Kritik an WM Katar wirft Deutschland "Doppelmoral" vor

Geht es um Flüssigerdgasimporte, hat Deutschland keine Berührungsängste mit Katar. Zugleich kritisiert Berlin den Verstoß gegen Arbeitnehmerrechte in dem Wüstenstaat. Katars Außenminister sieht darin eine "Doppelmoral".
Arbeiter in Katar: Viele ausländische Arbeitskräfte – unter anderem aus Nepal – sollen beim Aufbau der Sportstätten und der Infrastruktur für die Fußball-WM in dem Wüstenstaat ums Leben gekommen sein

Arbeiter in Katar: Viele ausländische Arbeitskräfte – unter anderem aus Nepal – sollen beim Aufbau der Sportstätten und der Infrastruktur für die Fußball-WM in dem Wüstenstaat ums Leben gekommen sein

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MARWAN NAAMANI/ AFP

Die katarische Regierung hat sich verärgert über Kritik aus der Bundesregierung gezeigt. Zwei Wochen vor Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft kritisierte Außenminister Mohammed bin Abdulrahman Al Thani (42) gegenüber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung"  (FAZ) "Doppelmoral" in Berlin. Auf der einen Seite werde "die deutsche Bevölkerung durch Regierungspolitiker falsch informiert". Auf der anderen Seite habe die Regierung kein Problem mit Katar, wenn es um Energiepartnerschaften gehe oder um die Rettung deutscher Staatsbürger aus Afghanistan.

"Wenn wir eine Fußball-Weltmeisterschaft ausrichten, diesen Moment genießen und zusammen mit der deutschen Mannschaft feiern wollen, dann gelten auf einmal andere Maßstäbe", sagte der katarische Außenminister.

Der Unmut in Doha hatte sich an Äußerungen von Innenministerin Nancy Faeser (52) entzündet, die unter anderem Sicherheitsgarantien für die LGBT-Community verlangt hatte. Die englische Abkürzung LGBTQ steht für lesbisch, schwul, bisexuell, transgender und queer. In Katar ist Homosexualität strafbar.

"Bei allem Respekt, diese Sicherheitsgarantien waren überhaupt nicht notwendig", sagte Al Thani. "Wir haben immer wieder von höchster Stelle wiederholt, dass jeder willkommen ist und niemand diskriminiert wird." Die Sicherheitskräfte hätten "die klare Anweisung, nur dann einzuschreiten, sollte die Sicherheit eines Fans gefährdet werden, weil es zu Gewalt kommt".

"Es ist bedauerlich, wenn Politiker versuchen, sich nach innen auf unsere Kosten zu profilieren"

Mohammed bin Abdulrahman Al Thani, Außenminister von Katar

Es sei "bedauerlich, wenn Politiker versuchen, sich nach innen auf unsere Kosten zu profilieren und Punkte zu machen", sagte Katars Außenminister weiter in dem Interview. Katar habe konstruktiver Kritik immer offen gegenübergestanden. "Aber wenn aus einer Regierung, die angeblich mit uns zusammenarbeitet, und die über alle Entwicklungen und Reformen Bescheid weiß, Äußerungen kommen, die auf Fehlinformationen beruhen und ein falsches Bild erzeugen, dann können wir das nicht hinnehmen".

Katar will an verbesserten Arbeitsbedingungen auch nach WM festhalten

Ab dem 20. November findet in dem Golf-Staat die Weltmeisterschaft statt. Die WM steht schon länger auch wegen Menschenrechtsvorwürfen und wegen des Umgangs mit Arbeiterinnen und Arbeitern aus anderen Ländern in der Kritik. Beim Bau der Stadien sollen zahlreiche Arbeiter gestorben sein. Kanzler Olaf Scholz (64) hatte bei seinem Besuch in Katar von Fortschritten bei der Behandlung der Beschäftigten gesprochen, auch wenn die Zustände in Katar nicht den deutschen entsprächen.

Al Thani beteuerte in dem Interview, dass Katar eine Reihe von Reformen in Gang gesetzt habe, das gelte auch für das Arbeitsrecht. Katars Regierung verpflichte sich, die Verbesserungen für ausländische Arbeitskräfte auch umzusetzen. "Wir verfolgen hier eine Nulltoleranzpolitik, diese Standards und Gesetze gelten für alle Unternehmen, die hier tätig sind. Es wird einige Lücken geben, und wir werden daran arbeiten, sie zu schließen. Das ist ein fortlaufender Prozess, der nie aufhört - und der auch nach der WM nicht aufhören wird", versicherte der Außenminister in dem Interview .

rei/Reuters
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