Leitzinsen unverändert US-Notenbank Fed bereitet Märkte auf Ende der Geldflut vor

Die US-Notenbank Fed setzt trotz des rasanten Inflationsanstiegs ihre expansive Geldpolitik zunächst fort. Gleichzeitig signalisiert Fed-Chef Jerome Powell allerdings, dass die Zinsen früher steigen könnten als gedacht.
"Der Arbeitsmarkt wird sich in ein bis zwei Jahren wieder sehr stark präsentieren": Fed-Chef Jerome Powell sieht Fortschritte

"Der Arbeitsmarkt wird sich in ein bis zwei Jahren wieder sehr stark präsentieren": Fed-Chef Jerome Powell sieht Fortschritte

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Manuel Balce Ceneta / dpa

Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) fasst trotz ihrer weiterhin kräftigen Konjunkturhilfen eine Abkehr vom Krisenmodus und eine frühere Zinswende ins Auge. Fed-Chef Jerome Powell (68) signalisierte am Mittwoch nach dem Zinsbeschluss, dass ein Plan zum Abschmelzen der Anleihenkäufe bei einem anhaltenden Aufschwung auf den kommenden Sitzungen zum Thema werden dürfte. Vorerst erneuerten die Währungshüter jedoch ihr Bekenntnis, dass sie die monatliche Dosis der Geldspritzen in Höhe von 120 Milliarden US-Dollar solange verabreichen wollen, bis erhebliche Fortschritte bei Preisstabilität und Beschäftigung erreicht sind. Laut Powell ist die Fed noch lange nicht am Ziel: "Aber wir machen gute Fortschritte."

Die Währungshüter sehen sich inmitten des aufkommenden Booms mit rasant steigenden Verbraucherpreisen konfrontiert, während der Arbeitsmarkt noch immer weit von seinem hohen Vorkrisenniveau entfernt ist. Angesichts der längst nicht ausgestandenen Krise beließ die Fed den Leitzins in der Spanne von null bis 0,25 Prozent. Allerdings signalisierten die Währungshüter erstmals seit Ausbruch der Pandemie, dass es 2023 eine Erhöhung geben könnte. Bislang hatten sie im Mittel eine Zinswende erst ein Jahr später angepeilt.

Fed erwartet Wirtschaftswachstum von 7 Prozent für 2021

"Dies deutet darauf hin, dass die Fed unter dem Eindruck steigender Preisrisiken ihren Zeitplan zur Politiknormalisierung beschleunigt", so die Einschätzung von Bernd Weidensteiner von der Commerzbank. "Die Fed ändert den Tonfall markant. Die Märkte werden auf eine straffere Geldpolitik vorbereitet", meinte auch Chefökonom Thomas Gitzel von der Liechtensteiner VP Bank. An den Terminmärkten wird nun schon für Februar 2023 mit der Zinswende gerechnet. Die Signale für eine vorzeitige Straffung der Geldpolitik schickten den Gold-Preis auf Talfahrt. Die US-Leitindizes Dow Jones, Nasdaq und S&P 500 verbuchten Verluste. Der Dollar erhielt hingegen Rückenwind.

Konkrete Signale für ein Zurückfahren der Käufe erwarten viele Beobachter allerdings erst für die große Notenbanker-Konferenz in Jackson Hole, die Ende August wieder als Präsenzveranstaltung angeboten wird. Sollte sich der Aufschwung festigen, könnte Powell in Wyoming einen Fingerzeig geben, wann der Ausstieg konkret eingeleitet wird.

Sorge dürfte der Fed bereiten, dass die Verbraucherpreise (CPI) zuletzt kräftig anzogen: Sie kletterten um 5,0 Prozent und damit so stark wie seit rund 13 Jahren nicht mehr. Die Notenbank sieht den Preisanstieg als vorübergehendes Phänomen. Zugleich erwarten sie, dass auf die Krise ein kräftiger Boom folgt: Für 2021 veranschlagen sie ein Plus beim Bruttoinlandsprodukt von 7,0 Prozent. 2022 sollen immerhin 3,3 Prozent herausspringen.

Gertrude Chavez-Dreyfuss, Howard Schneider, Reinhard Becker/Reuters
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