Dienstag, 19. November 2019

Euro-Rettungsfonds ESM-Chef: Athen braucht drittes Hilfspaket

Klaus Regling: Der Chef des Euro-Rettungsfonds kündigt Anleihen für 17 Milliarden Euro in 2014 an

Griechenland wird die Steuerzahler weiter Geld kosten. Klaus Regling, Chef des Euro-Rettungsfonds, rechnet fest mit einem dritten Hilfspaket für das angeschlagene Land in 2014. Optimistischer beurteilt er die Lage für Portugal.

Berlin - Griechenland wird nach Einschätzung des Chefs des Euro-Rettungsfonds ESM Klaus Regling im nächsten Jahr vermutlich ein drittes Hilfspaket benötigen. Es sei absehbar, dass Griechenland 2014 noch nicht eigenständig am Markt mit neuen Anleihen Geld aufnehmen könne, sagte Regling.

"Insofern wird Griechenland wahrscheinlich ein weiteres Hilfspaket benötigen", dem "Handelsblatt". Die Entscheidung liege bei den Euro-Finanzministern. Dagegen hält er es für "noch nicht ausgemacht", dass auch das Euro-Krisenland Portugal weitere Hilfen seiner Partner braucht.

Relativ zuversichtlich äußerte sich Regling, was die Stabilität der Banken angeht. "Ich habe keine Anhaltspunkte dafür, dass wir in der nächsten Zeit größere Bankenprobleme in Europa erleben werden", sagte er. Insgesamt sei das Vertrauen an den Märkten in die Krisenstaaten und in den Euro gestiegen. Dass die Renditen von Staatsanleihen gerade von Problemstaaten gesunken seien, habe nicht nur mit der Ankündigung der Europäischen Zentralbank (EZB) zu tun, gegebenenfalls unbegrenzt Anleihen dieser Länder aufzukaufen. Vielmehr hätten diese Staaten auch selbst große Fortschritte gemacht.

Regling hofft nach eigenen Angaben darauf, dass in Deutschland im Interesse der politischen Stabilität in Europa rasch eine neue Regierung zustandekommt. "Natürlich wäre es für Europa und die Märkte gut, wenn in Deutschland bald die neue Regierung gebildet wird", sagte er. In Italien lasse die gewonnene Vertrauensabstimmung von Ministerpräsident Enrico Letta hoffen, dass das Land stabil und auf Reformkurs bleibt.

Neue ESM-Anleihen für das laufende und kommende Jahr angekündigt

Was das Vertrauen an den Märkten in den ESM angeht, so erlebe er keine Verunsicherung, versicherte Regling. "Im Gegenteil", fügte er hinzu. Die Anleger ständen dem ESM generell sehr positiv gegenüber. In diesem Jahr werde der ESM Anleihen über neun Milliarden Euro, im nächsten Jahr für 17 Milliarden Euro auflegen.

Die erste ESM-Anleihe in der kommenden Woche werde mehrere Milliarden Euro umfassen und über mehr als drei Jahre laufen. Damit sollen Hilfen für spanische Banken und Kredite für Zypern refinanziert werden. Indizien für weitere Programme an Euro-Länder habe er keine.

Aktuell gibt es Regling zufolge keine Probleme, Anleger für Bonds des zweiten, des vorläufigen Schutzschirms EFSF zu finden. Und auch für den ESM sollte es gut laufen. Angesichts der robusten ESM-Kapitalstruktur geht Regling davon aus, dass die ESM-Zinsen etwas unter den EFSF-Zinsen liegen werden.

rei/rtr

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