Rede in Jackson Hole Fed-Chef Powell stellt harten Kurs gegen Inflation in Aussicht

Seit Wochen wetten Investoren gegen einen weiterhin strikten Kurs der US-Notenbank gegen die Inflation, und seit Tagen fiebern sie der Rede von Fed-Chef Powell entgegen, auf der sie auf Bestätigung hofften. Die lieferte Powell heute jedoch nicht.
Fed-Chef Jerome Powell: "Die Wiederherstellung der Preisstabilität wird für einige Zeit eine restriktive Geldpolitik nötig machen"

Fed-Chef Jerome Powell: "Die Wiederherstellung der Preisstabilität wird für einige Zeit eine restriktive Geldpolitik nötig machen"

Foto: POOL / REUTERS

US-Notenbankchef Jerome Powell (69) hat die Finanzmärkte auf einen langen Kampf gegen die ausufernde Inflation eingestimmt. Die Wiederherstellung der Preisstabilität werde für "einige Zeit" eine restriktive Geldpolitik nötig machen, sagte er am Freitag auf dem Zentralbank-Symposium von Jackson Hole im US-Bundesstaat Wyoming. Dazu müssten die Werkzeuge "kraftvoll" genutzt werden. Die Äußerungen gelten als deutliches Signal, dass die Federal Reserve (Fed) ihren Zinserhöhungskurs eisern fortsetzen wird und Lockerungen auf absehbare Zeit nicht infrage kommen. Mehrere US-Währungshüter haben betont, es sei voreilig von den Märkten, Zinssenkungen im kommenden Jahr zu erwarten.

Wie hoch der nächste Zinsschritt ausfallen wird, bleibt vorerst offen. Powell sagte, dies hänge von der Datenlage ab, womit insbesondere die Inflations- und Arbeitsmarktdaten gemeint sein dürften. "Unsere Entscheidung auf der September-Sitzung wird von der Gesamtheit der eingehenden Daten und den sich entwickelnden Aussichten abhängen", sagte der Notenbanker. Es könnte jedoch ein erneut "außergewöhnlich großer" Zinsschritt notwendig werden.

Irgendwann werde es auf dem Weg der Zinserhöhungen allerdings angebracht sein, das Tempo zu verlangsamen, sagte Powell auf dem von der regionalen Fed-Bank Kansas City seit 1978 ausgerichteten Economic Policy Symposium. Wann dieser Punkt gekommen sein wird, ließ er offen.

Investoren befürchten Rezession

Händler sahen zuletzt für die Fed-Sitzung im September eine etwas größere Chance auf eine Erhöhung um 0,75 Prozentpunkte als auf eine Anhebung um einen halben Prozentpunkt. Powell hat bei früherer Gelegenheit Leitzinsen von 3,0 bis 3,5 Prozent bis Jahresende als anzustrebendes "moderat restriktives Niveau" bezeichnet, wobei die Wirtschaft bereits leicht gebremst wird.

Die US-Notenbank hatte ihren Leitzins auf der jüngsten Sitzung im Juli um 0,75 Prozentpunkte auf 2,25 bis 2,50 Prozent angehoben. Es war die vierte Erhöhung des Leitzinses seit Beginn der Corona-Pandemie – und der zweite Anstieg in Folge um 0,75 Prozentpunkte. Der Grund für das entschlossene Handeln der Notenbank ist die sehr hohe Inflation. Die Jahresrate in den USA hatte im Juli bei 8,5 Prozent gelegen. Die Fed strebt eine Rate von 2 Prozent an.

Alljährliches Treffen: Fed-Chef Jerome Powell am Vortag seiner Rede in Jackson Hole mit Gattin Elissa Leonard (r.)

Alljährliches Treffen: Fed-Chef Jerome Powell am Vortag seiner Rede in Jackson Hole mit Gattin Elissa Leonard (r.)

Foto: JIM URQUHART / REUTERS

An den Finanzmärkten geht die Furcht um, dass die Notenbank mit einem zu aggressiven Kurs eine Rezession auslösen könnte – also eine wirtschaftliche Schwäche auf breiter Front. Die USA stecken nach zwei Minuszeichen bei der Wirtschaftsleistung in den ersten beiden Quartalen bereits in einer sogenannten technischen Rezession.

An den Börsen weiteten die Aktienindizes in Europa und den USA ihre Kursverluste in Reaktion auf die Powell-Aussagen aus. Der Dax gab deutlich nach und notierte zuletzt 1,6 Prozent schwächer bei 13.054 Punkten. Der US-Leitindex Dow Jones Industrial verlor 1,2 Prozent auf 32.899 Punkte. Zudem warfen Anleger in Erwartung der großen Zinsschritte Anleihen aus ihren Depots. Die Rendite der zehnjährigen deutschen Staatsanleihen stieg um acht Basispunkte auf ein Zwei-Monats-Hoch von 1,419 Prozent. Der Euro stand 1,1 Prozent höher bei 1,0083 Dollar.

Die Aktienkurse waren zuvor nach Verlusten in der ersten Jahreshälfte wochenlang tendenziell gestiegen. Beobachter werteten diese Wommer-Rallye als Wette gegen die US-Notenbank Fed: Investoren setzten offenbar darauf, dass die Fed angesichts der Rezessionsgefahr schon bald von ihrem strikten Kampf gegen die Inflation abrücken und das Tempo der Zinserhöhungen drosseln müsse. Die heutige Rede von Fed-Chef Powell scheint diesen Spekulationen vorläufig ein Ende zu setzen.

cr, mg/Reuters, dpa
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