
Hafen in China: Die Schwellenländer schwächeln

Hafen in China: Die Schwellenländer schwächeln

Foto: CHINA STRINGER NETWORK/ REUTERS

Washington/Berlin - Nach der Weltbank hat auch der Internationale Währungsfonds (IWF) seine Wachstumsprognosen für die Weltwirtschaft gesenkt. Das trifft insbesondere wichtige Schwellenländer wie China, Indien und Russland, aber auch die USA als weltwirtschaftliche Führungsmacht, wie aus dem neuen IWF-Weltwirtschaftsausblick hervorgeht, der am Dienstag veröffentlicht wurde.

Gegen den Strom schwimmt Deutschland, wo der Fonds mit 0,5 Prozent für dieses Jahr und 1,4 Prozent für das nächste Jahr sogar etwas mehr Wachstum erwartet als im Sommer.

Der Fonds rechnet damit, dass die Weltwirtschaft in diesem Jahr um 2,9 Prozent und im nächsten Jahr um 3,6 Prozent wächst. Das ist jeweils etwas weniger, als der IWF noch Mitte des Jahres erwartet hatte.

IWF rechnet nicht mit US-Pleite

Ähnlich sieht es für die USA aus, die mit Raten von 1,6 Prozent in diesem und 2,6 Prozent im kommenden Jahr ebenfalls etwas unter den früheren Prognosewerten bleiben dürften. Der Vorhersage liegt allerdings die Annahme zugrunde, dass die USA ihren erbittert geführten Haushaltsstreit rasch lösen und die Schuldengrenze erneut angehoben wird. Der Fonds rechnet trotz des US-Haushaltsstreits nicht damit, dass die USA zahlungsunfähig werden. Die Folgen von Unregelmäßigkeiten bei Schuldenrückzahlungen wären umgehend zu spüren - in den USA und andernorts, warnte IWF-Chefökonom Olivier Blanchard.

Der IWF bewertet zudem die Aussichten in großen Schwellenländern wie China, Russland und Indien weniger günstig, die lange Zeit der Wachstumsmotor der Weltwirtschaft waren. "Die Industrieländer werden nach und nach stärker, während das Wachstum in den Schwellenländern gleichzeitig niedriger geworden ist", hieß es.

Optimismus für Europa

Allerdings: Auch wenn der Fonds die Prognosen für die Schwellenländer deutlich herabgesetzt hat, so dürfte das Wachstum immer noch erheblich stärker ausfallen als in den meisten Industrieländern. Für China etwa erwartet der Fonds Wachstumsraten von 7,6 Prozent in diesem und 7,3 Prozent im nächsten Jahr.

Besser als im Sommer sieht es dagegen in Europa aus: Die Euro-Zone wird nach dem Urteil der IWF-Experten zwar 2013 mit 0,4 Prozent im Minus landen, das ist aber etwas weniger tief als bisher geschätzt. Im nächsten Jahr rechnet der Fonds mit einer Rückkehr der Euro-Länder zu einem Wachstum, das ein Prozent erreichen dürfte.

Zu den großen Risiken gehört laut IWF neben dem Ausgang des US-Haushaltsstreits die anstehende geldpolitische Kurswende der US-Notenbank. "Es ist an der Zeit für die Geldpolitik, Pläne für einen Ausstieg zu machen", sagte Blanchard. Seit Jahren pumpt die Zentralbank Milliarden in den Geldkreislauf, um die Wirtschaft zu stärken. "Die Kommunikationsprobleme, vor denen die Fed steht, sind neuartig und heikel", schrieb er im Bericht. "Es liegt nahe, Schwankungen bei den Langfrist-Zinsen zu erwarten."

mahi/rtr
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.