Plus 8,5 Prozent US-Inflationsrate steigt auf höchsten Stand seit 1981

In den USA ziehen die Preise weiter an. Analysten rechnen im Mai mit einem großen Zinsschritt der Notenbank Fed. Die Inflation wird zum Problem von US-Präsident Biden und könnte die Demokraten bei den nächsten Wahlen viele Stimmen kosten.
Teurer Einkauf: Kunden (hier in einem New Yorker Supermarkt) müssen in den USA immer mehr Geld für Lebensmittel und Energie ausgeben

Teurer Einkauf: Kunden (hier in einem New Yorker Supermarkt) müssen in den USA immer mehr Geld für Lebensmittel und Energie ausgeben

Foto: ANDREW KELLY / REUTERS

Die Inflation in den USA hat sich im März von hohem Niveau aus weiter beschleunigt. Die Verbraucherpreise stiegen gegenüber dem Vorjahresmonat um 8,5 Prozent, wie das Arbeitsministerium am Dienstag in Washington mitteilte. Das ist die höchste Inflationsrate seit Ende 1981, also seit etwas mehr als 40 Jahren. Im Vormonat hatte die Rate 7,9 Prozent betragen. Analysten hatten im Schnitt mit einer Beschleunigung auf 8,4 Prozent gerechnet.

Die hohe Inflationsrate dürfte den Druck auf die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) erhöhen, ihren Leitzins noch schneller zu erhöhen. Auch für US-Präsident Joe Biden und seine Demokraten ist die anhaltend hohe Teuerungsrate rund sieben Monate vor der wichtigen Kongresswahl eine große Herausforderung. In Deutschland war die Inflationsrate im März zuletzt auf 7,3 Prozent gestiegen. Das Statistische Bundesamt bestätigte damit am Dienstag eine erste Schätzung.

Die stärksten Preistreiber in den USA im März waren Kraftstoffe, Mieten und Lebensmittel. Allein die Benzinpreise stiegen im Monatsvergleich um 18,3 Prozent und standen damit für mehr als die Hälfte des Anstiegs, wie die neuen Daten zeigten. Der rasche Anstieg wurde meist mit dem russischen Angriffskrieg in der Ukraine erklärt, der die Ölpreise ansteigen ließ. Im April sind die Benzinpreise in den USA bereits wieder etwas gesunken. Die Preise anderer Energieträger erhöhten sich im März ebenfalls deutlich. Lebensmittel wurden zehn Prozent teurer.

Wohnkosten steigen so stark wie seit 1991 nicht mehr

Die Kerninflation, also ohne Berücksichtigung von Lebensmittel- und Energiepreisen, stieg im Jahresvergleich um immer noch sehr hohe 6,5 Prozent. Ein wichtiger Antreiber der höheren Kerninflation waren steigende Wohnkosten, die im Vergleich zum Vorjahresmonat um fünf Prozent stiegen - der größte Anstieg seit 1991.

In den USA war die Inflation bereits im vergangenen Jahr im Zuge der Erholung von den wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie stark angestiegen. Grund waren unter anderem eine erhöhte Nachfrage nach Gütern bei gleichzeitigen Engpässen bei den internationalen Lieferketten und ein Arbeitskräftemangel. In den vergangenen Monaten führten dann die Ukraine-Krise und schließlich der am 24. Februar gestartete russische Angriffskrieg gegen das Nachbarland zu einem starken Anstieg der Preise für Erdöl und damit auch für Benzin.

Das mittelfristige Inflationsziel der US-Notenbank Fed von 2 Prozent wird schon seit Längerem deutlich überschritten. Die Fed hat bereits durchblicken lassen, ihren geldpolitischen Kurs nun erheblich zu verschärfen. Viele Analysten rechnen daher bei der nächsten Sitzung der Entscheider der Zentralbank Anfang Mai mit einer Erhöhung des Leitzinses um 0,5 Prozentpunkte auf eine Spanne von 0,75 bis 1 Prozent. An den Finanzmärkten werden allein für dieses Jahr Zinsanhebungen von insgesamt mehr als zwei Prozentpunkten erwartet. Außerdem will die Fed ihre billionenschwere Bilanz bald zügig abschmelzen, was den Märkten weitere Liquidität entziehen würde.

Analysten rechnen im Mai mit großem Zinsschritt der Fed

Erhöhungen des Leitzinses bremsen die Nachfrage. Das hilft, die Inflationsrate zu senken, schwächt aber auch das Wirtschaftswachstum. Für die Notenbank ist es daher ein Balanceakt: Sie will die Zinsen so stark anheben, dass die Inflation ausgebremst wird - ohne dabei gleichzeitig Konjunktur und Arbeitsmarkt abzuwürgen.

Die Fed ist den Zielen der Preisstabilität und Vollbeschäftigung verpflichtet. Inzwischen brummt die US-Wirtschaft wieder, die Arbeitslosenquote war zuletzt auf niedrige 3,6 Prozent gefallen. Viele Firmen klagen bereits über einen Mangel an Arbeitskräften.

Hohe Inflation könnte Demokraten bei nächsten Wahlen schaden

Trotz der guten Konjunkturentwicklung geben viele Wähler der Wirtschaftspolitik von Präsident Joe Biden schlechte Noten - als Grund wird meist die hohe Teuerungsrate genannt, die an der Kaufkraft der Verbraucher zehrt. Biden hat den Kampf gegen Inflation und hohe Spritpreise zur Priorität erklärt, die Initiativen seiner Regierung zeigen jedoch nur begrenzt Wirkung. Viele Ursachen der Teuerung - etwa Unterbrechungen globaler Lieferketten und weltweit steigende Energiepreise - kann die Regierung aber nur begrenzt beeinflussen. Aktuellen Umfragen zufolge müssen Bidens Demokraten befürchten, ihre knappe Mehrheit in beiden Kammern des Kongresses bei der Wahl im November zu verlieren.

mg, rei/dpa-afx/Reuters
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