Dienstag, 7. April 2020

Wer wichtig werden wird Auf diese Entscheider sollten Sie 2020 achten

Das Jahr neigt sich seinem Ende zu. Für manager magazin Anlass, zu schauen, wer 2020 wichtig werden dürfte - wer einen Aufbruch bewerkstelligen oder Entscheidendes leisten muss. Einige der wichtigsten Persönlichkeiten und Politiker, bei denen dies der Fall ist, stellen wir Ihnen hier vor.

Isabel Schnabel: Die Bonner Ökonomin soll der EZB auch mit ihrem Kommunikationstalent helfen

Isabel Schnabel - gefragte Kommunikatorin

Der Beziehungsstatus zwischen den Deutschen und der EZB ist kompliziert. In Sachen Zinsen fast zerrüttet. Kitten muss das nun eine Top-Ökonomin aus Bonn: Isabel Schnabel (48) rückt 2020 ins EZB-Direktorium ein.

EZB-Chefin Christine Lagarde will den Kurs der Euro-Hüter künftig besser erklären. Doch der Französin misstrauen hierzulande viele. Vorgänger Mario Draghi verabschiedeten deutsche Medien als den "Zinsen-Killer" oder gar "Graf Draghila" ("Bild"). Auch in der Finanzszene und der Wissenschaft waren die deutschen Euro-Debatten zuletzt vergiftet. "Anti-EZB-Hysterie" im Land sieht Marcel Fratzscher, der Präsident des Berliner DIW.

Schnabel trauen viele Kollegen zu, einen neuen Aufbruch zu schaffen. Nicht nur fachlich, sondern auch als Kommunikatorin erscheint die lebhafte Frau mit der Wuschelmähne fast als eine Idealbesetzung. Sie scheut keine Debatte, argumentiert unideologisch und vorsichtig, kann aber auch zuspitzen. In der Wissenschaft ist die Finanzmarktspezialistin international vernetzt und angesehen. Besonders mit historischen Krisen kennt sie sich aus. Seit 2014 gehört sie zu den "Fünf Weisen" des Sachverständigenrats, hat also auch Erfahrung mit der Politik.

Ihre drei Vorgänger auf dem deutschen EZB-Ticket waren jeweils Top-Beamte aus dem Dreieck von Finanzministerium, Bundesbank und Finanzaufsicht. Alle warfen vorzeitig hin, Jürgen Stark 2011 mit offener Kritik am neuen Kurs. Schnabel rückt jetzt nach für Sabine Lautenschläger, 55, die überraschend nach den letzten Beschlüssen unter Draghi zurücktrat.

Auch Schnabel hat oft vor Risiken gewarnt. Sie fürchtet, dass die EZB zum "Gefangenen der eigenen Politik" wird: Je länger der superexpansive Kurs fortdauere, desto riskanter werde es, ihn zu beenden. Schnabel ist aber überzeugt, dass gerade Deutschland von der Währungsunion profitiert habe. Und sie ist offen für weitere Integration, unterstützt die Pläne für eine gemeinsame europäische Einlagensicherung. Über europäische Staatsanleihen müsse man diskutieren. Im jüngsten Gutachten des Sachverständigenrats hat sie sich zwar beim Thema Geldpolitik explizit enthalten. Dafür aber mit dem Kollegen Achim Truger ein Minderheitsvotum zur Lockerung der Schuldenbremse verfasst.

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