Tagebuch der Zukunft Europas Weg in den Gas-Schock

Was wäre, wenn Putin den Gashahn zudreht? Die Eskalation der politischen Krise in der Ukraine birgt Gefahren auch für die deutsche Wirtschaft. Unser Worst-Case-Szenario zeigt sie auf - in Form einer Chronik des heißen Sommers 2014.
Putin und die Pipelines: Deutscher Wirtschaft drohen ernste Konsequenzen

Putin und die Pipelines: Deutscher Wirtschaft drohen ernste Konsequenzen

Foto: Dmitry Astakhov / AFP

Dies ist Science Fiction - ein völlig frei erdachtes Szenario, gestützt auf Fakten und Expertenmeinungen, aber ohne Anspruch auf den Realismus einer Prognose. Wahrscheinlich ist eine solche Krise aus unserer Sicht nicht, aber möglich durchaus - und deshalb könnte es sich lohnen, sich zumindest gedanklich auf einen solchen Fall vorzubereiten. Wie beurteilen Sie das Szenario? Diskutieren Sie mit auf unserer Facebook-Seite .

1. Mai 2014

Kiew - Die neuen Gaspreise für ukrainische Privathaushalte treten in Kraft. In Großstädten wie Kiew, Charkow oder Odessa enden die traditionellen 1.-Mai-Kundengebungen in blutigen Straßenschlachten zwischen aufgebrachten Demonstranten und der Polizei. Der staatliche Versorger Naftogaz verlangt von den Bürgern 50 Prozent mehr für den wichtigen Brennstoff als bisher - immer noch nicht annähernd genug, um die Importkosten zu decken.

5. Mai

Moskau - Der russische Lieferant Gazprom erklärt den Versuch für gescheitert, Gespräche mit Naftogaz aufzunehmen. Der Konzern verlangt statt des früheren Freundschaftspreises von 268,50 Dollar nun 485 Dollar pro 1000 Kubikmeter, und zwar per Vorkasse. Da die Ukraine ausstehende Schulden in Milliardenhöhe habe und nicht zu zahlen bereit sei, würden die Lieferungen mit sofortiger Wirkung gestoppt. Selbstverständlich werde das für den Transit nach Westen bestimmte Gas weiterhin durch die ukrainischen Pipelines geleitet.

6. Mai

Velke Kapušany - Der slowakische Netzbetreiber Eustream meldet, am größten Gaseintrittspunkt in die EU sei der Druck in der Transgas-Pipeline um 70 Prozent gefallen. Gleiches melden auch Drozdwicze (Polen), Beregdaroc (Ungarn), Mediesu Aurit und Isaccea (Rumänien). Gazprom beschuldigt die Ukraine, illegal Gas für den Eigenbedarf abzuzweigen.

15. Mai

Groningen - Am niederländischen Handelsplatz TTF steigt der Gaspreis erstmals in diesem Jahr über 30 Euro je Megawattstunde. Anfang April hatte Erdgas noch weniger als 20 Euro gekostet. Der Staatskonzern Gasunie will seine kürzlich gedrosselte Produktion wieder hochfahren. Der Preis werde dadurch aber kaum sinken. Auf dem mitteleuropäischen Markt fehle rund ein Viertel des bisher importierten Gases. Nach dem milden Winter seien zwar Reserven für einige Monate vorhanden, vor allem die Chemieindustrie sie aber auf stetige Lieferungen im bisherigen Umfang angewiesen.

20. Mai

Baumgarten - Am Central European Gas Hub des österreichischen Energiekonzerns OMV nahe Wien hat der europäische Netzbetreiberverbund Entsog ein Krisenzentrum eingerichtet. Erstmals wird ein Großteil der auf Ost-West-Ströme ausgerichteten Gasinfrastruktur in Deutschland, Tschechien und Österreich zu maximaler Kapazität in umgekehrter Richtung genutzt. Das Krisenzentrum kontrolliert den Druck an allen Verdichtern und Grenzübergängen auf den Hauptleitungen.

