Dienstag, 12. November 2019

Steilvorlage für chinesischen Fußball Wie Deutschland China zum Champion macht

Volker Heun
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    Volker Heun
    Volker Heun arbeitete lange für die Deutsche Bank in USA und berät heute internationale Investoren. Zudem ist er auch Dozent an der Hochschule International School of Management in Frankfurt am Main.

Chinas Staatspräsident Xi Jingping ist der größte Fußballfan des Landes und sein erklärtes Ziel ist es, möglichst schnell eine Weltmeisterschaft ausrichten - und natürlich auch Weltmeister werden.

Zwar dürfte es bis dahin noch ein weiter Weg sein: China rangiert in der Weltrangliste aktuell auf Platz 77, hinter Sierra Leone, Uganda und Armenien. Zudem belegt das Team bei der WM-Qualifikation 2018 in Gruppe A den letzten Platz und wird somit in Russland nicht dabei sein.

Wer die fokussierten Chinesen aber kennt, weiß, dass sie die hohen Ziele von Staatspräsident Xi Jingping eines Tages erreichen werden. Dafür benötigt China Entwicklungshilfe in Sachen Fußball und die bekommt es - und zwar in Form von Know-how aus dem Weltmeisterland Deutschland. Schließlich sind die Deutschen derzeit die führende Nation im Bereich der Nachwuchsarbeit, erst vor wenigen Wochen wurde die U21-Nationalmannschaft in Polen Europameister.

Bereits im November 2016 beschlossen die Regierungen beider Länder eine enge Zusammenarbeit im Bereich Fußball. Der Sport fungiert dabei auch als Form der Diplomatie zwischen Berlin und Peking. Nicht nur wirtschaftlich rücken beide Nationen näher zusammen, sondern auch bei der weltweiten Sportart Nummer 1.

Aktuell gibt es im chinesischen Riesenreich lediglich etwa 10.000 aktive Fußballer - und das bei einer Bevölkerung von rund 1,3 Milliarden Menschen. Es gibt keine Ligen für jugendliche Fußballer und kaum Fußballplätze oder vergleichbare Sportstätten. Chinesische Sportler sind in der Regel herausragende Einzelsportler etwa in Disziplinen wie Turnen oder Tischtennis, in Teamsportarten gibt es dagegen große Defizite. Und Fußball ist Teamsport.

Das dafür nötige Know-how wird jetzt systematisch aufgebaut: Mit Felix Magath (Shandong Luneng) und dem ehemaligen Trainer von Bayer Leverkusen, Roger Schmidt, (Beijing Guoan) sind bereits zwei deutsche Toptrainer nach China gewechselt. Zudem ist der ehemalige Hoffenheim-Coach Marco Pezzaiuoli nun Jugendtrainer beim chinesischen Rekordmeister Guangzhou Evergrande. Dieser Klub verfügt schon jetzt über die größte Nachwuchsakademie der Welt mit 50 Fußballplätzen, dort werden in Zukunft bis zu 10.000 chinesische Nachwuchsfußballer ausgebildet.

Was den chinesischen Spielern außerdem fehlt, ist Spielpraxis unter Wettbewerbsbedingungen. Diese in China zu bekommen, ist aktuell sehr schwer, da es kaum Ligen gibt. Daher hat der chinesische Fußballverband mit dem DFB vereinbart, dass die chinesische U20-Nationalmannschaft in der deutschen Regionalliga Südwest starten darf - und sich dort mit deutschen Mannschaften messen kann. Ein cleverer Plan für beide Seiten: So erhalten die deutschen Regionalligisten offenbar jeweils Euro 15.000 für die zwei Spiele, für die chinesischen Spieler ist das Mitspielen in der vierten Liga eine optimale Vorbereitung auf die Olympischen Spiele 2020.

China wird in den nächsten Jahren sehr viel Geld in die Hand nehmen, um auch die Fußball-Infrastruktur zu stärken. Hier gibt es eine Menge zu tun. Zunächst waren 20.000 Fußballschulen für Nachwuchsspieler bis 2020 geplant, nun wurde dieses Vorhaben noch einmal deutlich auf 50.000 Sportschulen bis 2025 ausgeweitet. Dies erklärte der chinesische Verbands-Vizepräsident Wang Dengfeng. Zudem ist Fußball in China Schulfach: Bereits 2015 wurde die Sportart an Chinas Grund- und Mittelschulen in die Lehrpläne integriert.

Auch deutsche Unternehmen unterstützen Chinas Bestreben, eine Fußball-Supermacht zu werden. Das Hamburger Architektur Büro GMP hat bereits mehrere Stadien in China gebaut, etwa das Universiade Sports Center und das Bao'an-Stadion in Shenzhen. Zudem ist das Projektmanagement- und Beratungsunternehmen Drees & Sommer mit eigenen Büros in China aktiv und berät unter anderem im Bereich Nachhaltigkeit und hinsichtlich der Mehrfachnutzung von Sportstätten. So werden aus Stadien nachhaltige Event-Stadtquartiere, sogenannte Smart Cities 4.0. Dies generiert Mehreinnahmen für die Investoren und Klubs und bietet erhebliches Potential aus Sicht einer sozioökonomischen Stadtentwicklung.

Die deutsch-chinesische Zusammenarbeit im Bereich Fußball läuft schon heute auf vielen Ebenen. Und vieles spricht dafür, dass sie ein Erfolg für beide Seiten wird.

Der Autor Volker Heun ist als Geschäftsführer der Invest in Football GmbH aus Düsseldorf selbst am Aufbau einer deutsch-chinesische Fußballakademie für chinesische Nachwuchsfußballer in Deutschland und China beteiligt.

Volker Heun ist Mitglied der MeinungsMacher von manager-magazin.de. Trotzdem gibt diese Kolumne nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion des manager magazins wieder.

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