Inflation auf 40-Jahres-Hoch US-Notenbank Fed steht vor Zinserhöhung

Der Preisauftrieb in den USA hat sich im Februar beschleunigt. In der größten Volkswirtschaft der Welt steigt die Inflation weit über das von der US-Notenbank Fed angepeilte Ziel von zwei Prozent. Jerome Powell steuert auf eine Zinswende zu.
Wegen des starken Preisauftriebs: Notenbankchef Jerome Powell hat wiederholt signalisiert, dass die Fed auf eine Zinswende zusteuert.

Wegen des starken Preisauftriebs: Notenbankchef Jerome Powell hat wiederholt signalisiert, dass die Fed auf eine Zinswende zusteuert.

Foto: JONATHAN ERNST / POOL / EPA

Ein weiterer Anstieg der US-Inflation auf den höchsten Stand seit 40 Jahren dürfte kommende Woche für eine Zinswende in den USA sorgen. Waren und Dienstleistungen kosteten im Februar im Schnitt 7,9 Prozent mehr als im Vorjahresmonat, wie das Arbeitsministerium am Donnerstag in Washington mitteilte. Das ist der höchste Wert seit Januar 1982. Experten hatten damit gerechnet, nach 7,5 Prozent im Januar. Wegen des Ukraine-Kriegs und steigender Energiepreise dürfte sich die Entwicklung fortsetzen. "Der Druck auf die US-Notenbank Fed wächst, sie wird nächste Woche eine erste Zinserhöhung beschließen", erklärten die Analysten der Commerzbank. "Weitere vier Erhöhungen könnten in diesem Jahr folgen", ergänzte Chefvolkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank.

Notenbankchef Jerome Powell (69) hat wiederholt signalisiert, dass die Fed wegen des starken Preisauftriebs und des zugleich brummenden Arbeitsmarkts auf eine Zinswende zusteuert. Derzeit hält die Federal Reserve, die stabile Preise und Vollbeschäftigung sichern soll, den Schlüsselsatz noch in der Spanne von null bis 0,25 Prozent. An den Finanzmärkten wird für Mitte März mit einem ersten Schritt nach oben gerechnet. Die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung um einen Viertelprozentpunkt wurde an den Terminmärkten nach Veröffentlichung der Inflationsrate auf 95 Prozent taxiert.

Commerzbank-Ökonom Bernd Weidensteiner rechnet für 2022 insgesamt mit sechs Zinsschritten. "Angesichts des hohen Preisdrucks besteht das Risiko, dass die Fed auf den folgenden Sitzungen stärker auf die Bremse treten muss." Sie könnte demnach auch erwägen einmal oder häufiger die Zinsen um einen halben Prozentpunkt anzuheben.

Ukraine-Krise hat Energiepreisschock ausgelöst

Die Preise ziehen derzeit auf breiter Front an. "Egal ob, Benzin, Lebensmittel, Übernachtungen, Flugreisen oder Mieten – alles ist deutlich teuer geworden", sagte Bastian Hepperle von der Privatbank Hauck Aufhäuser Lampe. "Das Ende der Fahnenstange ist bei den Preisanstiegen noch nicht erreicht." Denn Unternehmen würden ihren hohen Kosten- und Lohndruck weiterreichen. "Die Inflationsrate dürfte somit immer noch nicht am Gipfel angelangt sein", betonte auch Weidensteiner. "Weil der Ukraine-Krieg einen Energiepreisschock ausgelöst hat, erwarten wir in den nächsten Monaten einen weiteren Anstieg Richtung neun Prozent."

In den USA sei das Thema Inflation allgegenwärtig, erläuterte VP Banker Gitzel. "Selbst die Zustimmungswerte von US-Präsident Joe Biden leiden unter den hohen Teuerungsraten." Der gesellschaftliche Druck gegen die steigenden Preise vorzugehen, sei groß. "Die US-Notenbank hat damit einen Freifahrtschein für ein entsprechend aggressives Vorgehen", prognostizierte der Experte. "Die Fed dürfte wohl selbst einen wirtschaftlichen Abschwung in Kauf nehmen, um die Teuerung einzudämmen.