Niederlage für die Gasprinzessin

25. Mai

Kiew - Die ukrainische Präsidentenwahl endet im Chaos. In mehreren östlichen und südlichen Regionen verhindern örtliche Milizen die Öffnung der Wahllokale oder geben die Abstimmung nur zum Referendum über die Föderalisierung des Landes frei. Auch in Teilen der Westukraine stören bewaffnete Nationalisten die Wahl. Am Abend erklärt sich Milliardär Petro Poroschenko zum Sieger mit der absoluten Mehrheit der abgegebenen Stimmen. Der abgeschlagenen Rivalin Julia Timoschenko hatte im vom "Gaskrieg" mit Russland geprägten Wahlkampf ihr Ruf als "Gasprinzessin" geschadet.

2. Juni

Hammerfest - Nach regulärer Wartung startet Europas einzige Gasverflüssigungsanlage auf der nordnorwegischen Insel Melkøya wieder. Das erste Tankschiff nimmt Kurs auf das belgische Zeebrügge. Der spanische Versorger Iberdrola, dem die Ladung gehört, benötigt das Flüssiggas im übersättigten spanischen Markt kaum, während die belgische Anlage schwach ausgelastet und nah am mitteleuropäischen Markt ist. Er verzichtet auf den lukrativen Weiterverkauf nach Mexiko "aus patriotischer Pflicht als gute Europäer", wie Konzernpräsident Ignacio Galán erklärt.

10. Juni

Iwano-Frankiwsk - Eine gewaltige Explosion nahe der westukrainischen Stadt tötet hunderte Menschen und zerstört die Gaspipeline "Sojus" genau dort, wo die wichtigsten Stränge nach Westen am Karpatenrand zusammenlaufen. Ein "nationalrevolutionäres Komitee" bekennt sich zu dem Bombenattentat. Die Gruppe will auf dem "schwarzen Boden" der Ukraine einen autarken Bauernstaat errichten, der nicht als Transitland für ausländische Energiemächte zur Verfügung stehe.

11. Juni

Moskau - Gazprom legt die Pipelines in Richtung Ukraine umgehend komplett still. Ausnahme seien die südlichen Zweige, die über die ostukrainischen Industriezentren auch die Balkanländer versorgen und zurück auf russisches Gebiet wie die Krim verlaufen. Russische Truppen rücken in die Ukraine vor und stellen sich entlang der weiterhin aktiven Trassen auf.

Berlin - Bundeskanzlerin Angela Merkel, Außenminister Frank-Walter Steinmeier und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel treten gemeinsam vor die Presse. Deutschland garantiere die Energieversorgung der südosteuropäischen EU-Staaten, die nun von russischem Gas abgeschnitten sind. Notfallpläne würden bereits vorbereitet. Gedacht werde etwa an Transporte von Gaskartuschen in Lkw-Kolonnen. Auch der Ukraine solle geholfen werden. "Unsere Speicher sind gut gefüllt", sagt Merkel.

Essen - RWE-Chef Peter Terium teilt mit, die Ukraine via Polen mit der maximalen Kapazität von 1,5 Milliarden Kubikmetern Gas jährlich zu beliefern, knapp ein Sechstel der vereinbarten Menge. Mehr sei nach der Zerstörung der Alternativrouten nicht möglich. Auf die Frage, ob RWE dafür russisches Gas verwende, antwortet Terium: "Gas hat keine Farbe. Auch keine Nationalflagge."

Gelsenkirchen - Zeitgleich nimmt Wettbewerber Eon am Kraftwerk Scholven den ersten überlangen Kohlezug aus Russland in Empfang. Da inzwischen sämtliche kommerziellen Gaskraftwerke bei der Bundesnetzagentur zur Stilllegung angemeldet sind, werde der Brennstoff für Spitzenlasten dringend benötigt. Bahnchef Rüdiger Grube, der die Monsterzüge mit russischer Hilfe auf die Schiene gebracht hat, muss die "Bild"-Schlagzeile "Wut auf Kohle-Grube" erdulden.

Das kleine Litauen dreht den Spieß um

13. Juni

Varna - Überraschend zeigt sich Bulgariens Ministerpräsident Plamen Orescharski am Schwarzmeerhafen gemeinsam mit Russlands Präsident Wladimir Putin zum Spatenstich für die South-Stream-Pipeline. Auf die Röhrenteile müsse man zwar noch warten, der Bau solle dennoch zügig und unbürokratisch beginnen, ohne komplizierte Genehmigungsverfahren mit Brüsseler Beteiligung abzuwarten. Vielleicht werde die Leitung wie die Ostseepipeline Nord Stream in drei Jahren fertig. "Wir hätten damit vor drei Jahren beginnen sollen", sagt Orescharski. "Wenigstens ist jetzt Sommer", erinnert er an den für viele Bulgaren tödlichen Krisenwinter 2009, als der Transitweg durch die Ukraine schon einmal blockiert war.

