Montag, 26. August 2019

Warum über Stahl und Erdnussbutter gestritten wird Hier hat der Handel zwischen EU und USA Schieflage

4. Teil: Stahl: Thyssenkrupp hat sich rechtzeitig aus der Affäre gezogen

US-Steel-Fabrik in Pennsylvania

Um Eisen und Stahl dreht sich ein Großteil der Debatte - nicht erst seit dem Amtsantritt Trumps, der die Metallindustrie zur Überlebensfrage erhebt: "Wer keinen Stahl hat, hat kein Land." Auch sein Vorgänger Barack Obama agierte mit hohen Strafzöllen gegen chinesischen Dumpingstahl, der damals den Weltmarkt überschwemmte (inzwischen aus Chinas Eigeninteresse deutlich gemindert), während Europas Industrie sich von der liberalen Kommission in Brüssel zu schwach geschützt wähnte.

Bevor Trump einzelne Stahlsorten und Hersteller wie Salzgitter Börsen-Chart zeigen schon zu Beginn seiner Amtszeit angriff, konnten die Europäer 2016 noch fünfmal so viel Eisen und Stahl nach Amerika liefern, wie umgekehrt auf den europäischen Markt kam. Mit fünf Milliarden Euro fiel der Export jedoch nicht allzu sehr ins Gewicht. Noch viel weniger liefern übrigens die in der Stahlindustrie viel gescholtenen Chinesen nach Amerika, sie zählen nicht einmal zu den Top Ten der Lieferländer.

Gegen chinesische Metallimporte war die US-Industrie schon vor Trump recht gut geschützt - siehe die merkwürdige Weltreise von 500.000 Tonnen Aluminium, die jahrelang nicht den Weg auf den begehrten Markt fanden. Das Überangebot traf die Amerikaner nur indirekt über die Weltmarktpreise.

Hauptsächlich trifft der von Trump angekündigte Zoll von 25 Prozent auf alle Stahlimporte und 10 Prozent auf Aluminium den Nachbarn Kanada, wohin die US-Industrie in den vergangenen Jahren viel Produktion verlagert hat - falls die Nafta-Partner Kanada und Mexiko nicht ausgenommen werden.

Das größte Opfer des Trump-Zolls könnte das von Thyssenkrupp Börsen-Chart zeigen in Rio de Janeiro gebaute Stahlwerk sein, das nun dem italienisch-argentinischen Ternium-Konzern gehört. Das Werk ist darauf ausgelegt, halbfertige Stahlbrammen an ein ebenfalls von Thyssenkrupp gebautes und in diesem Fall an ArcelorMittal Börsen-Chart zeigen verkauftes Werk im US-Staat Alabama zu liefern. Den bisher schon als Milliardengräbern verrufenen Investments könnte der Zoll den Exitus bescheren. Und Thyssenkrupp hätte sich gerade noch rechtzeitig aus der Affäre gezogen.

Zu den Opfern zählen allerdings auch die Käufer von Stahl in den USA wie die Bau-, die Autoindustrie oder auch die Hersteller von Solarmodulen, denen Trump erst vor einem Monat einen eigenen Schutzzoll gönnte und nun den Effekt teilweise wieder zunichte macht.

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