Gestörte Lieferketten Neun Rohstoffe, die am stärksten fehlen

Fehlende Rohstoffe belasten die Lieferketten. Nun hat eine Studie untersucht, bei welchen neun Mineralien es derzeit die größten Probleme gibt. Sieben davon kommen hauptsächlich aus China.
Steckt auch in den Batterien von E-Autos: Der begehrte Rohstoff Lithium (Archivbild vom Abbau in Bolivien)

Steckt auch in den Batterien von E-Autos: Der begehrte Rohstoff Lithium (Archivbild vom Abbau in Bolivien)

Foto: DPA

Erneuerbare Energien, Batterien oder Robotik – bei vielen Schlüsseltechnologien ist Deutschland von importierten Rohstoffen abhängig. "Dringender Handlungsbedarf für krisensichere Lieferketten besteht bei neun kritischen Mineralien", schlussfolgerte nun die Leiterin des Ifo-Zentrums für Außenwirtschaft, Lisandra Flach, aus einer am Donnerstag veröffentlichten Untersuchung ihres Wirtschaftsforschungsinstituts.

Dies seien Kobalt, Bor, Silizium, Grafit, Magnesium, Lithium, Niob, Seltene Erden und Titan. "Hier sind mehr Bezugs­quellen nötig, um die Lieferketten widerstandsfähiger zu machen", so die Expertin. Lieferkettenstörungen sind der Studie zufolge bei den genannten Rohstoffen besonders problematisch.

Der Grund: alternative Quellen könnten nur langfristig erschlossen werden. Dies sei eine Lektion der jüngsten Versorgungsnotlagen im Zuge der Corona-Pandemie und Krisen wie dem Ukraine-Krieg. Und bei sieben der neun besonders kritischen Rohstoffe ist den Angaben zufolge China einer der größten Anbieter am Weltmarkt – teilweise in marktdominierender Position.

Dies spreche für eine schnelle Verstärkung bereits bestehender Handelsbeziehungen zu anderen Ländern, darunter Thailand und Vietnam für die Seltenen Erden, aber auch Argentinien, Brasilien, USA und Australien für andere kritische Rohstoffe. Bei der Mehrheit der in der Studie untersuchten 23 kritischen Rohstoffe seien Maßnahmen für widerstandsfähigere Lieferketten nötig, sagte Außenhandelsexpertin Flach.

Erschließung von Rohstoffen innerhalb der EU ausbauen

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) sieht Potenzial in einer besseren EU-weiten Abstimmung sowohl bei Strategien für eine bessere Rohstoffverteilung innerhalb der EU als auch in der gemeinsamen Handelspolitik nach außen. "Viele EU-Mitglieder verfügen über Potenziale bei kritischen Rohstoffen", sagte DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier. "Hier muss die Erschließung und Verarbeitung von Rohstoffen innerhalb der EU verstärkt ausgebaut werden."

Zusätzlich müsse die EU rasch mit Handels- und Investitionsabkommen den Unternehmen dabei helfen, weltweit neue und nachhaltige Rohstoffquellen zu erschließen. Gerade die Abkommen mit den Mercosur-Ländern Südamerikas, aber auch Indonesien und Indien seien hierfür relevant und sollten rasch abgeschlossen werden.

hr/Reuters
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