Tempo im Handelsstreit verschärft Heute Soja, morgen Boeing - China lässt USA leiden

Boeing 747 der chinesischen Frachtfluggesellschaft Jade Cargo: Noch liefert Boeing Flugzeuge nach China. Doch das muss nicht so bleiben

Boeing 747 der chinesischen Frachtfluggesellschaft Jade Cargo: Noch liefert Boeing Flugzeuge nach China. Doch das muss nicht so bleiben

Foto: Z1000 Flughafen Leipzig/Halle GmbH/ dpa

Die Reaktion Pekings auf Donalds Trumps neue Strafzoll-Liste ließ nur elf Stunden auf sich warten. Im Handelsstreit zwischen USA und China hat die Volksrepublik das Tempo deutlich verschärft und den US-Präsidenten spüren lassen, dass er gegenüber dem Schwergewicht China nicht so breitbeinig auftreten kann wie gegenüber anderen Ländern.

Für Trump ist das ein schmerzlicher Lernprozess - und Anleger in den USA befürchten, dass dieser Lernprozess ihres Präsidenten etwas länger dauern könnte. An der Wall Street tauchten die Indizes Dow Jones  und Nasdaq Composite  erneut ab - Chinas neue Liste schickte US-Unternehmen den Schrecken in die Glieder.

"Die USA kann sich einen Handelskrieg gegen China überhaupt nicht leisten - im Konflikt mit den USA hat China einfach die besseren Karten", sagte China Experte Hermann Meller von der Wirtschaftskanzlei Dentons. Als größter Gläubiger der USA hat China zudem weitere Möglichkeiten, Druck auf die hoch verschuldeten Vereinigten Staaten aufzubauen.

Ganz besonders schwer erwischte es am Mittwoch die Aktie des US-Flugzeugbauers Boeing  - die Aktie fiel an der Wall Street zeitweise um mehr als 4 Prozent, obwohl Boeing noch gar nicht von Chinas Strafzöllen betroffen ist. Doch das könnte sich bei einer weiteren Eskalation des Handelsstreits ändern: Als größter Einzel-Exporteur nach China ist Boeing besonders verwundbar.

China verhängt Strafzölle auf Soja - und gibt Aussicht auf viel mehr

China stellt mit seiner neuen Liste unter Beweis, dass die Volksrepublik die USA empfindlich treffen kann. Als Reaktion auf die Strafzölle der US-Regierung von Präsident Donald Trump kündigte Peking am Mittwoch hohe Abgaben für zahlreiche Produkte aus den Vereinigten Staaten an - darunter Sojabohnen, kleinere Flugzeuge und Autos.

Insgesamt listete das chinesische Handelsministerium 106 Produktgruppen auf, deren Ausfuhren von den USA nach China sich auf jährlich 50 Milliarden Dollar (rund 40,1 Milliarden Euro) summieren. Auf diese Produkte sollen künftig Zölle in Höhe von 25 Prozent gelten. Einen genauen Zeitpunkt für die Abgaben wollte das Ministerium zu einem späteren Zeitpunkt bekanntgeben.

Von den chinesischen Zöllen betroffen sind unter anderem Autos, chemische Produkte, Whiskey, Zigaretten, Tiefkühlrindfleisch, Sojabohnen und Flugzeuge mit einem Gewicht von bis zu 45 Tonnen. Diese Spezifizierung ist als Warnung zu verstehen: Noch ist Boeing von den Zöllen verschont, doch bei der Beschränkung auf kleinere Flugzeuge muss es nicht bleiben. In diesem Fall sollte sich Boeing-Konkurrent Airbus auf Sonderschichten einstellen.

Soja für 14 Milliarden Dollar importiert: US-Soja-Bauern droht Ungemach

Vor allem bei Soja - das vornehmlich aus tendenziell Trump-freundlichen US-Bundesstaaten stammt - sind die Auswirkungen der angekündigten Zölle aber beträchtlich: 2017 kaufte China Sojabohnen im Wert von 14 Milliarden Dollar aus den USA. Damit sind die Hülsenfrüchte das wichtigste Importgut, das China aus den USA einführt; rund ein Drittel aller US-Sojabohnenexporte geht wiederum nach China.

Nur wenige Stunden vor der Reaktion aus Peking hatte die US-Regierung eine vorläufige Liste mit chinesischen Importwaren im Wert von rund 50 Milliarden Dollar vorgelegt, die mit hohen Abgaben belegt werden sollen. Betroffen sind rund 1300 Produkte, darunter Elektronikartikel, Flugzeugteile, Medikamente, Maschinen und andere Güter. Trump wirft China "unfaire Handelspraktiken" vor. Im März erließ er bereits Strafzölle auf Stahl und Aluminium. Als Reaktion darauf verhängte Peking kürzlich bereits vergleichsweise gemäßigte Strafzölle auf US-Produkte im Wert von rund drei Milliarden Dollar.

US-Börsen testen kritische Unterstützungslinien

Zu den größten Verlierern an den US-Börsen zählten am Mittwoch neben Boeing die Aktien von Autobauern, Agrarunternehmen und von Chip-Herstellern. Ford, General Motors, Tesla  und der Chiphersteller AMD verloren zeitweise mehr als 4 Prozent an Wert. "Es ist wahrscheinlich, dass Dow und Nasdaq in den kommenden Tagen ihre Jahrestiefs noch einmal testen", sagte Peter Cardillo von First Standard Financial.

"Der hoch bewertete Technologesektor hat am meisten zu verlieren in einer Welt, in der der freie Handel durch neue Zollschranken behindert wird", ergänzte Rick Meckler von Liberty View Capital. Seit Jahresbeginn war der Technologieindex Nasdaq von Rekord zu Rekord geeilt. Und auch im breiter gestreuten S und P Index wiegen die Verluste der Technologiewerte schwer. "Unter Investoren geht die Angst um, dass Trump die Stärke Chinas unterschätzt", sagte ein Börsianer in New York. "Sie bringen lieber Geld in Sicherheit, bevor der Konflikt weiter eskaliert."

la/reuters/mmo