Montag, 22. April 2019

Große Politik und große Randale in Hamburg Was nach dem G20-Gipfel anders ist als vorher

G20-Protest in Hamburg
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G20-Protest in Hamburg

In Hamburg wird aufgeräumt, die große Politik zieht weiter. Was hat der G20-Gipfel denn nun verändert? Für Kanzlerin Merkel, für Trump, Putin und Erdogan, für den Bürgermeister der Stadt und seinen Polizeichef und - für die Welt? Kolleg(inn)en von "Spiegel Online" geben Antworten.

Was hat der G20-Gipfel gebracht für…

... den Klimaschutz?
Von Christoph Seidler

Greenpeace-Aktivisten fordern das Ende der klimaschädlichen Kohle
DPA/ Greenpeace Germany
Greenpeace-Aktivisten fordern das Ende der klimaschädlichen Kohle

Niemand kann im Ernst geglaubt haben, dass sich Donald Trump ausgerechnet an der Elbe umstimmen lässt. Dass der US-Präsident auf einmal doch den Klimavertrag von Paris unterstützt, das stand nie zur Debatte. Insofern ist das Ergebnis, das Kanzlerin Angela Merkel verkünden konnte, durchaus passabel: 19 Staaten sichern zu, das Klimaschutzabkommen umzusetzen.

Gleichzeitig nehmen die anderen wichtigsten Industrie- und Schwellenländer der Welt "zur Kenntnis", dass die USA diese Umsetzung einseitig aufgekündigt haben. Die G19, wenn man sie so nennen will, bezeichnet die Klimavereinbarung als "unumkehrbar" und verspricht, diese rasch umzusetzen.

Der Gipfel hat einen detaillierten Klima- und Energieaktionsplan auf den Weg gebracht. Er fordert langfristige Klimaschutzstrategien der Staaten ein, richtet etwa Entwicklungshilfe und Infrastrukturinvestitionen am Klimaschutz aus. Das ist neu für die G20. Und es ist alles andere als selbstverständlich - zumal in einem gemeinsamen Teil des Gipfeldokuments sogar betont wird, dass alle 20 Staaten die Reduzierung der Treibhausgase zum Ziel haben.

Nach dem US-Rückzug hätten durchaus auch andere Staaten ihren Kurs beim Klimaschutz ändern können. Allen voran Russland und Saudi-Arabien standen bei Umweltschützern unter strenger Beobachtung. Doch passiert ist das nicht. Lediglich der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan erklärte nach Gipfelende, sein Land werde das Abkommen von Paris nicht umsetzen. Doch so dramatisch wie sie klingt, ist diese Ankündigung wohl nicht. Tatsächlich hat das türkische Parlament die Ratifizierung des Vertrags schon vor Wochen gestoppt.

Was ist für die Rettung des Weltklimas nun nach dem G20-Gipfel anders als vor dem Start des Treffens? So gut wie nichts. Die bisherigen Zusagen der Staaten zur Verringerung ihrer Treibhausgasemissionen reichen nicht aus, um die dramatischsten Folgen des Klimawandels zu begrenzen. Stichwort Zwei-Grad-Ziel. Hamburg hat allerdings die Gewissheit gebracht, dass die Menschheit nicht noch weiter vom Kurs abkommt, als sie es bisher ist.

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