Prognose gesenkt Wirtschaftsforscher warnen vor schwerer Rezession

Die fünf führenden Wirtschaftsforschungsinstitute haben ihre Konjunkturprognose für dieses Jahr deutlich gesenkt. Zugleich warnen sie vor einer schweren Rezession und rasant steigenden Preisen, sollte abrupt kein russsiches Gas mehr fließen.
Rezession bei Gasimportstopp: Im Kern stützten Wirtschaftsforscher den Standpunkt der Bundesregierung, dass ein plötzlicher Lieferstopp russischen Gases die deutsche Wirtschaft zu schwer belasten würde

Rezession bei Gasimportstopp: Im Kern stützten Wirtschaftsforscher den Standpunkt der Bundesregierung, dass ein plötzlicher Lieferstopp russischen Gases die deutsche Wirtschaft zu schwer belasten würde

Foto: Marijan Murat / dpa

Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute warnen vor einer schweren Rezession  und der höchsten Inflation seit Bestehen der Bundesrepublik im Falle eines Stopps russischer Gaslieferungen. Das Bruttoinlandsprodukt dürfte in diesem Jahr bei normaler Versorgung um 2,7 Prozent zulegen, heißt es in der am Mittwoch veröffentlichten Frühjahrsprognose für die Bundesregierung. Im Herbstgutachten waren noch 4,8 Prozent veranschlagt worden.

"Die Erholung von der Corona-Krise wird infolge des Kriegs in der Ukraine gedämpft, behält aber die Oberhand", sagte der Vizepräsident und Konjunkturchef des Kiel Instituts für Weltwirtschaft (IfW), Stefan Kooths (53). "Für 2023 wurde die Vorhersage dagegen von 1,9 auf 3,1 Prozent angehoben.

"Bei einem Stopp der Gaslieferungen droht der deutschen Wirtschaft eine scharfe Rezession"

IfW-Vizepräsident, Stefan Kooths

Bei einem sofortigen Stopp russischer Gaslieferungen sieht das Konjunkturbild allerdings sehr viel düsterer aus. Dann dürfte die Wirtschaft in diesem Jahr nur um 1,9 Prozent zulegen, 2023 dann sogar um 2,2 Prozent schrumpfen. "Bei einem Stopp der Gaslieferungen droht der deutschen Wirtschaft eine scharfe Rezession", warnte Kooths. In beiden Jahren stünden dann insgesamt 220 Milliarden Euro an Wirtschaftsleistung im Feuer. "Wirtschaftspolitisch käme es dann darauf an, marktfähige Produktionsstrukturen zu stützen, ohne den Strukturwandel aufzuhalten", sagte Kooths.

Hilfen für private Haushalte zum Abfedern hoher Energiepreise sollte die Politik sehr zielgerichtet dosieren. "Werden solche Hilfen auf breiter Front ausgereicht, treibt das zusätzlich die Inflation und torpediert den wichtigen Lenkungseffekt höherer Energiepreise", warnte der Ökonom. Das verschärfe wiederum die Probleme einkommensschwacher Haushalte.

7,3 Prozent Inflation bei Gaslieferstopp möglich

Für die Verbraucher haben die Ökonomen vorerst keine guten Nachrichten parat. Demnach werden die Preise in diesem Jahr mit durchschnittlich 6,1 Prozent so stark anziehen wie seit 40 Jahren nicht mehr. "Im Falle eines Lieferstopps für russische Energie würden sogar 7,3 Prozent erreicht, der höchste Wert seit Bestehen der Bundesrepublik", so die Prognose. Auch im kommenden Jahr dürfte die Rate mit 2,8 - oder 5,0 Prozent im Falle eines Lieferstopps - deutlich über dem Durchschnitt seit der Wiedervereinigung liegen.

Die Zahl der Arbeitslosen soll in diesem Jahr um rund 300.000 auf knapp 2,3 Millionen sinken und 2023 auf diesem Niveau verharren. Kommt es zum Gaslieferstopp, wird jedoch mit einem Anstieg der Arbeitslosenzahl auf fast 2,8 Millionen im nächsten Jahr gerechnet.

Die sogenannte Gemeinschaftsdiagnose der Institute dient der Bundesregierung als Basis für ihre eigenen Projektionen, die wiederum die Grundlage für die Steuerschätzung bilden. Erarbeitet wurde das Gutachten mit dem Titel "Von der Pandemie zur Energiekrise – Wirtschaft und Politik im Dauerstressfeder" führend vom RWI in Essen, vom DIW in Berlin, vom Ifo-Institut in München, vom IfW in Kiel und vom IWH in Halle.

rei/Reuters
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