Freitag, 20. September 2019

Attacken auf US-Notenbank hören nicht auf Trump fordert Zinssenkung um 100 Basispunkte

Ein Bild aus besseren Tagen: Donald Trump und der spätere US-Notenbankchef Jerome Powell im November 2017
Carlos Barria / REUTERS
Ein Bild aus besseren Tagen: Donald Trump und der spätere US-Notenbankchef Jerome Powell im November 2017

Die Kritik der US-Regierung an der politisch unabhängigen Notenbank reißt nicht ab. Präsident Donald Trump forderte am Montag auf Twitter von der Federal Reserve eine Zinssenkung um mindestens 100 Basispunkte - einen Prozentpunkt. Begleitet werden könne dies von weiteren Maßnahmen zur Ankurbelung der Konjunktur ("quantative easing").

"Wenn das passieren würde, würde es unserer Wirtschaft noch bessergehen, und die Weltwirtschaft würde deutlich und schnell verbessert werden - gut für alle!" schrieb Trump. Der US-Präsident beklagte eine Stärke des Dollars, die "leider anderen Teilen der Welt Schmerzen bereitet". In den vergangenen Monaten hatte Trump die Fed immer wieder scharf kritisiert und in einer für einen US-Staatschef unüblichen Art Zinssenkungen gefordert, um die Wirtschaft anzuschieben.

US-Handelsminister Ross: Wir sind sehr verärgert

Der ständige Versuch der Einflussnahme auf die Fed rief kürzlich ihre vier ehemaligen Chefs auf den Plan. "Wir sind in der Überzeugung vereint, dass es der Fed und ihrem Vorsitzenden erlaubt sein muss, unabhängig zu agieren", schrieben Paul Volcker, Alan Greenspan, Ben Bernanke und Janet Yellen im Wall Street Journal. Die Notenbank müsse "frei von kurzfristigem politischen Druck" handeln können. Ihre Führungsmitglieder dürften nicht der Drohung ausgesetzt sein, dass sie von ihren Posten entfernt werden könnten. Trump wird in dem Beitrag der früheren Fed-Chefs nicht namentlich genannt.

Handelsminister Wilbur Ross scherte sich um die Kritik am Montag nicht. Er warf der US-Notenbank vor, für den jüngsten Kursanstieg des Dollar mitverantwortlich zu sein. "Wir sind sehr verärgert über den Teil der Dollar-Stärke, der auf die Geldpolitik der Fed zurückzuführen ist", sagte er dem Sender Fox Business. Mit einem Anstieg der US-Währung verteuern sich amerikanische Produkte auf dem Weltmarkt. Konkurrenten aus anderen Ländern sind dann preislich im Vorteil.


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Seit Jahresbeginn ist der Dollar zum Euro um 3,3 Prozent gestiegen. Der Dollar-Index, der den Wechselkurs zu wichtigen Währungen widerspiegelt, gewann 2,1 Prozent. Erst Ende Juli hatte die Fed ihren Leitzins um einen Viertel Prozentpunkt auf jetzt 2,00 bis 2,25 Prozent gesenkt. Trump war dieser Schritt aber nicht weit genug gegangen.

rei/Reuters/afp

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