Freitag, 19. April 2019

Endlich verständlich G20 in Hamburg - alle Fakten über den Klub der Mächtigen

3. Teil: Welche Kriterien gelten für die Mitgliedschaft?

Genau genommen: keine. "Gruppe der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer" - das klingt viel eindeutiger, als es ist. Der Kreis der Mitglieder ist seit der Gründung der G20 1999 festgelegt. Verschiebungen der Wirtschaftsleistung haben keinen Einfluss auf die Mitgliedschaft.

Auch sind heute gar nicht ausschließlich die wirtschaftlich stärksten Länder vertreten: 2016 hatten die Nichtmitglieder Spanien, die Niederlande und die Schweiz ein höheres Bruttoinlandsprodukt als die Mitglieder Saudi-Arabien, Argentinien und Südafrika.

Wie wichtig die einzelnen G20-Länder für die Weltwirtschaft sind, sehen Sie in der Grafik. Sie können dabei die einzelnen Länder per Klick auswählen.

Dieser Mitgliederkreis wurde schon bei der Gründung der G20 im Jahr 1999 so festgelegt. Laut dem Politologen John Kirton von der G20-Forschergruppe der Universität Toronto einigten sich der damalige US-Finanzminister Lawrence Summers und sein kanadischer Kollege Paul Martin auf eine Länderliste und legten damit fest, wer reindurfte in den Klub - und wer nicht.

Versuche, weitere Mitglieder aufzunehmen, werden von vielen Ländern kritisch gesehen, weil damit entweder der Westen oder die Schwellenländer mehr Gewicht bekommen würden. Als bei einem Treffen in Washington ein Vertreter Spaniens am Tisch auftauchte, empörte sich etwa Manmohan Singh, damals Ministerpräsident Indiens: "Was hat eigentlich Spanien hier zu suchen?"

Caio Koch-Weser, damals deutscher Finanzstaatssekretär und an der Gründung der G20 beteiligt, war sich dieser Spannungen durchaus bewusst. Das Forum lebe davon "dass die, die drin sind, den Klub lieben, und die, die draußen sind, ihn hassen", hat er einmal gesagt.

Finanzstaatssekretär Caio Koch-Weser, Finanzminister Hans Eichel

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