Ifo-Index Stimmung in den Chefetagen hellt sich auf

Der erste Kriegsschock hat sich etwas gelegt, die Stimmung in den Chefetagen der deutschen Wirtschaft hellt sich überraschend ein wenig auf. Für Volkswirte kein Grund zur Euphorie. Krieg, hohe Inflation sowie fragile Lieferketten belasten weiter.
Mehr Licht am Konjunkturhimmel: Zumindest im Verarbeitenden Gewerbe und noch deutlicher im Dienstleistungssektor zeigen sich die Unternehmensführer optimistischer, im Handel und Bausektor dagegen rutscht die Stimmung in den Keller

Mehr Licht am Konjunkturhimmel: Zumindest im Verarbeitenden Gewerbe und noch deutlicher im Dienstleistungssektor zeigen sich die Unternehmensführer optimistischer, im Handel und Bausektor dagegen rutscht die Stimmung in den Keller

Foto: Axel Heimken/dpa

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im April überraschend aufgehellt. Das Ifo-Geschäftsklima stieg gegenüber dem Vormonat um einen Punkt auf 91,8 Zähler, teilte das Ifo-Institut am Montag in München mit. Analysten hatten dagegen im Schnitt mit einer Eintrübung auf 89,0 Punkte gerechnet. Im März war Deutschlands wichtigstes Konjunkturbarometer wegen des Einmarschs Russlands in die Ukraine eingebrochen. An der Börse zeigten die Daten zunächst keine Wirkung: Der Dax  notierte am späten Vormittag mit rund 260 Punkten oder 1,85 Prozent im Minus.

"Nach dem ersten Schock über den russischen Angriff zeigt die deutsche Wirtschaft sich widerstandsfähig", kommentierte Ifo-Präsident Clemens Fuest (53) Die Stimmung habe sich auf niedrigem Niveau stabilisiert. Die immer noch pessimistischen Erwartungen der Unternehmen hellten sich spürbar auf, die aktuelle Lage wurde kaum besser bewertet.

Baugewerbe pessimistisch, Dienstleistungssektor optimistisch

Im Verarbeitenden Gewerbe legte das Ifo-Barometer im April nach dem Absturz im Vormonat zunächst wieder zu. Im Dienstleistungssektor verbesserte sich das Geschäftsklima sogar merklich. Im Handel ging es jedoch bergab mit der Stimmung. Und am Bau sackte das Barometer sogar auf das niedrigste Niveau seit Mai 2010 ab. Die Erwartungen am Bau waren zudem noch nie so pessimistisch seit der Wiedervereinigung. "Insbesondere große Materialengpässe belasten das Geschäft", teilte das Ifo weiter mit.

Die aktuelle Entwicklung zeige einen gewissen Hoffnungsschimmer, dass die deutsche Wirtschaft zumindest nicht in einen freien Fall übergehe, erklärte Experte Elmar Völker von der Landesbank Baden-Württemberg. Der erste Kriegsschock scheine sich etwas gelegt zu haben. Angesichts der Vielzahl bestehender Risiken sei es aber noch zu früh, vom Beginn einer Trendwende zu sprechen. "Der Verlauf des Ukraine-Krieges bleibt schwer berechenbar, inklusive eines möglichen Gas-Lieferstopps." Die Hochinflation belaste die Konjunkturaussichten schon jetzt erheblich, die wiederholten Corona-Ausbrüche in China drohten den Handel zu dämpfen.

"Von Leichtigkeit kann in den deutschen Unternehmen keine Rede sein"

Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank

"Der Ausblick für die deutsche Wirtschaft hellt sich etwas auf", stellte Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank, fest. "Doch von Leichtigkeit kann in den deutschen Unternehmen keine Rede sein." Die Botschaft des Geschäftsklimas laute: Es sei nicht ganz so schlimm wie nach Ausbruch des Krieges befürchtet, doch die Situation bleibe angespannt. Neben dem Krieg in der Ukraine würden die internationalen Lieferketten durch die strengen Corona-Gegenmaßnahmen Chinas gestört, warnte auch Gitzel. Das belaste die Industrie, während die Dienstleister gegenwärtig von geringeren Corona-Beschränkungen in Deutschland profitierten.

Von einem Wendesignal wollte auch Chefökonom Alexander Krüger von der Privatbank Hauck Aufhäuser Lampe mit Blick auf den Anstieg des Ifo-Barometers nicht sprechen: "Die Großwetterlage ist durch den Ukraine-Krieg nicht anders als vor einem Monat. Unternehmen bleiben deshalb schlecht gelaunt, gerade mit Blick nach vorn." Dies sieht auch Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer sieht so: "Die Industrieproduktion dürfte im zweiten Quartal sinken. Deshalb wird das Bruttoinlandsprodukt trotz der Lockerung der Corona-Beschränkungen im zweiten Quartal wohl nur stagnieren."

rei/dpa-afx/Reuters
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