Montag, 22. April 2019

Bemerkenswertes Stimmungsbild Harley-Mitarbeiter könnten Jobs verlieren - aber stehen zu Trump

Harley-Davidson-Montage in Menomonee Falls, Wisconsin: Mitarbeiter des Werks könnten wegen der Produktionsverlagerung ihre Jobs verlieren - doch sie stehen weiterhin zu US-Präsident Trump.
Getty Images
Harley-Davidson-Montage in Menomonee Falls, Wisconsin: Mitarbeiter des Werks könnten wegen der Produktionsverlagerung ihre Jobs verlieren - doch sie stehen weiterhin zu US-Präsident Trump.

2. Teil: "So bringt er die Gegenseite an den Verhandlungstisch - andernfalls wäre er komplett verrückt."

Doch von Kritik am Präsidenten oder gar Ablehnung ist in den Statements der Harley-Davidson-Mitarbeiter, die die "FT" zitiert, kaum etwas zu finden. Im Gegenteil: Die meisten geben an, Trump gewählt zu haben, so die Zeitung - und sie würden es angeblich trotz allem wieder tun.

"Er würde es nicht tun, wenn es nicht getan werden müsste", sagt dem Bericht zufolge einer der Harley-Mitarbeiter. "Er ist ein sehr cleverer Geschäftsmann."

"Ich denke, er spielt Poker", sagt ein anderer. "Ich treffe dich mit diesem, du triffst mich mit jenem. Ich denke, so bringt er die Gegenseite an den Verhandlungstisch - andernfalls wäre er komplett verrückt."

Gefragt, ob er aufgrund der jüngsten Entwicklung bei der nächsten Wahl 2020 womöglich gegen Trump stimmen werde, antwortet ein Dritter: "Ich glaube nicht. Dazu müsste schon mehr passieren. Er macht gute Sachen. Wir müssen allerdings schauen, wer gegen ihn antritt. Das könnte meine Wahlentscheidung ändern."

Auch Trumps Andeutung aus seinem Tweet, Harley-Davidson verwende den Handelskonflikt lediglich als Vorwand, um eine ohnehin geplante unpopuläre Entscheidung zu verkaufen, findet unter den Harley-Mitarbeitern offenbar Unterstützung. "Ich glaube, Harley benutzt das nur als Ausrede um weitere Produktionsteile außer Landes zu schaffen", sagt einer. "Sie wollen es einfach Trump anlasten."

Nicht zuletzt aufgrund der florierenden US-Wirtschaft sind viele der Harley-Mitarbeiter dem Bericht zufolge optimistisch, im schlimmsten Fall anderswo neue Jobs finden zu können.

Das Stimmungsbild unter den Harley-Davidson-Leuten mag aus europäischer Sicht überraschend erscheinen. Es passt jedoch ins Gesamtbild, das Meinungsforscher über die Beliebtheit des US-Präsidenten im eigenen Land zeichnen. Dem US-Meinungsforschungsinstitut Gallup zufolge etwa haben die Zustimmungswerte des Präsidenten zuletzt wieder dessen persönliches Rekordniveau erreicht. Auf diesem Level befand sich Trumps Beliebtheit bislang ausschließlich kurz nach dessen Amtseinführung Anfang 2017, so Gallup.

Christoph Rottwilm auf Twitter

Bemerkenswert: Trumps Zustimmungsrate beträgt zurzeit laut Gallup 45 Prozent - das sei lediglich ein Prozentpunkt weniger als die Rate, die Trumps Vorgänger im Amt, Barack Obama, zum gleichen Zeitpunkt seiner Amtszeit vorzuweisen hatte, so das Institut.

Seite 2 von 2

© manager magazin 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung