Dienstag, 15. Oktober 2019

Trump lässt Handelsstreit eskalieren China gegen USA - der neue Kalte Krieg hat begonnen

Hafenarbeiter in Zhangjiagang: Trump will China in die Knie zwingen - und riskiert dabei viel

US-Präsident Donald Trump fordert mit neuen Strafzöllen und seiner "America first" Doktrin China heraus. Doch China wird mit steigendem Wohlstand nicht liberaler, sondern autoritärer und restriktiver: Wir erleben einen neuen Kampf der Systeme - mit nicht absehbaren Folgen.

Nun zündet Donald Tump also die nächste Eskalationsstufe. Chinesische Waren im Wert von 200 Milliarden Dollar werden bei der Einfuhr in die USA mit Strafzöllen belegt. Zwar betragen diese nicht - wie erst angekündigt - 25 Prozent, aber immerhin noch 10 Prozent. Damit hat die Auseinandersetzung eine neue Dimension erreicht.

Es ist kein Handelsstreit mehr, es ist ein Handelskrieg. Ja, es ist noch mehr: Der Beginn eines neuen Kalten Krieges.

Wir sind mitten in einer Zeitenwende. Die alte Weltmacht USA wird durch eine neue - China - herausgefordert. Trumps Großmachtsucht und seine America-First-Ideologie erlauben keine Nebenbuhler um die Macht. Der Streit um Zölle und Handelsdefizite sind da nur Symptome einer viel tiefer gehenden Auseinandersetzung.

Alte Macht gegen neue Macht - eine klassische Konflikt-Konstellation. Die gab es schon im antiken Griechenland: Das bis dato allein herrschende Athen traf auf seinen Herausforderer Sparta. Es kam zum Peloponnesischen Krieg, den der griechische Geschichtsschreiber Thukydides dokumentierte. Deshalb heißt diese in der Weltgeschichte immer wiederkehrende Konstellation - etablierte gegen aufstrebende Macht - Thukydides-Falle.

Wolfgang Hirn
Chinas Bosse: Unsere unbekannten Konkurrenten

Campus Verlag, 284 Seiten, gebunden, Februar 2018, 26.00 Euro

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Der Harvard-Historiker Graham Allison hat darüber kürzlich das Buch "Destined for War" geschrieben. Sein Untertitel: Can America and China escape Thucydides's trap? Allison hat alle Fälle in den vergangenen 500 Jahren untersucht, bei denen es zu diesem Duell zwischen Herausforderer und Titelverteidiger gekommen ist. Sein ernüchterndes Ergebnis: In elf von 15 Fällen kam es zu kriegerischen Auseinandersetzungen.

Wie wird es dieses Mal enden? Sicher nicht so, wie der erste Kalte Krieg zwischen den beiden Supermächten USA und Sowjetunion, die sich quasi kampflos ergab. Die Volksrepublik China ist nicht die UdSSR. Die sowjetische Wirtschaft war überschätzt, sie war eher eine Ansammlung potemkinscher Fabriken.

China hingegen ist eine reale Wirtschaftsmacht, bald die größte der Welt. Und sie will den noch dominierenden Westen auch technologisch ein- und überholen. Siehe das ehrgeizige Programm "Made in China 2025", in dem die zehn Industrien bzw. Technologien aufgelistet sind, in denen China angreifen will.

Nicht alle dort niedergeschriebenen Wünsche werden in Erfüllung gehen, aber Chinas autoritäre Führung hat in den vergangenen Jahren bewiesen, dass es eine doch recht erfolgreiche Industriepolitik betreiben kann.

Und damit bekommt der neue Kalte Krieg auch eine ideologische Dimension. Mit ihm beginnt auch ein neuer Kampf der Systeme. Mit ihm endet auch der westliche Wunschtraum, dass China - so wie es die westliche Modernisierungstheorie idealiter vorsieht - mit steigendem Wohlstand liberaler oder gar demokratisch wird.

Das Gegenteil ist der Fall: China wurde unter Xi Jinping autoritärer und restriktiver. Dass ein autoritäres System wirtschaftlich erfolgreich sein kann, passt aber nicht in das Weltbild des Westens, der sich deshalb auch ideologisch herausgefordert sieht.

Dabei geht es nicht mehr - wie im ersten Kalten Krieg - um die Alternative Kapitalismus oder Kommunismus (in China ist nichts mehr kommunistisch außer dem Namen der Partei), sondern um liberale Demokratien versus autoritäre Regime.

Das ist die bittere Realität im zweiten Kalten Krieg, der gerade begonnen hat.

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