Freitag, 20. September 2019

Kampf um niedrigere Zinsen und die Konjunktur Darum provoziert Trump Peking und attackiert zugleich Fed-Chef Powell

US-Notenbank-Chef Jerome Powell lässt eine weitere Zinssenkung offen. US-Präsident Trump bezeichnet den Fed-Chef zwar indirekt aber postwendend als größten Feind der USA
ANDREW CABALLERO-REYNOLDS/AFP
US-Notenbank-Chef Jerome Powell lässt eine weitere Zinssenkung offen. US-Präsident Trump bezeichnet den Fed-Chef zwar indirekt aber postwendend als größten Feind der USA

Nach der weiteren Zuspitzung des Handelsstreits zwischen den USA und China warnt eine Vertreterin der US-Notenbank vor Gefahren für die US-Wirtschaft. Je mehr dieser Handelskrieg eskaliere, desto mehr müsse das für ein Szenario eines schwachen Wachstums berücksichtigt werden, sagte die Präsidentin des regionalen Fed-Ablegers aus Celveland, Loretta Mester, am Wochenende am Rande der Fed-Konferenz in Jackson Hole der Nachrichtenagentur Reuters.

Wenn es viele Unsicherheiten gebe, vor allem von der Handelsseite, würden viele Unternehmer und Verbraucher erwägen, sich besser zurückzuhalten: "Ich glaube, hier gibt es ein großes Abwärtsrisiko."

Ob der Handelsstreit und andere politische Entwicklungen die US-Wirtschaft unter das erwartete Wachstum von zwei Prozent drücken würden, sei noch unklar, sagte Mester. Bis zur nächsten Zinssitzung der Notenbank seien aber noch drei Wochen Zeit. Bis dahin werde es mehr Daten geben, die über den Zustand der Wirtschaft Auskunft geben könnten, "Es wäre schlecht, auf Dinge zu reagieren, die den Ausblick noch nicht beeinträchtigt haben."

Trump keilt gegen Fed-Chef - Powell lässt weitere Zinssenkung offen

Die Fed um ihren Chef Jerome Powell sieht sich sehr großem Druck von US-Präsident Donald Trump ausgesetzt, die US-Zinsen von derzeit 2,0 bis 2,25 Prozent um mindestens einen Prozentpunkt zu senken. Trump will damit der Wirtschaft einen Schub geben. Powell hatte zuletzt am Freitag aber offen gelassen, ob er zu einer Zinssenkung im September bereit wäre. Er hatte lediglich gesagt, die Fed werde angemessen handeln, um die Konjunktur zu stützen. Aktuell befinde sich die Wirtschaft aber in einer "günstigen Position".

Trump hatte daraufhin getwittert, man müsse sich fragen, wer eigentlich der größte Feind der USA sei: Powell oder der chinesische Präsident Xi Jinping. Wie zielgerichtet und agitatorisch Trump gegen die Fed vorgeht, um das Ansehen von Fed-Chef Powell zu beschädigen und ihn zu zermürben, zeigt auch seine Äußerung er würde Powell nicht von einem Rücktritt abhalten. "Sollte er das tun, würde ich ihn nicht stoppen."

Selbstverständlich hat Powell nie die Absicht geäußert zurückzutreten.

Streit zwischen USA und China eskaliert - Investoren zittern vor Montag

Kurz darauf hatte sich auch der Handelsstreit der USA mit China unerwartet zugespitzt. Die chinesische Führung hatte höhere Zölle auf US-Importgüter angekündigt, woraufhin Trump erklärte, er werde unmittelbar antworten. Allein dies setzte die Kurse an den Börsen stark unter Druck.

Nach Handelsschluss an der Wall Street kündigte Trump dann eine Anhebung schon bestehender Sonderzölle an. China warnte die USA am Samstag wiederum, die Situation nicht falsch einzuschätzen. Nun wird mit Spannung erwartet, wie die Börsen darauf am Montag reagieren. Der Streit lastet seit vielen Monaten auf den Kursen, weil er die Weltwirtschaft beeinträchtigt.

rei mit Reuters

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