Montag, 21. Oktober 2019

Historische Zinswende Wann gibt's mal wieder richtig Zinsen?

Fed-Präsidentin Yellen vor der Zinswende: "Wir freuen uns darauf"

Vielleicht ist es nur eine Generationenfrage. Wer vor zehn Jahren schon aktiv am Wirtschaftsleben teilnahm, kann sich erinnern, dass auch mal eine Zinserhöhung dazugehört. Auf einen Großteil der Akteure am Kapitalmarkt trifft das zwar nicht zu. Aber für Janet Yellen (69), unter deren Vorsitz die US-Notenbank Federal Reserve an diesem Mittwoch Abschied vom Nullzins genommen hat, ist das eine "Normalisierung".

Vielen Anlegern, Sparern und Versicherungsnehmern dürfte das aus der Seele sprechen: endlich wieder Rendite fürs Risiko! "Normal" ist aus ihrer Sicht eben nicht die "neue Normalität" der Nullzinswelt nach der Finanzkrise, sondern die gute, alte Normalität vergangener Jahrzehnte - mit mittleren einstelligen Zahlen vor dem Komma, mindestens.

Wie weit ist es bis dahin? Und ist dieses Ziel überhaupt auf absehbare Zeit zu erreichen?

Der "Dot Plot"

Der "Dot Plot" der Fed: 3 Prozent Zinsen in drei Jahren? (zum Vergrößern bitte auf das Bild klicken)
Federal Reserve Board
Der "Dot Plot" der Fed: 3 Prozent Zinsen in drei Jahren? (zum Vergrößern bitte auf das Bild klicken)
Eine Antwort kann die Fed selbst liefern. Als Teil ihrer Wirtschaftsprognosen (PDF) geben die Ratsmitglieder der Zentralbank regelmäßig - zuletzt im September - auch bekannt, wo sie den Leitzins in den kommenden Jahren sehen. Sie sagen also voraus, wie sie selbst in Zukunft mutmaßlich entscheiden werden.

Im "Dot Plot" (siehe Grafik) sind die Prognosen der einzelnen Ratsmitglieder als Punkte abgetragen.

Da gibt es einen Abweichler, Narayana Kocherlakota aus Minneapolis, der die Zinsen lieber in den negativen Bereich senken und im kommenden Jahr dort lassen würde, um Konjunktur und Inflation in Schwung zu bringen. Aber der scheidet zum Jahreswechsel sowieso aus dem Amt aus.

Das Lager der inflationsfürchtigen "Falken" verkörpert Jeffrey Lacker aus Richmond, der 3 Prozent schon für 2016 anpeilt. Dazwischen aber sammelt sich das Zentrum um Yellen, und mit Blick auf 2018 und die Folgejahre sind sich sowieso alle einig: Dann soll der Leitzins wieder 3 bis 4 Prozent betragen - wie es früher einmal war (im neuen Dot Plot von Dezember [PDF] ist der Konsens nicht mehr ganz so eng).

Verlassen sollte man sich auf den "Dot Plot" allerdings nicht. Yellen und Kollegen betonen immer wieder, dass die Zinswende "graduell" und "datengebunden" sein soll.

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