Große Rezession 2020 Wirtschaft im freien Fall - Rettungspakete allein reichen nicht

Die Corona- Krise trifft die Wirtschaft so abrupt wie noch kein Schock zuvor. Allein mit den Rettungspaketen ist sie nicht zu überwinden.
Deutschland im März: Tiefe der Rezession ist beispiellos

Deutschland im März: Tiefe der Rezession ist beispiellos

Foto: Jonas Güttler/dpa

Das Tempo und die Tiefe der großen Rezession 2020 sind bereits jetzt beispiellos. Denn die Wirtschaft rutscht in diese Krise eben nicht über die sonst übliche, sich selbst verstärkende Abwärtsspirale hinein. Die Treiber liegen diesmal außerhalb der Ökonomie: Seuchenpolitik erzwingt den sofortigen Lockdown - mit gutem Grund, aber brachial.

Das Ergebnis ist eine Wirtschaft im freien Fall.

Anfang April schätzten die Konjunkturinstitute in ihrer Gemeinschaftsdiagnose, dass Deutschlands BIP im laufenden Vierteljahr, also von April bis Juni, gegenüber dem Vorquartal um bisher noch nie gesehene 10 Prozent abstürzen wird. Mittlerweile spricht viel dafür, dass der Fall noch tiefer sein wird. Denn es zeichnet sich ab, dass der Lockdown länger anhält als zunächst erwartet.

Quer durch alle Wirtschaftsbereiche haben sich die Lage wie auch die Erwartungen schon dramatisch verschlechtert: Das neue Ifo-Geschäftsklima, das auf den Befragungen im März basiert, ist auf den niedrigsten jemals gemessenen Wert gefallen. Selbst am Bau, der aus einer Boomphase kommt, herrscht inzwischen bei der großen Mehrheit Pessimismus.

Das Ausmaß des erwarteten Minus kann dieser Klima-Indikator nicht erfassen. Die Umfrage kennt nur die Antwortkategorie "schlecht", um negative Urteile über Lage und Erwartungen auszudrücken. Flächendeckende Umsatzrückgänge auf Null, die es nie zuvor gab, sind nicht vorgesehen.

BIP Krise

BIP Krise

Jedes zweite deutsche Unternehmen hat Kurzarbeit angemeldet

Zusätzliche Befragungen des Ifo im April zeigen allerdings, dass inzwischen jedes zweite deutsche Unternehmen Kurzarbeit angemeldet hat. Im Schnitt rechnen die Unternehmen damit, dass die Beschränkungen des öffentlichen Lebens knapp vier Monate dauern werden.

Der BIP-Einbruch im zweiten Quartal könnte also weit über die zehn Prozent der ursprünglichen Institutsprognose hinausgehen. Die Volkswirte der Bank Unicredit etwa rechnen mit einem Minus von 18 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Berücksichtigt man, dass über 20 Prozent des deutschen BIP auf die stabile, vom Lockdown wenig berührte Staatstätigkeit entfällt, dann entspräche das einem Einbruch des privaten Sektors um fast schon ein Viertel.

Auf Überlebenshilfen müssen Stimulus-Programme folgen

Die alles entscheidende Frage bleibt, ob danach wieder ein starkes Comeback einsetzt.

Die gigantischen Rettungspakete, die der Staat geschnürt hat, werden zum Aufschwung allenfalls indirekt beitragen. Sie sorgen nur dafür, dass die aktuellen Sturzschäden abgemildert werden. Dass Unternehmen im Moment überhaupt überleben. Echte Stimulusprogramme, die inzwischen diskutiert werden, können erst dann wirken, wenn die Betriebe wieder öffnen dürfen.

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