Brüssel - Der noch amtierende EU-Energiekommissar Günther Oettinger protestiert energisch. Er droht den an South Stream beteiligten Konzernen BASF, EdF und Eni mit nicht näher benannten "Konsequenzen", falls sie ihren Partner Gazprom nicht bremsen.

18. Juni

Berlin - Bundeswirtschaftsminister Gabriel erstaunt die Kabinettskollegen mit einer Gesetzesvorlage, die deutschlandweit die bislang geächtete Bohrung nach unkonventionellen Gasreserven mit der Fracking-Methode beschleunigen und Einspruchsrechte von Ländern, Gemeinden und Bürgern einschränken soll. "Wir brauchen einen Kraftakt", sagt Gabriel. Die Vorlage wird einstimmig angenommen. Die Spitzen der Koalitionsfraktionen vereinbaren, das Gesetz im Eilverfahren noch vor der Sommerpause durch den Bundestag zu bringen.

22. Juni

Rio de Janeiro - Eklat bei der Fußball-Weltmeisterschaft. Die russische Nationalmannschaft weigert sich, zum Gruppenspiel gegen Belgien anzutreten, weil die belgischen Spieler aus Solidarität mit der Ukraine in gelb-blauen Trikots im Stadion erscheinen. Die Fifa disqualifiziert beide Teams wegen unerlaubter politischer Kundgebung.

24. Juni

Šakiai - Litauen dreht Russland den Gashahn zu! Die Pipeline in die russische Exklave Kaliningrad ist leer. Das von Gazprom gelieferte Gas wird in Speicher im ganzen Baltikum umgeleitet, um sich für den Winter zu rüsten. Von einem "Akt der europäischen Solidarität", spricht Präsidentin Dalia Grybauskaite. "Die Russen sollen ihre eigene Medizin probieren."

25. Juni

Moskau - Gazprom stellt alle Gaslieferungen an Estland, Lettland und Litauen ein. Die Leitungen würden erst wieder in Betrieb genommen, wenn der Transit nach Kaliningrad gesichert sei. Die Russische Föderation ruft ein Schiedsgericht der Welthandelsorganisation an.

"Energy Bonds" bringen Zweifler auf Linie

27. Juni

Brüssel - David Cameron feiert seinen ersten großen diplomatischen Erfolg in Europa. "Genug ist genug" - unter diesem Motto hat der britische Premier eine Allianz mit Schweden, Polen, mehreren von russischem Gas unabhängigen westeuropäischen Staaten und schließlich auch Deutschland geschmiedet.

Der EU-Gipfel beschließt ein Embargo gegen russisches Erdgas, um eine deutliche Antwort auf die Eskalation im Baltikum zu geben. Kritiker wie Italien oder Frankreich werden mit einem gewaltigen kreditfinanzierten Investitionsprogramm ins Boot geholt. Mit "Energy Bonds", für die alle EU-Staaten gesamtschuldnerisch haften, sollen rund 100 Milliarden Euro für Flüssiggasterminals und West-Ost-Pipelines aufgebracht werden. Als Enthaltung gelten die Stimmen Ungarns und Bulgariens, deren Regierungschefs dem Treffen wegen eines wichtigen Staatsbesuchs in Moskau fernblieben. Die Neuwahl der EU-Kommission wird wegen der Krise zunächst vertagt.

30. Juni

London - Die Rohstoffbörse ICE verzeichnet den stärksten je gemessenen Preisanstieg für Erdgas-Futures. Am National Balancing Point wird mehr als ein Pfund Sterling für ein Therm verlangt, das entspricht gut 45 Euro je Megawattstunde - annähernd japanische Preise. Auch Rohöl und andere Energierohstoffe wie Steinkohle verteuern sich deutlich. Zugleich brechen die Aktienkurse dramatisch ein, mit wenigen Ausnahmen wie Rüstungstiteln.

