IWF in Sorge China fällt als Lokomotive für die Weltwirtschaft aus

Folgt man der Prognose des IWF, fällt die Hälfte der EU-Staaten dieses Jahr in eine Rezession – und China als Wachstumslokomotive für die Weltwirtschaft wohl aus. Die US-Wirtschaft sei indes "bemerkenswert widerstandsfähig", sagt IWF-Chef-Chefin Georgiewa.
"Das hat es noch nie gegeben": China könnte 2023 das weltweite Wirtschaftswachstum eher bremsen als ankurbeln, sagt IWF-Chefin Kristalina Georgiewa

"Das hat es noch nie gegeben": China könnte 2023 das weltweite Wirtschaftswachstum eher bremsen als ankurbeln, sagt IWF-Chefin Kristalina Georgiewa

Foto: Britta Pedersen / dpa

Der Internationale Währungsfonds rechnet mit einem wirtschaftlich schwierigen Jahr 2023. Das neue Jahr werde schwieriger als das alte, sagte IWF-Chefin Kristalina Georgiewa (69) im US-Sender CBS. "Warum? Weil die drei wichtigsten Wirtschaftsräume – die USA, EU und China - gleichzeitig schwächeln." Sie gehe davon aus, dass die Hälfte der EU-Staaten 2023 in der Rezession seien, weltweit werde es ein Drittel sein.

Georgiewa hatte bereits Anfang Dezember erklärt, dass sich die Perspektiven für die Weltwirtschaft immer mehr eintrübten. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Wachstum 2023 unter 2 Prozent liegen werde, nähme zu. Sie verwies auf anhaltende Belastungen durch den Krieg in der Ukraine, der unter anderem die Energiepreise nach oben getrieben hat.

Besonders besorgt zeigte sich die IWF-Chefin wegen der Abkühlung in China. Die rasant steigenden Corona-Infektionen in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt nach den USA verhießen nichts Gutes für die Weltwirtschaft. Zum ersten Mal seit 40 Jahren werde Chinas jährliches Wachstum wahrscheinlich auf dem Niveau des globalen Wachstums oder sogar darunter liegen, sagte Georgieva, was bedeute, dass es die weltweite Wirtschaftstätigkeit eher bremsen als ankurbeln könnte. "Das hat es noch nie gegeben", sagte sie in dem am Sonntag veröffentlichten Interview weiter.

Sorge um China, USA könnten Weltwirtschaft stützen

Am widerstandsfähigsten seien noch die USA. Die USA "können eine Rezession vermeiden", weil die Arbeitslosigkeit so niedrig ist, sagte sie. "Wenn diese Widerstandsfähigkeit [im Jahr 2023] anhält, würden die USA der Welt helfen, ein sehr schwieriges Jahr zu überstehen." Die US-Wirtschaft sei "bemerkenswert widerstandsfähig". Ende vergangenen Monats wurde das US-Bruttoinlandsprodukt für das dritte Quartal 2022 von 2,9 Prozent im November auf 3,2 Prozent nach oben revidiert.

Die Arbeitslosenquote in den USA liegt bei 3,7 Prozent, und die Zahl der Arbeitsplätze außerhalb der Landwirtschaft lag im November mit 263.000 höher als erwartet. Die Ökonomen von Morgan Stanley gehen davon aus, dass die Arbeitslosenquote im Dezember unverändert bleibt und die Unternehmen in den USA 185.000 neue Arbeitsplätze schaffen werden.

Andere Experten schätzen die Entwicklung der US-Wirtschaft verhaltener ein: Laut Capital Economics besteht eine 90-prozentige Wahrscheinlichkeit, dass die USA in den nächsten sechs Monaten in eine Rezession rutschen werden. "Während die Rezession in den USA wahrscheinlich mild ausfallen wird, wird die Eurozone einen größeren Abschwung erleiden, da die Terms of Trade durch den Ukraine-Krieg stark beeinträchtigt werden", zitiert die "Finanical Times"  die unabhängigen Wirtschaftsforscher von Capital Economics.

Der Internationale Währungsfonds wird im Januar seine Prognosen für die Weltwirtschaft aktualisieren. Im Oktober hatte der IWF zuletzt die Schätzung für 2023 gesenkt. Demnach dürfte die Weltwirtschaft nur noch um 2,7 Prozent zulegen.

rei/Reuters

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