Samstag, 20. Juli 2019

Foxconn-Chef fordert Anerkennung Taiwans Chinas größter Arbeitgeber legt sich mit China an

Terry Gou

Wenn es einen gibt, der sich erfolgreich zwischen China und Taiwan bewegt, ist es Terry Gou. Der Gründer und Chairman des taiwanischen Elektronikkonzerns Hon Hai Precision Industries (besser bekannt als Foxconn) beschäftigt in seinen Fabriken auf dem Festland rund 800.000 Menschen und ist damit der größte private Arbeitgeber.

Jetzt aber hat Gou (68) den Nerv der sensiblen Beziehungen zwischen beiden chinesischen Staaten getroffen. Die Volksrepublik China "muss die Existenz der Republik China anerkennen", forderte der Unternehmer am Montag laut "Financial Times" auf einer Wahlkampfveranstaltung. Republik China ist der offizielle Eigenname Taiwans, das von der Volksrepublik als abtrünnige Provinz betrachtet wird.

Gou will im Januar zur Wahl des taiwanischen Präsidenten kandidieren. Das habe ihm die taoistische Meeresgöttin Mazu im Traum eingeflüstert, ließ er die Öffentlichkeit wissen. Er bewirbt sich für die Nominierung der nationalistischen Partei Kuomintang, die genau wie Peking von China als einheitlicher Nation ausgeht - nur mit der Republik China statt der Volksrepublik als legitimer Staat. Die Kuomintang hatte den chinesischen Bürgerkrieg 1949 gegen die kommunistische Volksbefreiungsarmee verloren und war auf die Insel Taiwan geflohen.

Im Unterschied zur seit 2016 unter Präsidentin Tsai Ing-Wen regierenden Demokratischen Fortschrittspartei, die Taiwan als eigenständige Nation sieht, gilt die Kuomintang trotz der feindseligen Haltung als relativ kompatibel zu Wirtschaftsbeziehungen mit dem Festland. Deshalb wird sie von vielen Unternehmern wie Guo unterstützt.

Die Kandidatur des Foxconn-Chefs löste in Taiwan jedoch Sorge aus, als Präsident könne er von Peking erpressbar werden. Das laut "Forbes"-Ranking auf 7,4 Milliarden Dollar geschätzte Vermögen des reichsten Taiwaners liegt zum großen Teil in den Fabriken in der Volksrepublik, die unter anderem Geräte für Apple fertigen. 2018 brachte Foxconn die Tochterfirma Foxconn Industrial Internet mit einem - inzwischen deutlich gesunkenen - Wert von 50 Milliarden Euro an die Börse von Shanghai.

Guo, der zuvor schon Taiwan als "Teil Chinas" bezeichnet hatte, erklärte, er werde Chinas Präsident Xi Jinping nicht treffen, solange er selbst nicht gewählt und Taiwan von Peking anerkannt sei.

US-Präsident Donald Trump hingegen stattete er Anfang Mai einen Besuch ab. Einerseits ging es darum zu erklären, die von beiden groß angekündigte und mit mehreren Milliarden subventionierte - aber bisher nicht existierende - Fabrik im US-Staat Wisconsin sei "im Plan". Andererseits demonstrierte er dem taiwanischen Volk aber auch Sicherheit durch die Nähe zum Militärpartner USA - und konnte sich persönliche Ratschläge von Milliardärskollege Trump holen: Der Job als Präsident sei "hart", wusste er hinterher zu berichten.

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