Mittwoch, 24. Juli 2019

Nach Trumps Kündigung des Atom-Abkommens Öl wird teurer, Airbus verliert Lizenz

Anti-amerikanisches Wandbild in Teheran

Die deutsche Wirtschaft hat schockiert auf Donald Trumps angekündigten Ausstieg aus dem Atomabkommen mit dem Iran reagiert. "Die deutsche Industrie bedauert den Rückzug der USA aus dem so mühselig und langwierig verhandelten Atomabkommen zutiefst", sagte BDI-Präsident Dieter Kempf am Dienstag unmittelbar nach Trumps Ankündigung. Kempf warb für ein deutliches Bekenntnis zum Abkommen der EU.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) hatte in der Erwartung der Entscheidung gewarnt, damit könnte der Aufschwung im deutschen Iran-Geschäft der vergangenen Jahre abrupt abgebremst werden. "Das zarte Pflänzchen, das sich da zuletzt entwickelt hat, könnte dadurch wieder zertreten werden", erklärte der Außenwirtschaftschef des DIHK Volker Treier. Kurz vor Trumps Ankündigung sagte er der Nachrichtenagentur Reuters: "Der Schaden würde über das Bilaterale hinausgehen."

"Enttäuscht, aber nicht überrascht" - internationale Reaktionen im Video

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Bild: REUTERS

Kurz nach Trumps Ankündigung hatte Richard Grenell, neuer US-Botschafter in Deutschland, den Rückzug der deutschen Wirtschaft aus Iran gefordert. Deutsche Unternehmen, die im Iran Geschäfte machten, sollten diese "sofort runterfahren", schrieb er auf Twitter:

In einzelnen Branchen zeichnen sich bereits erste Folgen des gebrochenen Deals ab - ein Überblick:

  • Boeing und Airbus dürfen keine Flugzeuge mehr in den Iran verkaufen. Laut US-Finanzminister Steven Mnuchin würden die "bestehenden Genehmigungen widerrufen".
  • Die neuen Wirtschaftssanktionen, die die USA implementieren wollen, zielten auch auf die Ölproduktion des Landes ab, sagte Mnuchin weiter. Ländern werde eine 180-Tage-Frist gewährt, um bestehende Petro-Verträge abzuwickeln. Der Ölpreis stieg nach Trumps Rede kräftig. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Juli kostete am Morgen 76,70 US-Dollar. Das waren 1,85 Dollar mehr als am Vortag. Am Dienstagabend waren die Ölpreise allerdings ohne ersichtlichen Grund deutlich gesunken. Die Ölpreise sind damit wieder auf dem höchsten Niveau seit 2014, das sie bereits zu Wochenbeginn erreicht hatten. Analysten erwarten für das laufende Jahr eine deutliche Anspannung der Ölmärkte.
  • Saudi-Arabien deutete bereits eine Erhöhung seiner Ölfördermengen an. Man wolle die Märkte stützen, erklärte ein Vertreter des Energieministeriums des größten Ölproduzenten der Welt am Mittwoch.
  • Für welche Branchen vorerst Ausnahmen von den neuen Sanktionen gemacht würden, führte US-Finanzminister Mnuchin nicht weiter aus. Die Sanktionen "haben letztes Mal funktioniert. Deshalb ist Iran zum Verhandlungstisch gekommen", so der Finanzminister.
  • Der Dollar legte im Vergleich zu vielen Währungen zu: Die Währung profitiere als Weltreservewährung von der entstandenen Unsicherheit im Nahen Osten, hieß es am Markt. Allerdings werde er auch seit Wochen durch tendenziell steigende Kapitalmarktzinsen unterstützt.

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