Hohe Geldbußen China bestraft ausländische Baby-Milchfirmen

Mead Johnson, Abbott und die Danone-Tochter Dumex: China hat hohe Geldstrafen gegen ausländische Unternehmen verhängt, die in Preisabsprachen für Baby-Milchpulver verwickelt sein sollen. Drei Kronzeugen gingen straffrei aus.
Skyline von Shanghai:

Skyline von Shanghai:

Foto: Angelika Warmuth/ dpa

Peking/Wellington - Harte Strafen für Babymilch-Produzenten: China hat gleich sechs ausländische Unternehmen wegen Preisabsprachen und Wettbewerbsverstößen zu hohen Geldbußen verdonnert. Darunter sind der französische Konzern Danone, der US-Anbieter Mead Johnson sowie die gerade erst in Verruf gekommene weltgrößte Molkerei Fonterra. Insgesamt summieren sind die Strafen auf umgerechnet rund 83 Millionen Euro. "Das sind wirklich signifikante Strafen für China", sagte Peter Wang, Partner und Kartell-Experte der Anwaltskanzlei Jones Day aus Shanghai. Bislang sei die Volksrepublik nicht durch solch hohe Bußen aufgefallen.

Die größten Strafen haben nach Angaben der Entwicklungs- und Reformkommission des Landes Mead Johnson (33 Millionen Dollar) und Danone (28 Millionen Dollar) bekommen, Fonterra die kleinste Summe. Die Kommission hatte die Branche vier Monate lang unter die Lupe genommen. Die meisten Firmen betonten, nicht gegen die Strafen vorgehen zu wollen. Der Schweizer Nestlé-Konzern und andere Firmen seien nicht bestraft worden, weil sie mit den Behörden kooperierten, wichtige Beweise geliefert und Selbstbeschränkungen vorgenommen hätten, zitierte die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua einen Vertreter der zuständigen Kommission.

Der Babymilch-Markt in der Volksrepublik dürfte sich bis 2017 in seiner Größe verdoppeln - auf dann 25 Milliarden Dollar. Ausländische Marken machen in etwa die Hälfte des Absatzes aus. Zuletzt war China bereits wegen Bestechung und Preisabsprachen gegen zahlreiche Pharma-Konzerne vorgegangen. Auch der Goldhandel wird untersucht. Der neuseeländische Konzern Fonterra ist parallel in einen Lebensmittelskandal verwickelt. Das Unternehmen hatte am Wochenende eingeräumt, dass in einigen seiner im vergangenen Jahr hergestellten Produkte ein Bakterium entdeckt wurde, das die lebensgefährliche Krankheit Botulismus auslösen kann.

Die Verunreinigung betrifft vor allem Milchpulver für Säuglinge, das China zu 90 Prozent aus Neuseeland importiert. Neuseeland fürchtet seitdem um seinen Ruf als Bio-Land. Sogar die Landeswährung geriet unter Druck. Ein Viertel aller Exporte des Landes entfallen auf die Molkerei-Branche. Fonterra-Chef Theo Spierings sagte, seine berufliche Zukunft und damit sein Verbleib bei der Firma hänge vom Topmanagement ab.

kst/rtr
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