Mittwoch, 26. Juni 2019

Golf von Oman - widersprüchliche Angaben Ölpreis steigt nach Angriffen auf Tanker weiter

Golf von Oman: Angriff auf Tanker
AFP

Die Ölpreise haben am Freitag erneut zugelegt und damit an den starken Anstieg vom Vortag angeknüpft. Allerdings ging es am Morgen nur noch leicht nach oben. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete zuletzt 61,68 US-Dollar. Das waren 37 Cent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Barrel der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 18 Cent auf 52,46 Dollar.

Am Vortag hatten der mutmaßliche Angriff auf zwei Öltanker im Golf von Oman und damit nahe der ölreichen Region am Persischen Golf den Preissprung am Ölmarkt ausgelöst.

Ein Video soll zeigen, wie iranisches Militär nicht explodierte Haftbomben von einem der Tanker entfernen

US-Außenminister Mike Pompeo beschuldigte noch am Donnerstag den Iran, hinter den jüngsten Attacken auf Tankschiffe zu stecken. Ein Video soll zeigen, wie iranisches Militär nicht explodierte Haftbomben von einem der Tanker entfernen. So habe die USA den Zerstörer "USS Mason" in das Gebiet geschickt. Das Schiff sei auf den Weg dorthin, wo die beiden Tanker angegriffen worden seien, teilte das US-Militär mit. Der Zerstörer "USS Bainbridge" stehe in engem Kontakt mit einem der beschädigten Tanker, der "Kokuka Courageous".

Ein iranisches Militärschiff versucht den Brand auf dem Öltanker unter Kontrolle zu bekommen.
Tasnim News Agency/ REUTERS
Ein iranisches Militärschiff versucht den Brand auf dem Öltanker unter Kontrolle zu bekommen.

Die Regierung in Teheran wies den Vorwurf an einer Beteiligung zurück und sprach von "lächerlichen Behauptungen". Der Iran sehe es als seine Aufgabe an, die Sicherheit in der für die Schifffahrt wichtige Straße von Hormus zu gewährleisten. Dass sein Land beschuldigt werde, für Angriffe auf Öltanker im Golf von Oman verantwortlich zu sein, sei alarmierend, sagte der Sprecher des Außenministeriums in Teheran, Abbas Mussawi, am Freitag dem staatlichen Hörfunk zufolge. "Es ist unsere Aufgabe, für Sicherheit in der Straße zu sorgen, und wir haben die Besatzung der angegriffenen Tanker so schnell wie möglich gerettet." Die Vorwürfe des US-Außenministers Mike Pompeo seien alarmierend.


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Das iranische Staatsfernsehen zeigte indes Bilder von den geretteten Besatzungsmitgiliedern. "Alles ist okay", sagte ein Mann in dem am Freitag vom englischsprachigen Sender Press TV veröffentlichen Video, der sich als Russe und erster Offizier des norwegischen Tankers "Front Altair" vorstellte. Er dankte dem Iran für seine "Gastfreundschaft". In dem Video sind insgesamt 23 Besatzungsmitglieder zu sehen, wie sie in einem Raum Fernsehen schauen. Laut Press TV handelt es sich um elf Russen, elf Philippiner und einen Georgier.

Crew-Mitglieder der "Kokuka Courageous" werden auf dem US-Militärschiff USS Bainbridge medizinisch versorgt

Die iranische Nachrichtenagentur Irna hatte am Donnerstag gemeldet, die iranische Marine habe nach den Angriffen auf die "Front Altair" und die "Kokuka Courageous" 44 Seeleute gerettet und in den iranischen Hafen Bandar-e Dschask gebracht. Die US-Marine erklärte dagegen, dass die 21 Crew-Mitglieder der "Kokuka Courageous" von einem niederländischen Schlepper aufgegriffen und anschließend auf einen US-Zerstörer gebracht worden seien.

Feuer auf Front Altair gelöscht

Am Freitag berichtete die norwegische Reederei Frontline, dass das Feuer auf dem Schiff "Front Altair" gelöscht sei. Das Schiff liege stabil und es sei bislang keine Verschmutzung des Wassers festgestellt worden. Im Laufe des Tages werde ein Bergungsschlepper erwartet. Den 23 Besatzungsmitgliedern gehe es gut.

Der Golf von Oman ist über die Straße von Hormus mit dem Persischen Golf verbunden. Die Straße von Hormus ist einer der wichtigsten Wasserwege weltweit, der vor allem für Öltransporte aus der Golfregion eine zentrale Rolle spielt. Fast ein Fünftel der Öl-Transporte weltweit gehen durch die Straße von Hormus. Der Iran hatte wiederholt damit gedroht, diese Passage zu sperren, sollte er sein Erdöl wegen US-Sanktionen nicht verkaufen können.

US-Militär händigt Bilder von den vermeintlichen Einschusslöchern aus.

Der Angriff am Donnerstag ist nicht der erste Vorfall in dem Gebiet. Am 12. Mai meldeten die Vereinigten Arabischen Emirate beispielsweise "Sabotageakte" gegen vier Schiffe vor ihrer Küste. US-Sicherheitsberater John Bolton machte am 29. Mai den Iran für die Angriffe verantwortlich. Bei einem Drohnenangriff wurden am 14. Mai zwei Pumpstationen einer Ölpipeline in Saudi-Arabien beschädigt. Die jemenitischen Huthi-Rebellen bekannten sich zu dem Angriff.

In den vergangenen MonaUS-ten haben die Spannungen zwischen den USA und dem Iran zugenommen, was Sorgen vor einem militärischen Konflikt aufkommen ließ. Zwar haben US-Außenminister Mike Pompeo und Irans geistliches Oberhaupt Ayatollah Ali Chamenei gesagt, sie wollten am Golf keinen Krieg. Dennoch hat die Diplomatie einen schwierigen Stand. Chamenei sagte am 13. Juni, er betrachte Trump "nicht als Person, die es verdient, mit ihr Botschaften auszutauschen". Der US-Präsident twitterte hingegen am 19. Mai: "Wenn der Iran kämpfen will, wird dies das offizielle Ende des Iran sein. Bedroht nie wieder die USA!"

Am 24. Mai kündigten die USA die Entsendung von zusätzlich 1500 Soldaten in die Golfregion an. Irans Außenminister Mohammed Dschawad Sarif sah darin eine "Gefahr" für den internationalen Frieden.

Bundesregierung verurteilt Angriffe

Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu warnte derweil nach einem mutmaßlichen Angriff auf die beiden Öltanker im Golf von Oman vor übereilten Reaktionen. Die Vorfälle am Donnerstag seien wirklich sehr besorgniserregend, aber man dürfe nicht hastig reagieren, sagte er am Freitagvormittag in einem von CNN Türk übertragenen Interview mit der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu. "Das muss ernsthaft untersucht werden."

Auch die Bundesregierung verurteilte die Angriffe auf die zwei Öltanker im Golf auf das Schärfste. Jede Entwicklung, die die Lage noch zuspitze, gelte es zu vermeiden, sagte die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer am Freitag. Über die Urheberschaft habe Berlin "keine eigenen Erkenntnisse". Es sei jetzt wichtig, die "Hintergründe der Vorfälle weiter eingehend zu untersuchen". Nötig sei jetzt Aufklärung, Deutschland stehe dazu mit all seinen Partnern im Kontakt. Demmer sprach von "außerordentlich besorgniserregenden Nachrichten". Es dürfe jetzt "auf keinen Fall eine Eskalationsspirale" geben.

dpa/rtr/afp/akn

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