Preise steigen weiter Inflation in der Türkei nähert sich 80-Prozent-Marke

Die Inflationsrate in der Türkei steigt weiter an. Im Juni lag sie bei fast 79 Prozent. Forscher schätzen die Preissteigerung viel höher ein, die Opposition wirft der Regierung vor, die Zahlen zu schönen.
Recep Tayyip Erdogan: Der türkische Präsident lehnt steigende Zinsen weiter ab. Nach ökonomischer Lehre können steigende Zinsen die Inflation bremsen.

Recep Tayyip Erdogan: Der türkische Präsident lehnt steigende Zinsen weiter ab. Nach ökonomischer Lehre können steigende Zinsen die Inflation bremsen.

Foto: GABRIEL BOUYS / AFP

Die Inflation in der Türkei steigt weiter. Im Juni erhöhten sich die Lebenshaltungskosten gegenüber dem Vorjahresmonat auf 78,62 Prozent, wie das nationale Statistikamt am Montag in Ankara mitteilte. Im Vormonat hatte die Teuerungsrate rund 74 Prozent betragen. Besonders Transport und Lebensmittel verteuerten sich im vergangenen Monat auf Jahresbasis deutlich.

Auch die Herstellerkosten stiegen weiter: Auf Jahressicht erhöhten sich die Preise, die Produzenten für ihre Güter erhalten, laut Statistikamt im Juni um rund 138 Prozent. Im Vergleich zum Vormonat ist das ein Anstieg von rund 6,8 Prozent. Die Erzeugerpreise fließen in der Regel verzögert und teilweise in die Verbraucherpreise mit ein.

Inflationsrate soll noch höher sein

Die Opposition wirft der Regierung vor, die Inflationszahlen zu schönen und geht von einer deutlich höheren Rate aus. Die in Istanbul ansässige Inflations-Forschungsgruppe Enag bezifferte die Teuerung für Juni im Jahresvergleich sogar auf 175,55 Prozent.

Die Inflationsrate in der Türkei wird durch mehrere Faktoren getrieben. Seit Längerem sorgt die schwache Landeswährung Lira für erheblichen Preisauftrieb, da in die Türkei importierte Güter dadurch verteuert werden. Auch steigen die Preise vieler Rohstoffe, nicht zuletzt wegen des russischen Angriffs auf die Ukraine.

Die türkische Notenbank stemmt sich nach Meinung vieler Ökonomen zudem nicht entschlossen genug gegen die hohe Teuerung. Vielmehr haben die Währungshüter ihre Geldpolitik seit vergangenem Sommer gelockert.

Nach gängiger ökonomischer Lehre kann eine Erhöhung der Zinsen der Inflation entgegenwirken. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan (68) argumentiert hingegen, dass hohe Zinsen Inflation verursachen. Die Notenbank folgt Erdogans Linie und verzichtet bislang auf Zinserhöhungen. Sie hält den Leitzins seit Januar bei 14 Prozent.

sio/dpa
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