Montag, 9. Dezember 2019

Grexit Ifo-Chef Sinn lobt Syriza-Chef Tsipras

Übersicht: Das müssen Sie zum möglichen Euro-Austritt Griechenlands wissen
DPA

Griechenland muss die Euro-Zone verlassen, um eine neue Staatspleite abzuwenden, meint Hans-Werner Sinn. Der Ifo-Chef lobt Syriza-Chef Alexis Tsipras - dieser sei einer der wenigen, "die die Natur des Problems verstanden haben und deshalb bereit sind, Wagnisse einzugehen".

Berlin - Es gibt nur einen Weg für Griechenland - und der führt raus aus dem Euro, so lässt sich die Meinung von Hans Werner Sinn zusammenfassen, die er im "Handelsblatt" vertritt. Nach Einschätzung des Präsidenten des Münchner Ifo-Instituts kann die Regierung in Athen eine neue Staatspleite nur abwenden, wenn das Land aus der Eurozone ausscheidet.

"Es steht ein weiterer Staatskonkurs mit einem heftigen offenen oder versteckten Schuldenschnitt an, dem in den kommenden Jahren immer wieder neue Kredite und Schuldenschnitte folgen werden, wenn das Land seine Wettbewerbsfähigkeit nicht durch den Austritt aus dem Euro und eine Abwertung seiner Währung wiederherstellt", sagte Sinn dem "Handelsblatt". Einfach wäre so ein"Greek Exit" (Grexit) allerdings nicht.

Sinn setzt offenbar auf den Chef des Linksbündnisses Syriza, Alexis Tsipras. Dieser sei einer der wenigen griechischen Politiker, "die die Natur des Problems verstanden haben und deshalb bereit sind, Wagnisse einzugehen", sagte der Ökonom der Zeitung. Dass Tsipras die griechischen Reparationsforderungen gegenüber Deutschland wieder auf den Tisch lege, gehöre allerdings zu den "vielen unerfreulichen Aspekten des Geschehens", fügte Sinn hinzu.

"Fortwährende Neukredite unerträglich für die Staatengemeinschaft"

In jedem Fall sieht der Ifo-Chef dringenden Handlungsbedarf, weil sich die Lage in Griechenland seit Jahren verschlechtere. "Die griechische Wirtschaftssituation ist unerträglich für die Bevölkerung, und die fortwährenden Neukredite sind unerträglich für die Staatengemeinschaft", sagte Sinn dem Blatt.

Griechenland habe heute doppelt so viele Arbeitslose wie noch im Mai 2010. Damals sei der Euroaustritt des Landes unter Bruch von Artikel 125 des EU-Vertrags durch öffentliche Kredite der Staatengemeinschaft verhindert worden. Gleichzeitig habe man beteuert, das Land komme schnell wieder auf die Beine.

"Die Wahrheit ist, dass Griechenland einen Einbruch der Industrieproduktion gegenüber dem Vorkrisenniveau um etwa 30 Prozent erlebt hat, dass es nach wie vor meilenweit von der preislichen Wettbewerbsfähigkeit seiner Wirtschaft entfernt ist", sagte Sinn.

So seien die griechischen Löhne doppelt so hoch wie die polnischen. Zudem fahre das Land nach dem Staatskonkurs des Jahres 2012 immer noch "riesige Staatsdefizite" ein, die von der EU-Kommission "mühsam und trickreich geschönt" werden müssten, obwohl die EZB alles versucht habe, die Zinsen auf griechische Staatspapiere zu drücken.

nck/spon

© manager magazin 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung