Mittwoch, 24. April 2019

Endlich verständlich G20 in Hamburg - alle Fakten über den Klub der Mächtigen

4. Teil: Wie ist die G20 entstanden?

Der Klub hat zwei Geburtsstunden. Die erste schlug 1999, die zweite 2008. Beide Daten stehen in engem Zusammenhang zu schweren Wirtschaftskrisen. Vertreter der G20 kamen im Dezember 1999 zum ersten Mal in Berlin zusammen. Das Treffen ging zurück auf eine Initiative des kanadischen und des amerikanischen Finanzministers, im Verbund mit den Deutschen.

Das neue Dialogforum war eine Reaktion der sieben führenden Industrienationen (G7) auf die Finanzkrise Ende der Neunzigerjahre in Asien. Diese hatte heftige Verwerfungen an den internationalen Finanzmärkten ausgelöst - und gezeigt, dass längst nicht mehr nur die Ereignisse in den G7-Staaten über das Auf und Ab der Weltwirtschaft bestimmen.

Die Kanadier und Amerikaner machten sich dafür stark, die wichtigsten Schwellenländer wie China, Indien oder Brasilien einzubinden. Anfangs trafen sich allerdings ausschließlich die Finanzminister und Notenbankchefs der 19 Mitgliedstaaten sowie der EU.

Das änderte sich ein Jahrzehnt nach der Gründung der G20 mit dem Ausbruch der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise. Die Weltwirtschaft stand vor dem Abgrund. Im Herbst 2008 kamen zum ersten Mal auch die Staats- und Regierungschefs zusammen. Seitdem tagen die G20-Staaten in diesem Format.

G20-Krisen-Sitzung 2009 in London

Das Ziel war damals, mit vereinten Kräften die Schwächen des Weltfinanzsystems zu beseitigen, die Folgen der Krise für die Realwirtschaft abzumildern - und zu verhindern, dass die Länder ihre Märkte untereinander abschotten. Beim darauffolgenden Treffen in London 2009 einigten sich die G20-Mitglieder unter anderem darauf, im Kampf gegen Steuerhinterziehung nicht kooperierende Staaten auf schwarze Listen zu setzen. Seit 2009 ist die G20 auch das zentrale informelle Forum für die internationale wirtschaftliche Zusammenarbeit.

In den vergangenen Jahren hat die G20 ihre Agenda ausgeweitet. Nun tauschen sich die Staats- und Regierungschefs auch verstärkt über globale Themen jenseits des Finanzsektors aus: von Klimawandel und Energiepolitik über Welthandel und Koordination der Arbeitsmarktpolitik bis hin zu Ernährungssicherheit oder Entwicklungszusammenarbeit. Die G20 vereint etwa zwei Drittel der Weltbevölkerung, drei Viertel des globalen Handels und mehr als vier Fünftel der Wirtschaftsleistung.

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