Mittwoch, 16. Oktober 2019

Griechische Tragödie IWF sagt leise Sorry

Protest in Athen: Der IWF zählt neben EU und EZB zum Feindbild Troika

Die bisher schwerste Rezession in Friedenszeiten, wieder wachsende Schuldenlast, öffentlicher Unmut - nicht alles im Sanierungsprogramm für Griechenland ist gelungen, räumt der IWF ein. Der Fonds verweist als Mitschuldige auf die Euro-Partner.

Washington - Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat Versäumnisse bei der Unterstützung Griechenlands eingeräumt. Wenngleich das Hilfsprogramm dazu beigetragen habe, ein Ausscheiden Athens aus dem Währungsraum zu verhindern, seien auch Fehler begangen worden. Das Dokument, das eine rückblickende Betrachtung des griechischen Hilfsprogramms enthält, wurde am späten Mittwochabend in Washington veröffentlicht.

"Der Bericht ist objektiv und ist uns willkommen", sagte der griechische Finanzminister Ioannis Stournaras der Athener Zeitung "Kathimerini" am Donnerstag. Der Bericht gebe "allen die Chance, ihre Fehler zu erkennen, damit sie nicht wiederholt werden".

Die EU hingegen distanzierte sich deutlich. "Die EU-Kommission ist mit einigen Schlussfolgerungen nicht einverstanden", sagte der Sprecher von EU-Währungskommissar Olli Rehn am Donnerstag in Brüssel. Die Behauptung, es sei für wachstumsfördernde Reformen in Griechenland nicht genug getan worden, sei "schlichtweg falsch und unbegründet", so der Sprecher. Auch die Annahme, ein Schuldenschnitt schon zu Beginn der Krise 2010 wäre besser gewesen, wies er zurück.

Wegen der erheblichen Ansteckungsgefahren, die von der Griechenlandkrise auf andere Euro-Länder ausgegangen seien, sei die Unterstützung Athens letztlich erforderlich gewesen, urteilt der Fonds - auch wenn Zweifel an der Schuldentragfähigkeit bestanden hätten und die Prognosen über die wirtschaftliche Entwicklung zu optimistisch gewesen seien. Der Fonds gab zu, von den eigenen Kriterien für die Tragfähigkeit der Schuldenlast abgewichen zu sein.

"Bemerkenswertes Versagen"

Die massiven Einsparungen, die Griechenland als Gegenleistung für die Finanzhilfen zu erbringen hatte, seien unvermeidbar gewesen. Ähnlich bewertet der IWF die verlangten Wirtschaftsreformen. Die Möglichkeiten zur Umsetzung seien aber überschätzt worden, hieß es. Eine der Schlussfolgerungen müsse sein, offiziellen Daten weniger zu vertrauen.

Griechenland wird seit dem Frühjahr 2010 durch Finanzhilfen seiner Euro-Partner und des IWF über Wasser gehalten. Am ersten Kreditpaket von 110 Milliarden Euro war der Fonds mit 30 Milliarden beteiligt. Die Wirtschaft des Lands ist seither um mehr als 22 Prozent geschrumpft. Derzeit deuten einige Indikatoren auf einen weniger steilen Sinkflug hin. Wann Athen wieder auf eigenen Füßen stehen kann, ist nicht absehbar.

Seit Beginn der Euro-Krise absorbieren die Kredite an Griechenland und andere Euro-Staaten den Großteil der vom IWF ausgegebenen Mittel, zum Unmut vieler Mitgliedstaaten aus anderen Kontinenten. Als einen Grund für das "bemerkenswerte Versagen" in Griechenland nennt der Fonds die Beschränkungen durch die Zusammenarbeit mit den anderen Euro-Ländern. Dadurch habe man sich nicht genug darauf konzentrieren können, politische Unterstützung für das Programm im Land selbst zu sichern.

ak/dpa-afx/rtr

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