Montag, 24. Februar 2020

Isabel dos Santos Milliardärin unter Geldwäsche-Verdacht - Portugal friert Konten ein

Isabel dos Santos (Archivaufnahme, 2017)
Toby Melville / REUTERS
Isabel dos Santos (Archivaufnahme, 2017)

Isabel dos Santos soll es mit dubiosen Geschäften zu einer der reichsten Frauen der Welt gebracht haben. In Portugal sind nun die Konten der Angolanerin eingefroren worden.

Journalisten hatten das dubiose Geschäftsgebaren von Afrikas mutmaßlich reichster Frau enthüllt. Die Justiz in Angola ermittelt - und nun wird auch in Portugal gegen Isabel dos Santos vorgegangen. In dem Land würden die Bankkonten der Milliardärin eingefroren, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Mit der Festsetzung der Gelder werde einem Antrag der angolanischen Behörden entsprochen.

Die Tochter von Angolas Ex-Staatschef José Eduardo dos Santos steht unter Betrugs- und Geldwäscheverdacht. Sie soll massive Vorteile aus dem korrupten System gezogen haben. Die angolanische Justiz wirft der reichsten Frau des Landes unter anderem die Unterschlagung von Geldern während ihrer Zeit an der Spitze des staatlichen Ölkonzerns Sonangol vor. Die Ermittler gehen davon aus, dass Dos Santos einen Großteil dieser Gelder in Portugal investierte. Zu den gegen sie erhobenen Vorwürfen zählen auch unerlaubte Einflussnahme und Urkundenfälschung.

"Unbegründete Anschuldigungen und falsche Behauptungen"

Recherchen des Internationalen Konsortiums Investigativer Journalisten (ICIJ) hatten unter dem Schlagwort "Luanda Leaks" diese Details über das dubiose Geschäftsgebaren dos Santos enthüllt. Auch das Recherche-Netzwerk EIC hatte zuvor bereits über einige der fragwürdigen Geldflüsse berichtet.

Die Geschäftsfrau lebt seit dem Rücktritt ihres Vaters in London und Dubai. Sie kündigte an, rechtlich gegen das ICIJ und dessen Partner vorzugehen. "Ich weise die unbegründeten Anschuldigungen und falschen Behauptungen zurück", teilte sie mit. Sie sprach von einer politisch motivierten Kampagne der angolanischen Regierung unter dem Nachfolger ihres Vaters. José Eduardo Dos Santos hatte Angola, das zu den korruptesten Ländern der Welt gehört, von 1979 bis 2017 autokratisch regiert.

Als Whistleblower hinter den "Luanda-Leaks"-Enthüllungen gilt der portugiesische Football-Leaks-Gründer Rui Pinto. Dies hatten seine Anwälte selbst mitgeteilt. Pinto sitzt in Untersuchungshaft, ihm werden 90 Straftaten zur Last gelegt, darunter versuchte Erpressung. Mit der Website Football Leaks hatte Pinto seit 2015 großes Aufsehen erregt. Staatsanwaltschaften in mehreren Ländern ermittelten in der Folge unter anderem wegen Steuervergehen gegen mehrere Fußballstars.

apr / AFP (Spiegel)

© manager magazin 2020
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung