Dienstag, 23. April 2019

Endlich verständlich G20 in Hamburg - alle Fakten über den Klub der Mächtigen

5. Teil: Es gibt ja noch die G7, eine Gruppe namens G33 und sogar G77: Wie behält man da den Überblick?

Der deutsche Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger hat angesichts der wachsenden Zahl von G-Gruppen spöttisch von einem "Hochgebirgspanorama von Gipfeln" gesprochen. Selbst hochrangige Vertreter der Teilnehmerländer verlieren da gelegentlich den Überblick. So wie der damalige Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU), der flugs aus der "Gruppe der 20" die G25 machte.

Oft sind die Interessen innerhalb der G77 aber zu unterschiedlich, um Beschlüsse zu fassen. Von sich reden machte die Gruppe zuletzt vor allem bei den internationalen Klimaverhandlungen, bei denen sie sich für Ausgleichszahlungen für die ärmeren und vom Klimawandel am meisten betroffenen Staaten starkmachte.

  • Die G7 wurde fast ein Vierteljahrhundert vor der G20 gegründet: 1975 kamen im französischen Rambouillet die USA, Japan, Deutschland, Frankreich, Italien und Großbritannien zusammen. Sie nannten sich damals noch G6. Kurz darauf stieß Kanada als siebtes Mitglied hinzu. Wieder spielten gemeinsame Wirtschaftsinteressen eine Rolle: Die Industrieländer hatten 1973/74 unter dem ersten Ölpreisschock gelitten.
  • 1998 wurde aus der G7 die G8, die Gruppe wurde um Russland erweitert. 2014 wurde Moskau nach der völkerrechtswidrigen Annexion der Krim wieder ausgeschlossen. Die G7 ist eine Art Mutter der G20: Alle G7-Staaten sind auch Mitglied der G20, die Zusammenarbeit im kleineren Kreis ist aber traditionell enger.
  • Bei der G33 handelt es sich um eine Gruppe von Schwellenländern. Diese schlossen sich 2006 unter der Führung von China und Indien zusammen, um ihre Interessen bei Verhandlungen in der Welthandelsorganisation WTO zu koordinieren und insbesondere ihre heimischen Agrarmärkte zu schützen. Ende der Neunzigerjahre gab es auch kurzzeitig mal eine G33 von Industrie- und Schwellenländern. Sie war ein Vorläufer der G20.
  • Die G77 wiederum ist ein loser Zusammenschluss von Schwellenländern vor allem aus Lateinamerika, Afrika, Asien und dem Pazifik - mit dem Ziel, die Interessen dieser Nationen in internationalen Verhandlungen zu bündeln und Verhandlungsmacht aufzubauen. Sie wurden 1964 von 77 Staaten gegründet; mittlerweile gehören dieser Gruppe mehr als 130 Staaten an.

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