IWF-Chefin Kristalina Georgiewa Verschlechterte Perspektiven für die Weltwirtschaft

Nur selten sinkt das Wachstum der Weltwirtschaft unter zwei Prozent. 2023 könnte es so weit sein. IWF-Chefin Kristalina Georgiewa schließt dies nicht mehr aus und verweist dabei auf parallele Abschwächungen in Europa, China und den USA.
Parallele Abschwächungen: IWF-Chefin Kristalina Georgiewa

Parallele Abschwächungen: IWF-Chefin Kristalina Georgiewa

Foto: Britta Pedersen / dpa

Die Perspektiven für die Weltwirtschaft trüben sich weiter ein. Die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Kristalina Georgiewa (69), sagte am Donnerstag bei der hochrangig besetzten internationalen Konferenz "Reuters Next", die Wahrscheinlichkeit, dass das Wachstum nächstes Jahr unter zwei Prozent liegen werde, nehme immer mehr zu. Solche Werte sind für die Weltwirtschaft äußerst selten.

Georgiewa verwies auf anhaltende Belastungen durch den Krieg in der Ukraine, der unter anderem die Energiepreise nach oben getrieben hat und teilweise zu Lebensmittelengpässen führt. Es gebe parallele Abschwächungen in Europa, China und den USA – und damit den größten Wirtschaftsregionen. Sie sei besonders wegen der Abkühlung in China besorgt.

Der Internationale Währungsfonds wird im Januar seine Prognosen für die Weltwirtschaft aktualisieren. Im Oktober hatte der IWF zuletzt die Schätzung für 2023 gesenkt. Demnach dürfte die Weltwirtschaft nur noch um 2,7 Prozent zulegen. Für dieses Jahr werden 3,2 Prozent erwartet. Verglichen mit 2021, als das Wachstum 6,0 Prozent betrug, sind das magere Werte. Georgiewa sagte, das Bild habe sich zuletzt verdüstert. Die Bulgarin verwies auf ein schwaches Verbrauchervertrauen und auch eine Zurückhaltung bei Investoren.

Die jüngsten russischen Angriffe auf die zivile Infrastruktur der Ukraine hätten den Finanzbedarf des Landes noch einmal erhöht – um bis zu eine Milliarde Dollar zusätzlich pro Monat. Bisher waren pro Monat drei bis vier Milliarden Dollar als notwendig erachtet worden. Georgiewa sagte, sie sei zuversichtlich, dass die EU, die USA und andere Länder die Ukraine weiter unterstützen. Der IWF habe bislang 2,7 Milliarden Dollar an Notfallfinanzierungen bereitgestellt.

Die IWF-Chefin kündigte an, nächste Woche zusammen mit Vertretern anderer internationaler Organisationen nach Peking zu reisen. Dabei werde es um den Wirtschaftsausblick für die Volksrepublik und die Coronapandemie gehen.

hr/reuters
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