1. Juli

Greifswald - Das Gasembargo tritt in Kraft. Am Terminal der Ostseepipeline dreht der Betreiber Nord Stream auf Anweisung der Bundesregierung den Gashahn zu. Die Kollegen in Finnland, Polen und Rumänien tun dasselbe. Kein russisches Gas erreicht mehr die EU.

2. Juli

Moskau - Putin droht, den Westen als Vergeltungsmaßnahme für die Sanktion auch nicht mehr mit Öl oder Kohle zu beliefern. Russland werde schnellstmöglich Wege finden, um neue Kundenbeziehungen in Asien aufzubauen.

7. Juli

Kassel - Von der Bundesnetzagentur beauftragte Kontrolleure ziehen in die Verwaltung der BASF-Öl- und Gastochter Wintershall ein. Ihre Mission gilt der im selben Gebäude sitzenden und inzwischen von Gazprom übernommenen Handelsgesellschaft Wingas, der auch die größten europäischen Gasspeicher gehören. Aus Gründen der nationalen Sicherheit erhält der Staat unter Verweis auf Notstandsgesetze Zugriff auf das Management der Gasreserve.

15. Juli

Burghausen - Wacker Chemie schickt seine Belegschaft wegen außerordentlicher Wartungsarbeiten im Werk und dem angeschlossenen Gaskraftwerk in "Kurzarbeit null". Gas wird zwar noch nicht rationiert, ist aber zu teuer. Auch große ostdeutsche Chemieparks wie Leuna oder der von BASF in Schwarzheide schließen vorläufig, ebenso das Stahlwerk von ArcelorMittal in Eisenhüttenstadt. Manche westdeutsche Chemiewerke zehren noch von ihren großen Gasspeichern und exklusiven Lieferverträgen, mit denen beispielsweise BASF rechtzeitig noch riesige Flüssiggaslieferungen aus Afrika und Nahost im südfranzösischen Hafen Fos-sur-Mer für Ludwigshafen gesichert hat.

Merkels kalte Worte beenden den Sommer

19. Juli

Tokio - Kurz nach einem Staatsbesuch von US-Präsident Barack Obama verkündet Japans Premier Shinzo Abe, mehr Tempo beim Wiedereinstieg in die Atomkraft zu machen. "Runter vom Gas" nennt Abe seine neue Strategie. Zwei zur Wiederinbetriebnahme vorgesehene Reaktoren werden sofort ohne weitere Sicherheitschecks hochgefahren, eine Reihe weiterer Kraftwerke soll in den kommenden Wochen folgen. Obwohl bis zu 80 Prozent der Japaner in Umfragen immer noch gegen die Atomkraft sind, setzt Abe auf seine wirtschaftliche Erfolgsbilanz. Auf Dauer komme die Abhängigkeit von Gaskraft Japan und die Welt zu teuer.

25. Juli

Dnjepropetrowsk - Die Ostukraine riegelt sich ab. Unter der Führung des Oligarchen Rinat Achmetow bildet sich ein so genannter Expertenrat, der die Verwaltung der Region übernimmt. Die verschiedenen Milizen werden in einen "Cordon Sanitaire" verlegt, um Truppenbewegungen aus der Westukraine zu verhindern. Achmetow betont, an der Einheit des Landes festzuhalten. Es gehe lediglich darum, nach den Wirren um die umstrittene Präsidentenwahl Ruhe und Ordnung wiederherzustellen. Ein Abkommen mit Gazprom erlaube es der Industrie im Kohle- und Stahlrevier, wieder legal Erdgas gegen Bargeld zu beziehen.

28. Juli

Tarvisio - Der zum Eni-Konzern gehörende Netzbetreiber Snam Rete Gas berichtet von einer schweren Störung an der Grenzstation der Trans Austria Gasleitung in Richtung Österreich. Überdruck des in West-Ost-Richtung umgekehrten Gasstroms habe die Anlagen zerstört. Die Reparatur werde wohl Monate dauern. Damit ist das italienische Netz mit zwei großen Flüssiggasterminals vorerst vom Rest Europas getrennt.

