Internationale Energieagentur "EU kann Gasimporte aus Russland schnell verringern"

Derzeit importiert die Europäische Union rund 40 Prozent ihrer Gaslieferungen aus Russland. Nach Auffassung der Internationalen Energieagentur könnte diese Abhängigkeit schon innerhalb eines Jahres deutlich reduziert werden.
Größter Gasproduzent der Welt: Einen Großteil ihrer Gasimporte bezieht die EU von dem russischen Staatskonzern Gazprom

Größter Gasproduzent der Welt: Einen Großteil ihrer Gasimporte bezieht die EU von dem russischen Staatskonzern Gazprom

Foto: Sergei Ilnitsky / dpa / EPA

Europa kann der Internationalen Energieagentur (IEA) zufolge seine Importe von russischem Gas innerhalb eines Jahres um mehr als ein Drittel reduzieren. Die IEA kündigte dazu am Donnerstag einen Zehn-Punkte-Plan an, um die Abhängigkeit der Europäischen Union (EU) von Gas aus Russland zu verringern.

"Niemand gibt sich mehr Illusionen hin. Dass Russland seine Erdgasressourcen als wirtschaftliche und politische Waffe einsetzt, zeigt, dass Europa schnell handeln muss, um für den nächsten Winter auf erhebliche Unsicherheiten bei den russischen Gaslieferungen vorbereitet zu sein", erklärt IEA-Chef Fatih Birol (63). Die in Paris ansässige IEA koordiniert die Energiepolitik der Industrieländer. Zwar würden die EU-Klimaanstrengungen die Importe mit der Zeit senken, doch die aktuelle Krise werfe die Frage auf, was zusätzlich getan werden könne, um die Importe in naher Zukunft runterzuschrauben.

Konkret schlug die IEA vor, auf alternative Gasquellen umzustellen, Verpflichtungen für ein Mindestmaß an Gasspeicherung einzuführen sowie die Bereitstellung neuer Wind- und Solarprojekte voranzutreiben. Zudem soll die Energieeffizienz in Gebäuden und der Industrie beschleunigt sowie die Energiegewinnung aus Quellen mit niedrigen Emissionen wie Biomasse und Atomkraft maximiert werden. In der kommenden Woche wolle die Kommission einen Vorschlag vorlegen, um baldmöglichst von russischem Gas unabhängig zu werden.

Der IEA zufolge importierte die Staatengemeinschaft im vergangenen Jahr 155 Milliarden Kubikmeter Erdgas aus Russland. Dies entspricht etwa 45 Prozent der Gasimporte in die EU und knapp 40 Prozent des Gasverbrauchs. Zwar sind die Lieferungen trotz der Sanktionen und Spannungen nach der russischen Invasion in die Ukraine noch stabil geblieben. Die Preise sind aber wegen der Furcht vor Lieferausfällen auf Rekordhöhe geschossen. Es wird befürchtet, dass Russland seine Lieferungen drosseln könnte oder EU-Sanktionen auf die russischen Energieexporte abzielen könnten.

Auch Deutschland will sich unabhängiger von russischen Lieferungen machen und stockt deswegen unter Hochdruck seine Gasreserven auf. Dazu hat der Bund kurzfristig 1,5 Milliarden Euro zum Gaskauf zur Verfügung gestellt, wie die Bundesregierung bestätigte.

mg/Reuters, dpa-afx