Dienstag, 20. August 2019

Warum über Stahl und Erdnussbutter gestritten wird Hier hat der Handel zwischen EU und USA Schieflage

2. Teil: Nahrung, Getränke, Tabak: Die Schaubühne für Symbolkämpfe

Marlboro-Zigarette: EU-Importe in den USA mit 350 Prozent verzollt

Mit ihren Vergeltungsdrohungen scheint sich die EU auf symbolträchtige, besonders typisch amerikanische Produkte zu kaprizieren. Neben Harley-Davidsons und Jeans stehen auch Bourbon, Kautabak, Orangensaft und Erdnussbutter auf der Liste. Ob das abschreckenden Eindruck macht?

Die Produktgruppe "Getränke und Tabak" zählt nicht zu den relevantesten Posten der Handelsstatistik - aber zu denen, wo die Unwucht besonders groß ist; und zwar zu Gunsten Europas, wenngleich die USA mit 350 Prozent auf Tabakimporte aus Europa den höchsten zwischen den beiden Wirtschaftsräumen noch existierenden Zoll verhängen.

Die EU exportierte im Jahr 2016 (laut der aktuellsten, im November 2017 veröffentlichten Statistik) Getränke und Tabak für 10,2 Milliarden Euro in Richtung USA - kaufte in umgekehrter Richtung aber nur für 1,6 Milliarden Euro ein.

Bei Nahrungsmitteln ist das Verhältnis mit 19,6 zu 11,1 Milliarden Euro nicht viel ausgewogener. Hier wirken andere Handelshemmnisse als Zölle. Die EU verbietet beispielsweise in Chlor gereinigte Hühnchen oder bestimmte Hormone im Rindfleisch - seit Jahren ein Streitpunkt vor der Welthandelsorganisation. Die US-Agrarindustrie hatte deshalb besonders auf das Handelsabkommen TTIP gehofft, das 2016 zuerst von Opposition in Europa und dann von Trumps Wahl gestoppt wurde.

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