Donnerstag, 27. Juni 2019

Warum über Stahl und Erdnussbutter gestritten wird Hier hat der Handel zwischen EU und USA Schieflage

7. Teil: Autos: Trump hat Europas Schmerzpunkt gefunden

Neuwagen von Mercedes-Benz am Autoterminal in Bremerhaven

Richtig Alarm herrscht in der Autoindustrie - vor allem, seit Trump die EU-Drohungen mit (überwiegend symbolischen) Strafzöllen gegen Bourbon, Erdnussbutter und Co. mit einem ganz anderen Kaliber beantworten will: "Dann werden wir einfach ihre Autos besteuern, die frei in die USA strömen."

Damit hat der US-Präsident den Streit von Nischenprodukten gleich auf die Ebene eines der wichtigsten Wirtschaftszweige gehoben. Tatsächlich exportierten die Europäer, angeführt von den deutschen Herstellern, 2016 Automobilprodukte für 46,6 Milliarden Euro gen Amerika - und das, obwohl Daimler Börsen-Chart zeigen, BMW Börsen-Chart zeigen und Volkswagen Börsen-Chart zeigen längst eigene Werke in den USA haben. Europa kaufte aber nur Autos für 10,3 Milliarden Euro von dort - darunter auch Mercedes-SUVs, die in Alabama gebaut werden. Das macht 36,3 Milliarden Euro Überschuss - die mit Abstand größte Unwucht.

Recht hat Trump mit den von ihm beklagten Einfuhrbarrieren. Während die USA 2,5 Prozent Zoll für europäische Autos verlangen, werden amerikanische Wagen in Europa mit 10 Prozent belastet. "Very, very unfair", um es mit Trump zu sagen. Zu den TTIP-Vorschlägen gehörte es, diese Zölle ganz abzuschaffen - und auch noch andere Handelshemmnisse wie unterschiedliche Vorschriften zur Blinkerfarbe, die eigene Produktionslinien für die verschiedenen Märkte erfordern. Deshalb warb Daimler-Chef Dieter Zetsche besonders eifrig für das nun auf Eis liegende Abkommen.

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