Montag, 14. Oktober 2019

Kreditwürdigkeit auf "CCC" abgestuft Ratingagentur Fitch fürchtet Staatspleite in Argentinien

Proteste gegen Mauricio Macri, in Buenos Aires: Investoren befürchten eine erneute Staatspleite

Die Wahlschlappe des argentinischen Präsidenten Mauricio Macri hat das Vertrauen der US-Ratingagentur Fitch in das Land schwer erschüttert. Das Institut senkte die Einstufung der Kreditwürdigkeit des Landes am Freitagabend gleich um zwei Stufen auf "CCC". Damit sind nach Einschätzung von Fitch nur bei günstiger Entwicklung Zahlungsausfälle vermeidbar.

Der Ausgang der Wahl habe die politische Unsicherheit erhöht und die Finanzierungsbedingungen empfindlich eingeengt, urteilten die Experten. Zudem dürfte sich das volkswirtschaftliche Umfeld verschlechtern, was die Wahrscheinlichkeit einer Staatspleite erhöhe.

Bei den landesweiten Vorwahlen in Argentinien hatte der linke Präsidentschaftskandidat Alberto Fernández dem liberalen Amtsinhaber Macri jüngst eine empfindliche Niederlage zugefügt. Die Vorwahlen gelten als wichtiger Stimmungstest für die Präsidentenwahl im Oktober.

Nach der Wahl waren die Aktienmärkte und der Peso eingebrochen. Viele Anleger fürchten offenbar einen Wahlsieg von Fernández und dessen Vizekandidatin, Ex-Präsidentin Cristina Kirchner. Die ehemalige Staatschefin (2007 - 2015) steht für eine protektionistische Wirtschaftspolitik.

Investoren fürchten bei einem Wahlsieg von Fernandez eine Abkehr vom wirtschaftsfreundlichen Kurs Macris. Der Peso brach daraufhin um 15 Prozent ein. In einer ersten Schockreaktion nach Bekanntgabe des Ergebnisses der Vorwahlen zur Präsidentschaftswahl im Oktober waren zeitweise bis zu 62 Peso für einen Dollar gezahlt worden, und damit so viel wie noch nie. In der vergangenen Woche hatte der Kurs nur bei etwa 45 Peso gestanden.


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Mit den jüngsten Marktturbulenzen werden Erinnerungen an schwere Finanzkrisen in den vergangenen Jahren wach. Nach der Staatspleite von 2001 lag Argentinien mehrfach im Clinch mit Investoren, verweigerte Rückzahlungen und musste im Rechtsstreit mit US-Hedgefonds Zahlungsausfälle abwenden.

"Bei einem Wahlsieg des Linksperonisten Fernandez ist mit einer Abkehr vom wirtschaftsliberalen Kurs und einer Renaissance des 'Kirchnerismus' zu rechnen", sagte Analyst Manuel Andersch von der BayernLB. Denn dann würde Cristina Kirchner wieder an die Schalthebel der Markt zurückkehren. Eine Politikerin, die "das Land mit ihrer planwirtschaftlichen Wirtschaftspolitik in den Abgrund gezogen hat", sagte Andersch.

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