17. August

Berlin - Für eine Weile hat das prächtige Sommerwetter die Gaskrise aus dem Bewusstsein der Deutschen verdrängt. Lediglich die Beschäftigten in der Chemieindustrie und anderen stark gasabhängigen Branchen machten sich Sorgen wegen der mehrfach verlängerten Werksferien. Nun jedoch schlägt Bundeskanzlerin Merkel in einem Fernsehsommerinterview ernste Töne an. Sie ruft die Bundesbürger zu maßvollem Gaseinsatz im kommenden Winter auf. "Wenn jeder die Thermostate nur um zwei, drei Grad herunterregelt, ist schon viel erreicht." Bei ihr beginne die Heizperiode im Dezember, erklärt sie auf Nachfrage.

Nach der Sendung befragte Experten wenden ein, die privaten Haushalte sorgten ohnehin nur für ein Fünftel des deutschen Gasverbrauchs. Mehr Nachhall findet Merkels Ankündigung, dem japanischen Beispiel folgen zu wollen. "Ich habe immer gesagt, dass unsere gesamte Energiepolitik auf den Prüfstand muss." Das schließe auch längere Laufzeiten für manche Atomkraftwerke oder eine zeitweise Rückkehr ans Netz der nur eingemotteten Anlagen ein.

20. August

Düsseldorf - Ermutigt vom Auftritt der Kanzlerin, wendet sich die nordrhein-westfälische Landesregierung doch wieder stärker der Braunkohle zu. Ministerpräsidentin Hannelore Kraft will von einer Einschränkung der Ausbaupläne für RWEs Tagebau Garzweiler II nichts mehr wissen. Vielmehr sollten noch großzügigere Abbaugebiete erwägt werden. Die Gaskrise zeige, wie wichtig heimische Energierohstoffe seien. Dazu stehe auch der grüne Koalitionspartner.

Ernste Mienen auf dem Nato-Gipfel

25. August

Bad Hersfeld - Amazon erweitert seine deutschen Warenlager. Neue Hallen werden für den sprunghaft angestiegenen Bedarf elektrischer Heizgeräte reserviert. Auch Dieselgeneratoren, Solaranlagen samt Speicher, Holzöfen und alles andere Zubehör zur Selbstversorgung mit Energie erfreuen sich riesiger Nachfrage.

1. September

Ludwigshafen - BASF lädt zu einer außerordentlichen Hauptversammlung ein. Die Gesellschaft schlägt ihren Aktionären einen Aktiensplit mit Spin-off des erheblichen russischen Geschäfts vor. Eine künftig in Moskau registrierte Tochter soll Wintershalls Zugriff auf Gasreserven halten und vor Ort den billigen Rohstoff für Kraftwerke und einen sibirischen Chemiepark nutzen, wegen des politischen Risikos aber getrennt vom Kernkonzern. Der werde sich aus Gründen der Wirtschaftlichkeit und der Rohstoffsicherheit auf die Produktion in Asien und Nordamerika konzentrieren. Aktionäre von Eon verlangen einen ähnlichen Schritt.

4. September

Frankfurt am Main - Die Europäische Zentralbank reagiert auf die von Energiekosten getriebene Inflation. Laut Schnellschätzung von Eurostat sind die Verbraucherpreise im August um 4 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Zwar sei die Kerninflationsrate nach wie vor im negativen Bereich, für die Euro-Zone und insbesondere Deutschland werde in diesem Jahr eine Rückkehr der Rezession erwartet, doch das Mandat der EZB verlange die Eindämmung der Inflationserwartungen, teilt EZB-Präsident Mario Draghi mit.

Der EZB-Rat beschließt die Anhebung der Leitzinsen von 0 auf 1,0 Prozent und stellt eine weitere rasche geldpolitische Straffung in Aussicht. Um die Abwärtsrisiken für die Konjunktur abzumildern, will die EZB künftig Energy-Bonds aufkaufen und zudem am Devisenmarkt mit Dollar-Käufen intervenieren. Um Turbulenzen am Finanzmarkt zu vermeiden, wird die Bilanzprüfung der Banken vorerst ausgesetzt.

5. September

Newport (Wales) - Ernste Mienen auf dem Nato-Gipfel …

Doch halt. Um die mögliche militärische Eskalation soll es hier nicht gehen. Leicht ließe sich dieses Szenario in schwärzesten Farben fortmalen. Hier geht es aber nur um die wirtschaftlichen Folgen der skizzierten politischen Dynamik, die sich wie oben beschrieben verselbständigen kann, aber auch von starken Gegenkräften - unter anderem der wirtschaftlichen Vernunft - im Zaum gehalten wird.

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