Arbeiterrechte in Katar Wie es auf den WM-Baustellen in Katar wirklich zugeht

Der deutsche Gewerkschafter Dietmar Schäfers ist einer der besten Kenner, was die Lage auf den WM-Baustellen angeht. Er lobt die Besserungen und sagt, was er jetzt von Sponsoren, Unternehmen, Fußballfunktionären und den Scheichs erwartet.
Das Interview führte Lutz Reiche
Sengende Hitze: Körperlich schwere Arbeiten bei 40 bis 50 Grad – für Hunderttausende Wanderarbeiter war und ist das der Alltag in Katar. Tausende Arbeiter sollen zwischen 2010 und 2020 bei Unfällen gestorben sein. Die Zahlen sind umstritten. Und inzwischen hat sich vieles zum Positiven gewandelt.

Sengende Hitze: Körperlich schwere Arbeiten bei 40 bis 50 Grad – für Hunderttausende Wanderarbeiter war und ist das der Alltag in Katar. Tausende Arbeiter sollen zwischen 2010 und 2020 bei Unfällen gestorben sein. Die Zahlen sind umstritten. Und inzwischen hat sich vieles zum Positiven gewandelt.

Foto: imago stock&people

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Als er ans Telefon geht, ist Dietmar Schäfers (67) gerade wieder in Katar. Im Hintergrund Stimmengewirr von Wanderarbeitern, für deren Rechte der Gewerkschafter sich seit Jahren einsetzt. Es ist seine dritte Reise in das WM-Land in diesem Jahr, in dem etwa 900.000 Wanderarbeiter allein im Baugewerbe tätig sind. Zumindest auf den WM-Baustellen habe sich vieles für die Arbeiter verbessert, sagt der Vizedirektor der internationalen Baugewerkschaft und langjährige Vorstand der deutschen IG Bau. Er plädiert für eine differenziertere Betrachtung als sie oft in Deutschland zu erkennen ist. Wenige Tage später nimmt er sich Zeit für ein ausführliches Interview via Teams: Mit tiefer Stimme und pausenlos eine glimmende Zigarette in der Hand macht er klare Ansagen an Unternehmen und Politik. Doch der Mann kann auch Diplomatie und sagt, was er über die WM hinaus für die Arbeiter in dem autokratischen Staat erreichen will.

manager magazin: Herr Schäfers, als international tätiger Gewerkschafter besuchten Sie 2013 den WM-Gastgeber Katar das erste Mal, sprachen mit Blick auf Lebens- und Arbeitsbedingungen der Arbeiter dort von "moderner Sklaverei". Sie riefen zum Boykott der WM auf. Jetzt nicht mehr. Warum?

Dietmar Schäfers: 2013 fanden wir in der Tat eine prekäre Situation vor: Bis zu 12 Arbeiter in einem kleinen Raum eingepfercht, schlechte Essensversorgung, schlechte hygienische Verhältnisse, quasi kein Arbeits- und Gesundheitsschutz. Wir haben das damals öffentlich kommuniziert, unsere Kampagne hieß "Red Card for FIFA – No World Cup without Workers rights". Das gefiel der Regierung in Doha gar nicht. Das Arbeitsministerium sowie das Supreme Committee (SC), das für sämtliche Bau- und Infrastrukturprojekte der WM verantwortlich ist, lud uns kurzerhand aus.

Der Gewerkschafter

Dietmar Schäfers ist Gewerkschafter durch und durch. Mit 25 kam der gelernte Bauzeichner damals zur IG Bau-Steine-Erden, Vorläufer der heutigen IG Bau. Von 2002 bis Anfang 2020 war Schäfers Mitglied des Bundesvorstandes IG Bau, zuletzt ihr stellvertretender Bundesvorsitzender. Seit 2009 ist er Vizepräsident der globalen Gewerkschaftsförderation Bau- und Holzarbeiter Internationale (BHI) mit Sitz in Genf , wo er die Bereiche Mega Sport Events, Arbeit- und Gesundheitsschutz und Menschenrechte verantwortet. Für die BHI ist er weltweit unterwegs (seit diesem Mittwoch in Australien, dann auf Fidschi). Der Gewerkschaftsmanager arbeitet ehrenamtlich für die Organisation ("eine Rente reicht") – und das im Schnitt knapp 40 Stunden die Woche. Der Vater zweier Töchter lebt in Gelsenkirchen. "Da ist man natürlich Mitglied des FC Schalke 04."

Was hat Ihre Meinung geändert?

Wir suchten weiter das Gespräch mit dem SC. 2016 trafen wir dann eine Vereinbarung, die es uns als Gewerkschaftsorganisation erlaubte, auch offiziell das Land zu bereisen, in der Folge WM-Baustellen zu inspizieren und den Kontakt zu Wanderarbeitern aufzunehmen. Wir haben gelernt, dass wir mit Kooperation und Diplomatie in dem autokratisch geführten Staat mehr erreichen können. Und es hat sich auf den WM-Baustellen vieles zum Positiven verändert.

In Berichten kursieren schlimme Zahlen zu Unfällen und Todesfällen auf den WM-Baustellen in Katar. Laut "Guardian" soll es zwischen 2010 und 2020 mindestens 6000 Todesfälle  gegeben haben. Die Zahlen sind nicht unumstritten, wie schätzen Sie das ein?

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